SALTO: Herr Bargolini, Sie sagen, dass Südtirol enorme Wasserverluste hat, bevor das Wasser überhaupt von der Quelle ins Leitungsnetz kommt. Könnten Sie das erklären?
Robert Bargolini: In Südtirol werden laut den ASTAT-Zahlen, auf die ich mich beziehe, 86,1 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Davon werden aber nur etwa 67,4 Millionen Kubikmeter in die Trinkwassernetze eingespeist. Da fehlen also bereits rund 20 Millionen Kubikmeter, bevor wir überhaupt über die Verluste im Leitungsnetz sprechen.
„Sind das Überläufe, Messfehler oder tatsächlich Verluste? Darauf gibt es keine klare Antwort.“
Um es sich vorstellen zu können: Ein Kubikmeter Wasser sind tausend Flaschen. Die entscheidende Frage lautet: Wo bleibt dieses Wasser? Sind das Überläufe, Messfehler oder tatsächlich Verluste? Darauf gibt es keine klare Antwort. Ich sage nicht, dass die gesamte Differenz automatisch ein physischer Wasserverlust ist. Das eigentliche Problem ist, dass wir es nicht wissen, weil die Daten nicht transparent offengelegt werden. Zu dieser ungeklärten Differenz kommen dann laut den verfügbaren Angaben noch Verluste von ungefähr 30 Prozent innerhalb des Leitungsnetzes hinzu. Bevor wir also der Bevölkerung, dem Tourismus oder der Landwirtschaft vorwerfen, zu viel Wasser zu verbrauchen, müssen die Versorger offenlegen, wie viel Wasser sie entnehmen, wie viel sie einspeisen und wo die Differenz bleibt.
Kommentare
Wow, Herr Bargolini!…
Wow, Herr Bargolini! Grossartiger Klartext!
Soviel Wissen, Kompetenz, Haltung und komplexes Verstehen ist für die - doch oftmals wenig kompetenten, nur auf machterhalt, eigen - und klientelversorgung ausgerichteten- svpriegen wahrscheinlich zu bedrohlich... so wie sich die svp+ rechtspolitik derzeit zusammenstellt wird sie kein professionelles, zukunftsfähiges Wassergesamtmanagement aufderstellen...
„Über die genauen Ursachen…
„Über die genauen Ursachen des Klimawandels kann man politisch endlos streiten“
Kann man eigentlich nicht. Die Ursachen des Klimawandels sind sehr, sehr gut erforscht.
Es wird aber trotzdem zum Thema politisiert, obwohl es ein wissenschaftliches Sachthema wäre.
Es wird politisiert, um vom unbequemen Thema abzulenken, sein eigenes Versagen zu verdecken, und den Öl- und Gasfirmen weiter enorme Gewinne auf Kosten der Menschheit und Natur zu ermöglichen.
Trumpismus und Reichelitis. Nur um einige der Krankheiten zu nennen.
Antwort auf „Über die genauen Ursachen… von Johannes Engl
Ihre Reaktion auf meinen…
Ihre Reaktion auf meinen Artikel ist reine Polemik.
> In meinem Beitrag ging es um ein ganz essenzielles Thema: unsere Trinkwasserversorgung. Anstatt auf diese konkrete Thematik einzugehen, wird lieber mit belanglosen Schlagworten wie „Trumpismus“ oder „Reichelitis“ politisiert – von Dingen, von denen man offensichtlich keine Ahnung hat.
> Die genauen Ursachen des Klimawandels sind keineswegs so einfach darzulegen. Natürlich trägt der Mensch zum Erdklima bei, aber viel gravierender ist unser direkter Eingriff in die Natur durch rücksichtslosen Raubbau. Auf das Klima selbst wirken gewaltige Prozesse ein, die wir noch gar nicht vollends deuten können. Eis- und Warmzeiten unterlagen nie einer festen Zyklik, sondern wurden immer wieder durch große Naturereignisse beeinflusst, die nicht einmal rein irdisch sind – wie Asteroideneinschläge oder Sonnenstürme. Am Ende können wir das Klima nicht kontrollieren. Die Art und Weise, wie wir unseren Planeten ausbeuten, dagegen schon.
