Umwelt | Speicherbecken

„Wasser ist ein Gemeingut“

Der Ruf nach neuen Speicherbecken für Südtirols Wasserreserven stößt auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. Der Verbraucherschutzverein „Robin“ fordert ein ganzheitliches Wassermanagement.
Bild: Oswald Stimpfl

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Der Südtiroler Bauernbund hatte vergangene Woche den Ausbau von Südtirols Speicherkapazitäten sowie schnellere Genehmigungsverfahren für Speicherbecken gefordert. Zudem begrüßte er die Umsetzung eines Landesplans für ein strategisches Wassermanagement. 

Nun äußern sich die Umweltgruppe Kaltern und die Initiative „Unser Wald“ zu dieser Forderung. Sie zeigen sich verständnisvoll, allerdings mit Vorbehalten. Die vergangenen Wochen hätten Südtirols Abhängigkeit vom Wasser deutlich gemacht, erklären die Vereine in einer Pressemitteilung. Allerdings müsse man beim Bau von Speicherbecken darauf achten, dass der Standort geeignet sei: „Der Ruf nach Speicherbecken kann dort unterstützt werden, wo diese mit anderen Nutzungen verträglich sind. Schlecht eignen sich hingegen die Wälder, besonders weil sie unsere wichtigste Naturressource darstellen. Sie sind die Rückzugsräume von uns Menschen, ermöglichen einen Ausgleich zum stressigen Alltag, stellen vielfältige Ökosystemleistungen bereit und regulieren den Wasserhaushalt.“ Die Errichtung von Speicherbecken würde nicht nur die betroffenen Standorte zerstören, sondern sich auch negativ auf den angrenzenden Wald auswirken. Eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren erachten die Initiativen als nicht notwendig. Vielmehr sei es zu gewährleisten, dass zuerst die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt überprüft werden.

Robin fordert Regulierungsbehörde

Der Verbraucherschutzverein Robin wendet sich gegen die „reflexartige“ Forderung nach Speicherbecken. Bevor neue Großprojekte geplant werden, sollte eine belastbare Wasserbilanz vorliegen. „Vorrang müssen zunächst Maßnahmen haben, die vorhandene Ressourcen besser nutzen: Die Sanierung undichter Leitungen und Bewässerungssysteme, die Speicherung und Nutzung von Regenwasser, die Grundwasseranreicherung, die Wiederverwendung von Wasser sowie die Mehrfachnutzung geeigneter Brauchwasserströme“, erklärt der Verein.

Im Hinblick auf die gespeicherten Wasserreserven würde „eine einheitliche, öffentlich nachvollziehbare Bilanzierung aller Entnahmen, Rückflüsse, Speicherstände und unterschiedlichen Nutzungen“ fehlen. Deshalb fordert der Verbraucherschutzverein einen verbindlichen Wasserbewirtschaftungsplan mit der vollständigen Erfassung der Wasserentnahmen und Wasserverluste von Landwirtschaft, Industrie, Tourismus und der öffentlichen Wasserversorgung. Denn in Südtirol sei Wasser nicht nur Trinkwasser und Grundlage für Ökosysteme, sondern auch der zentrale Rohstoff der Wasserkraft: „Wasser ist ein Gemeingut und muss transparent, nachvollziehbar und am Gemeinwohl orientiert bewirtschaftet werden“. Deshalb fordert der Verein eine eigene Südtiroler Regulierungsbehörde, ähnlich wie die Autorità di Regolazione per Energia Reti e Ambiente (ARERA) auf nationaler Ebene. (vk)