> Unser größtes und unmittelbarstes Problem ist die Überfischung der Meere, die exzessive Landwirtschaft, die Mikroplastikschwemme, PFAS und all die Giftstoffe. Fossile Brennstoffe sind im Grunde Teil des natürlichen Kreislaufs, und \text{CO}_2 sowie Stickstoff sind Pflanzendünger. Doch die Art, wie wir Seefischerei und Landwirtschaft betreiben, wird uns noch weit mehr schaden als alles andere.
> Die Behauptung, es gäbe nicht genug Land, um uns alle zu ernähren, ist totaler Blödsinn – die Landwirtschaft müsste schlicht mit dem Planeten arbeiten und nicht gegen ihn.
> Ein wärmeres Klima löst zwar momentane Herausforderungen aus, aber die Blütezeit der Menschheit lag historisch in Warmzeiten. Auch die Artenvielfalt ist mit der Wärme entstanden und wurde in der Erdgeschichte durch Asteroiden, Vulkane und Eiszeiten dezimiert. Heute dezimieren wir sie selbst – mit Fischernetzen, Pestiziden, dem Pflug und der Mähmaschine.
> Hier könnten wir schon längst anders reagieren, aber stattdessen mähen wir das Gras, bevor es blüht, vernichten die Mikroorganismen im Boden mit schwerem Gerät und zerstören die Biodiversität mit Glyphosat, indem wir Schmetterlingsblütler ausrotten. Das Meer fischen wir leer, den Regenwald holzen wir ab.
> Das Klima ist dabei das kleinste Problem. Der Meeresspiegel steigt und es wird Unwetter geben, während die Temperaturen sich ändern – wobei noch nicht einmal sicher ist, ob wir aus einer kleinen Eiszeit nicht eher auf eine neue zusteuern. Überall wird Halbwissen verbreitet und als Binsenweisheit verkauft, während die echten, handfesten Ursachen unserer Umweltzerstörung ignoriert werden.
>
Antwort auf Ihre Reaktion auf meinen… von Robert Bargolini
Sehr richtig erfasst Herr…
Sehr richtig erfasst Herr Bargolini.
Obwohl wir bereits die technologischen Mittel für ein viel Ressourcen schonendes wirtschaften haben, verschwenden wir diese weiterhin wie vor der Jahrtausendwende und das nur weil ein paar fossile Großkonzerne weiterhin nicht von Ihrem Goldesel ablassen können.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bp-oelkonzerne-oelprei…
Der Club of Rome hat uns dies vor über 50 Jahren bereits, in einer für damals beeindruckenden Analyse, prognostiziert. Und auch Shell hatte damals so eine Studie welche Ähnliches vorhersagte.
Meine leise Hoffnung ist, dass Trump/Putin die Totengräber des fossilen Zeitalters sind. Und wie meistens bei großen Änderungen in der Zeitgeschichte, muss es erst nochmal richtig schmerzen bevor wir bereit sind dies wirklich zu ändern.
Antwort auf Sehr richtig erfasst Herr… von Stefan S
Sie sprechen da einen Punkt…
Sie sprechen da einen Punkt an, der das Ausmaß dieser systematischen Blockadehaltung verdeutlicht.
Ich habe das 2011 selbst hautnah erlebt, als ich kurz bei der Von Roll AG in der Schweiz tätig war. Wir hatten damals direkten Kontakt zum Club of Rome und arbeiteten am Desertec-Programm – der Vision, über großflächige Solar- und Windkraft in den Maghreb-Staaten Strom für Nordafrika und Europa zu erzeugen. Die Technologie stand, die Machbarkeit war da.
Was folgte, war bezeichnend: Die Eigentümerstruktur um August von Finck und die Führungsebene haben diese Zukunftsansätze komplett abgewürgt und zerredet – ganz nach dem Motto „Après moi, le déluge“. Ein Paradebeispiel dafür, wie etablierte Industriekreise aus Bequemlichkeit und Risikoscheu echte Innovationen im Keim ersticken.
Blickt man auf das globale Scheitern von Desertec zurück, sieht man das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
Geopolitische Instabilität: Der Arabische Frühling ab 2011 hat die nötige Rechtssicherheit in der Maghreb-Region zerschlagen – ein Umstand, der denjenigen, die am fossilen Status quo festhalten wollten, sicher nicht ungelegen kam.
Fehlender Wille & Lobbydruck: Statt Mut zu beweisen und die Infrastruktur aufzubauen, zogen sich die großen Industrie- und Finanzplayer wieder zurück.
Das Muster bleibt leider das gleiche: Sobald eine Vision die etablierten Monopole bedroht oder echtes Umdenken erfordert, wird sie verwässert, zerredet oder den politischen Risiken überlassen.
Antwort auf Sie sprechen da einen Punkt… von Robert Bargolini
Eine durch Sachkenntnis sehr…
Eine durch Sachkenntnis sehr wohltuende Stimme hier in der Community! Bleiben Sie uns bitte gewogen und treu, Herr Bargolini!
Antwort auf „Über die genauen Ursachen… von Johannes Engl
Lesetipp: https://www…
Lesetipp: https://www.athesiabuch.it/item/Tiere_essen/Jonathan_Safran_Foer?isbn=9…
Dieses Buch„ Tiere essen“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für bewusstere Ernährung und mehr Mitgefühl im Umgang mit Tieren. Es regt zum Nachdenken an über die Auswirkungen unserer Essgewohnheiten auf Tiere, Umwelt und unsere Gesundheit. Foer präsentiert Fakten, ohne zu predigen, und überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Ein wichtiges Buch, das die Debatte um Tierschutz, TierundNaturAusbeutung - zu See und zu Land- , Vegetarismus und Nachhaltigkeit befeuert.
Es geht immer um maximale…
Es geht immer um maximale Abzocke der Bürger durch irgendwelche in die Welt gesetzten Narrative.
Nachdem man die Luft besteuerte indem man völlig unbewiesene Behauptungen über Klimawandel und CO2 in die Welt setzte, geht es diesmal um das Wasser bzw. die Wasserknappheit.
Anstatt wie im Artikel beschrieben erstmal an die Ursachen des Problems zu gehen (Lecks eruieren und Leitungen tauschen), bzw. für Notsituationen vorzusorgen wird daran gearbeitet den Wasserzins zu erhöhen, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher . Der Klimawandel wird die nötigen Argumente liefern.
Aber manchmal schneiden sich die politischen Parteien selbst ins Fleisch.
Wären z.B. die Grünen, aber auch andere bei ihrer ursprünglichen Agenda, nämlich dem Umweltschutz geblieben, anstatt sich auf das unbewiesene dünne Eis des menschengemachten Klimawandels zu bewegen, wäre ihnen mehr Zustimmung beschieden. Denn die Umweltzerstörung ist das Problem wie der Autor richtig anmerkt und da gäbe es Aktionsfelder genug die man beackern könnte.
So wird ihnen das Klimathema auf den Kopf fallen.
Denn bei allem bashing der fossilen Brennstoffe, stammen diese doch aus einem Prozess im Verlauf der Erdgeschichte und dass man den Welthandel und die Mobilität (Grundlage des Wohlstandes) ohne die petro-fuels organisieren und managen kann, das ist ein Wolkenskonstrukt.
Zudem sind die sogenannten Erneuerbaren aus Sonne, Wind-und Wasserkraft unzuverlässige Versorger, verschandeln die Landschaft, haben noch nicht ausreichend erforschte Einflüsse auf die Menschen (Windparks in Wohnortnähe) und werden genauso von lobbies betrieben. Die Produktion stammt nahezu vollumfänglich aus China und die Bestandteile (z.B. Rotorblätter) sind aus problematischen Materialien hergestellt die ein Recyceln nicht ermöglichen uvm.....Also eine Menge umweltbelastender Faktoren.
Deshalb sollte man auch hier genauer hinschauen wenn man eine „Energiewende“ promotet indem man auf den Klimawandel als (unbelegtes) Argument verweist uns schauen welchen lobbies man da das Wort redet und ob die einen, wenn man alles betrachtet, wirklich umweltfreundlicher sind als die anderen. Auch hier geht es um riesige Geschäfte.
Wie wären besser beraten mit den Wetterphänomenen umzugehen, vorzubauen und mit der Natur zu arbeiten , als ideologischen Narrativen anzuhängen die, wie ich schon sagte immer damit enden, dass den Leuten (von den Unternehmern bis zum Arbeiter bzw. dem Mittelstand) das sauer verdiente Geld aus der Tasche gezogen wird um er umzuverteilen, weil man den Leuten ja alles erzählen, bzw. die Panikkarte ziehen kann.
Antwort auf Es geht immer um maximale… von Milo Tschurtsch
Dass es in der Politik und…
Dass es in der Politik und der Wirtschaft oft primär um Geld, Machterhalt und finanzielle Interessen geht, darin muss man Ihnen leider recht geben. Umso bedauerlicher ist es jedoch, dass die Debatte über den Klimawandel – also über Veränderungen, die wir heute alle ganz real wahrnehmen – rein politisch und ideologisch ausgeschlachtet wird. In diesem endlosen Streit über Bewegungen, Ideologien und Schuldfragen verschwenden wir wertvolle Zeit.
Denn der eigentliche, unmittelbar drohende Kollaps geht nicht primär vom Klima aus – der wahre Killer ist das beschleunigte Artensterben, insbesondere in den Weltmeeren. Während wir Milliarden investieren, um zum Mars zu fliegen, haben wir das lebenserhaltende System unseres eigenen Planeten noch nicht einmal ansatzweise verstanden. Dabei wird in der öffentlichen Diskussion meist völlig übersehen: Die größte Lunge der Erde sind nicht die Wälder, sondern die Ozeane. Das Phytoplankton produziert den Großteil unseres Sauerstoffs.
Während Flora und Fauna an Land oft anpassungsfähiger sind als gedacht, reagieren marine Ökosysteme extrem empfindlich – Gewässer können schlagartig kippen. Wenn die Meere durch Überfischung, Plastik, Vermüllung und Gifte kollabieren, führt das zur fatalsten aller Krisen. Denn dadurch vernichten wir nicht nur die Menschheit, sondern das gesamte Habitat für fast alle höheren Lebensformen auf diesem Planeten.
Wir leben auf einem blauen Planeten. Das Wasser war der Anfang allen Lebens – und wenn wir die Ozeane weiter ruinieren, wird es auch das Ende sein. Unser Überleben entscheidet sich nicht in politischen Debatten, sondern am realen Schutz unserer Meere und der Biodiversität.
Antwort auf Dass es in der Politik und… von Robert Bargolini
Zitat: „Wenn die Meere durch…
Zitat: „Wenn die Meere durch Überfischung, Plastik, Vermüllung und Gifte kollabieren...“:
wenn die Meere kollabieren, dann durch die steigende Wassertemperatur...
Antwort auf Zitat: „Wenn die Meere durch… von Peter Gasser
Hallo Herr Gasser, die…
Hallo Herr Gasser,
die steigende Wassertemperatur ist unbestritten ein Stressfaktor – insbesondere für flache Küstenzonen, Randmeere wie die Ostsee oder empfindliche Flachwasser-Korallenriffe. Die Aussage, dass die Meere allein oder hauptsächlich daran kollabieren, greift jedoch ökologisch zu kurz und ignoriert die viel gravierenderen Kaskadeneffekte im offenen Ozean.
Der Zusammenbruch mariner Ökosysteme droht vor allem durch die Zerstörung der biologischen Nahrungsketten und Kreisläufe im gesamten Wasserkörper:
* Die Schlüsselrolle der Großsäuger (Biological Pump): Große Walarten und Meeressäuger sind keine bloßen Bewohner des Ozeans, sondern seine „Öko-Ingenieure“. Durch ihre Vertikalwanderungen transportieren sie Nährstoffe aus der Tiefe an die Oberfläche (der sog. Whale Pump). Ihr Kot düngt das Phytoplankton – also genau jene Mikroorganismen, die den Großteil unseres weltweiten Sauerstoffs produzieren und binden.
* Kumulative Zerstörung statt Einzeleffekt: Die Kombination aus exzessiver Überfischung, industrieller Lärmverschmutzung (die die Orientierung und Paarung der Großsäuger massiv stört), Plastikmüll und chemischen Giften schädigt diese Bestände global.
* Das Kippen des Systems: Fehlen die Nährstoffträger und Top-Prädatoren, bricht die Nahrungskette von oben nach unten zusammen. Die Folge ist keine bloße Erwärmung, sondern ein Umkippen der Systeme: Eutrophierung (Überalgung), Sauerstoffarmut in tiefere Schichten hinein und letztlich das Absterben der biologischen Lunge unseres Planeten.
Historisch gesehen gab es auf der Erde bereits deutlich wärmere Phasen, in denen marine Systeme existieren konnten. Die Natur kann sich an Temperaturveränderungen anpassen – vorausgesetzt, die Ökosysteme sind intakt. Wenn wir jedoch gleichzeitig die biologische Struktur der Ozeane durch Raubbau und Verschmutzung vernichten, nehmen wir dem System jegliche Resilienz.
Die Erwärmung verstärkt den Druck, aber der Todesstoß für die Ozeane ist unser direkter, täglicher Eingriff in die marinen Kreisläufe.
Zitat: „ Es geht immer um…
Zitat: „ Es geht immer um maximale Abzocke der Bürger durch irgendwelche in die Welt gesetzten Narrative“:
... und dann setzen Sie Ihr viel dutzendfach geschriebenes Narrativ unten dran... diesmal erzählen Sie uns von der erfundenen Erderwärmung, dem Narrativ der Petroindustrie, die uns, wie Sie so schön sagen, „das sauer verdiente Geld aus der Tasche zieht um es umzuverteilen“.
Sie sind mir einer!
Antwort auf Zitat: „ Es geht immer um… von Peter Gasser
@ Milo Tschurtsch, Mi., 05…
@ Milo Tschurtsch, Mi., 05.08.2026 - 21:54 Uhr
Warum die Debatte am Kern…
Warum die Debatte am Kern vorbeigeht
Der Artikel oben beschreibt die konkreten Wasserprobleme in Südtirol, die ich versuche aufzudecken und in die Mitte der Gesellschaft zu bringen: marode Infrastruktur, fehlende Transparenz, unklare Datenlagen und unnötige Verluste im Leitungsnetz. In den Kommentaren ist die Diskussion jedoch schnell in eine allgemeine Klimadebatte abgewandert – geprägt von Polemik, Halbwissen und Binsenweisheiten.
Deshalb hier eine kurze Klarstellung zu den bisherigen Kommentaren und ein wenig Aufklärung für alle Leser, die es bis hierher geschafft haben:
1. Der blinde Fleck: Artensterben und Ozeane statt Stammtisch-Parolen
Dass es in der Politik und der Wirtschaft häufig um Geld, Machterhalt und finanzielle Interessen geht, lässt sich kaum abstreiten. Umso bedauerlicher ist es, wenn die Diskussion über spürbare Umweltveränderungen rein ideologisch ausgeschlachtet wird. Während wir Zeit mit politischen Grabenkämpfen verschwenden, übersehen wir die eigentliche Katastrophe.
Der unmittelbarste und gefährlichste Faktor für unser Überleben ist nämlich nicht der politische Streit um das Klima, sondern das beschleunigte Artensterben, allen voran in den Weltmeeren:
Die wahre Lunge der Erde: Entgegen dem Volksglauben sind nicht die Wälder der Hauptsauerstoffproduzent unseres Planeten, sondern das Phytoplankton in den Ozeanen. Etwa 50 bis 80 % des weltweiten Sauerstoffs entstehen im Meer.
Marine Ökosysteme kippen schlagartig: Während die Flora und Fauna an Land oft erstaunlich anpassungsfähig ist, reagieren maritime Systeme extrem empfindlich. Zerstören wir die biologischen Kreisläufe im Meer – etwa durch Überfischung, Plastikmüll, chemische Gifte und den Ausfall großer Meeressäuger als Nährstoffdünger –, droht das System abrupt zu kollabieren.
Die optische Täuschung an Land: Die Beobachtung, dass manche Flächen auf der Erde optisch „grüner“ werden, täuscht. Monokulturen, der Verlust von Schmetterlingsblütlern im Boden und der massive Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat erzeugen eine biologisch tote „grüne Hölle“. Eine grüne Fläche ist noch lange kein funktionierendes Ökosystem.
2. Fazit: Zurück zu den Hausaufgaben
Wir träumen davon, zum Mars zu fliegen, haben aber das lebenserhaltende Ökosystem unseres eigenen blauen Planeten noch nicht einmal im Ansatz verstanden.
Ob auf globaler Ebene bei den Weltmeeren oder lokal bei den Südtiroler Trinkwassernetzen: Wenn wir den Raubbau an der Natur fortsetzen und vor realen infrastrukturellen Problemen die Augen verschließen, schneiden wir uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Wir müssen aufhören, echte ökologische und technische Herausforderungen in ideologischen Debatten zu begraben – sondern endlich unsere Hausaufgaben machen und unsere Lebensgrundlagen schützen.
Antwort auf Warum die Debatte am Kern… von Robert Bargolini
Sie sind sicherlich ein…
Sie sind sicherlich ein Experte was Meeresökologie, Artensterben und Umweltthemen allgemein angeht und die Eingriffe in die Lebensbedingungen, Nahrungsketten usw. sind bedenklich und der Fokus ist auf eine Änderung des Verhaltens zu setzen anstatt auf meist politisch motivierte Nebenschauplätze auszuweichen, bzw. das Ausweichen auf diese verhindert das Angehen des eigentlichen Problems, da haben Sie recht.
Aber ich sehe das jetzt nicht so pessimistisch . Ich glaube nicht dass der Mensch wirklich das Potential hat die in ihrer Dimension gewaltigen Weltmeere zu zerstören.
MMn ist der Mensch ebenso eingebettet in den Kreislauf der Natur und Teil derselben und die Kräfte der Natur (z. T. noch unerforschte irdische und vor allem extrairdische )sind so gewaltig , dass durch irgendwelche Einflüsse ein „Artensterben“ der Menschheit eher wahrscheinlich ist als umgekehrt. Zudem dezimiert sich die Menschheit selbst durch nicht artgerechte Lebensweise, mangelnde Fortpflanzungsfähigkeit u. a.
Ich denke da wird dem Menschen eine Rolle zugewiesen die wahrscheinlich auch ideologisch-politische Gründe hat und einen Zweck hat.
Nichtsdestotrotz steht es außer Frage dem Umweltschutz ( ohne störende ideologische Nebengeräusche) mehr Gewicht zukommen zu lassen.
Zurück zumThema : Es ist ein grundsätzliches Problem der Politik und v.a. des Parteiensystems Probleme an der Wurzel anzupacken . Alles wird verschleppt , hier und da Reformen die das Grundproblem nicht angehen, durchgeführt womit schlussendlich die Probleme immer größer werden.
Aber man verschiebt auf die nächste Legislaturperiode, weil man ja nur bis zu den nächsten Wahlen denkt und den Wählerstock vordergründig durch Zuwendungen, Förderungen und andere diverse Wohltaten zufriedenstellen muss.
Da sind große Umwälzungen wenn auch längerfristig unumgänglich, nicht gefragt.
So auch hier. Man jammert über Wassermangel und Klimawandel anstatt auf veränderte Umstände zu reagieren.
So gesehen sind Artikel wie der Ihre wirklich wichtig und er möge auf offene Ohren stoßen.
Antwort auf Sie sind sicherlich ein… von Milo Tschurtsch
Zitat: „Ich glaube nicht…
Zitat: „Ich glaube nicht dass der Mensch wirklich das Potential hat die in ihrer Dimension gewaltigen Weltmeere zu zerstören“:
„Ich glaube...“ ist Religion.
Antwort auf Zitat: „Ich glaube nicht… von Peter Gasser
Wenn keine eindeutigen …
Wenn keine eindeutigen „Fakten“ vorliegen kann man die Gedanken halt nur als Vermutung ausdrücken :-)
Antwort auf Wenn keine eindeutigen … von Milo Tschurtsch
Du weißt halt leider nicht,…
Du weißt halt leider nicht, was Fakten sind.
Antwort auf Sie sind sicherlich ein… von Milo Tschurtsch
Bei der Kritik am…
Bei der Kritik am politischen System gebe ich Ihnen recht – bei der Einschätzung unserer Zerstörungskraft bezüglich der Ozeane muss ich Ihnen allerdings energisch widersprechen.
Ich behaupte das nicht aus grauer Theorie heraus, sondern aus über 30 Jahren Berufserfahrung in der Wasserwirtschaft quer über den Globus – in mehr als 70 Ländern, von afrikanischen Dörfern bis hin zu Megacitys wie New York, New Delhi, São Paulo, Kairo oder Teheran. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Gewässer durch menschliche Schadstoffeinträge schlagartig gekippt sind.
Ihre Annahme, der Mensch könne die Ozeane nicht zerstören, wiegt uns in einer gefährlichen Illusion:
Der Schock der letzten 30 Jahre: Was wir in den letzten drei Jahrzehnten angerichtet haben, stellt alles Dagewesene in den Schatten. Die rasende Industrialisierung, die Bevölkerungsexplosion vor allem in den Schwellen- und Drittländern und der globale Konsumhunger haben einen Zerstörungsdruck erzeugt, dem kein Ökosystem standhalten kann.
Ausrottung und Dauerfeuer: Der Mensch hat schon als primitiver Jäger gigantische Arten ausgelöscht (Mammut, Stellersche Seekuh). Heute aber befeuern wir die Ozeane mit einem ständigen Dauerfeuer: Massive tote Zonen in der Ostsee und im Golf von Mexiko, gigantischer akustischer Unterwasserlärm durch Schiffsmotoren und Sonar sowie ununterbrochene Gift- und Müllfrachten, die über die großen Weltströme Nil, Ganges & Co. ins Meer gepumpt werden. Dass manche Bakterien Plastik abbauen, ist dagegen ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die eigentliche Zeitbombe: Ob das Klima nun langsam steigt oder schwankt, ist das eine – die echte Zeitbombe, die uns den Garaus machen wird, ist das Ersticken der Ozeane. Der Erdkugel als Gesteinsbrocken ist das egal. Aber wenn durch den Zusammenbruch der marinen Kreisläufe die Sauerstoffproduktion drastisch sinkt, stirbt der blaue Planet als lebendiges System.
Wir hätten das Wissen und die Mittel, diesen Raubbau zu stoppen und unseren ökologischen Fußabdruck drastisch zu senken. Aber wir schauen weg und schweigen das Thema tot. Wir müssen endlich aufhören, realen Raubbau und konkrete infrastrukturelle Probleme in ideologischen Debatten zu begraben, und anfangen, unsere Hausaufgaben zu machen.
Endlich mal wieder eine…
Endlich mal wieder eine interessante Debatte auf salto. Auf solche Grundsatzthemen und unbeleuchtete Aspekte sowie interessante, aber hierzulande leider ziemlich unbekannte Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben, sollte sich dieses Portal mehr spezialisieren als auf tagespolitische Geschichten und Abdrucken von Pressemitteilungen der Landesregierung und der Verbände.
Umweltschutz und Klimaschutz ist im grunde Menschenschutz. Den Planeten kratzt es kaum, was die aggressive Seuche namens Mensch anstellt. Der Planet und das Leben darauf haben ganz andere Einschnitte überstanden. Die Frage ist eher, ob wir uns durch unser Tun selbst abschaffen.
Zum Thema:
Politik ist neben den Aspekten, die in anderen Kommentaren bereits erwähnt wurden, auch davon geprägt, für welche Entscheidungen und Projekte die endlichen Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft, Geldmittel) eingesetzt werden.
Angesichts der Wasserproblematik in den Alpen ist jeder Euro, jede Stunde und jede Schaufel falsch eingesetzt, die zum Bau eines weiteren Kreisverkehrs usw. beiträgt. Dieser Sommer führt uns klar vor Augen, was für die langfristige Sicherung der Wasserversorgung notwendig wäre:
- Lecksuche und Reparatur der Wassertransport-Infrastruktur zur Minimierung von Verlusten
- Bau von unterirdischen Speicherbecken als technischer Ersatz für die wegschmelzenden Eismassen der Gletscher - unterirdisch aus Rücksicht auf die Landschaft, die wir nur genau 1 Mal zur Verfügung haben und halbwegs intakt den kommenden Generationen hinterlassen müssen.
Und das Ganze ein bisschen plötzlich, mit System und nach einem straffen Plan mit klarer Priorität. Die Zeit läuft uns davon.
Dass die Lobbys der Landwirtschaft und des Tourismus in die Pflicht genommen werden müssen beim Wassersparen, ist auch klar. Der Bürger hat null Verständnis dafür, dass er seine 5 Quadratmeter Gemüsegarten nicht mehr bewässern soll, während im Tourismus ein Sternetempel nach dem anderen gebaut wird mit Spa-Anlagen, welche die reiche und verwöhnte Klientel eh schon bald wieder langweilen werden.
Antwort auf Endlich mal wieder eine… von Martin Sitzmann
Die Einbindung von Experten…
Die Einbindung von Experten wie Robert Bargolini verschafft unabhängigen Medien – wie SALTO – ein echtes Alleinstellungsmerkmal !!gegenüber der vorherrschenden Athesia-WillkürMedienlandschaft.
Durch profunde Fachkenntnis und eine transparente Haltung zu kritischen Themen wie der Wasserknappheit, fehlenden Infrastrukturdaten und ökologischen Zusammenhängen, hebt sich die Berichterstattung deutlich vom Mainstream ab.