Nachbarn im Gespräch ohne Smartphone: „Sagen Sie ihren Nachbarn, wie froh Sie sind, dass sie Nachbarn sind. Oder auch nur, dass Sie Nachbarn sind.“ Bild: Canva
Wirtschaft | Sie haben gut reden

Sagen Sie etwas Nettes

Um die Macht von Techkonzernen zu brechen, gibt es ein sehr einfaches Rezept. Aber Achtung: Man braucht dazu kein Smartphone.

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Die Videoplattform TikTok wendete in der letzten Woche einen Prozess durch eine Ausgleichszahlung ab: 100 Millionen Dollar an den Bundesstaat Alabama wischten den Vorwurf vom Tisch, dass die App für junge Nutzer schädlich und akut gefährlich sei und Eltern zudem über Schutzfunktionen für Minderjährige getäuscht worden seien. 

Hundert Millionen Euro ist eine Menge Geld, doch eine viel höhere Summe zahlte der Konzern Meta, also facebook und Konsorten. Der Tech-Riese bot dem Bundesstaat New Mexiko die exorbitante Summe von 16,7 Milliarden Dollar an, um einem Prozess zu entgehen. Der Vorwurf lautete in diesem Fall: Minderjährige seien durch das Produkt abhängig und psychisch krank geworden.

Zum Vergleich: Im Jahr 2025 sah das italienische Haushaltsgesetz 13,5 Milliarden vor. 
Spielstand: Meta 16,7 / Italien 13,5. Wir sehen, ein einziger Konzern kann einen industriestarken Staat wie Italien in die Knie zwingen. 

„Wir schenken Menschen unser Vertrauen, die uns ökonomisch ausbeuten, politisch unterwerfen und unsere Kinder geistig verstümmeln.“ 

Können wir in einer solchen Situation noch von richterlicher Unabhängigkeit oder gar von Staatssouveränität sprechen? Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Ich stelle eine Frage, indem ich zwei Zahlen miteinander vergleiche.

Die Ursache dafür war kein Meteorit, der auf der Erde eingeschlagen ist, es war die Gesellschaft, also wir, die entschieden hat – und sich immer noch entscheidet –, diesen Anbietern unser Vertrauen zu schenken: Menschen, die uns ökonomisch ausbeuten, politisch unterwerfen und unsere Kinder geistig verstümmeln. 

Die Machtkonzentration transnationaler Konzerne steuert inzwischen die Geschicke nicht nur einzelner Individuen, sondern gesamter Völker. Diese Situation hat keine nationalstaatliche Ursache und erst recht keine nationalstaatliche Lösung.  Es geht nicht um Politik. Es geht um den Verzicht auf Politik zugunsten der Wirtschaft. 

Mit Mark Zuckerberg haben transnationale Technologieunternehmen ein liberales Gesicht, mit Elon Musk ein konservatives. Es sind zwei unterschiedliche Etiketten auf derselben Wein-, oder besser Giftflasche. Umso erstaunlicher ist es, dass sich politisch Rechts und Links gegenseitig so viel Schlamm ins Gesicht werfen. Dazu mit solcher Inbrunst. Also ob auf dieser Ebene irgendwas entschieden werden könnte! Es ist die altbewährte Spalt-Politik von ganz oben: divide et impera – teile und herrsche.

Anstatt also Milliardäre zu fördern, indem Sie ins Handy glotzen und sich über politisch Andersdenkende ärgern, unternehmen Sie lieber etwas gemeinsam, das verbindet! Rauchen Sie gemeinsam mit ihrem Cousin eine Tröte und besuchen Sie gleich anschließend den Ehevorbereitungskurs in Sarns: Reise nach Jerusalem, dann Anleitung zum Sex und der Scheidungsanwalt am Ende. Oder füttern Sie die Chinesen am Pragser Wildsee mit Sesamkeksen. Das mit dem Bäume-Umarmen ist auch berührend, ich habe es mit einem Himbeerstrauch versucht. Sagen Sie ihren Nachbarn, wie froh Sie sind, dass sie Nachbarn sind. Oder auch nur, dass Sie Nachbarn sind. Und unabhängig davon: dass Sie froh sind. Sagen Sie zu einer alten Frau, dass sie nicht alt aussieht. Ja, sagen Sie einfach etwas Nettes oder unternehmen Sie egal was, aber tun Sie etwas gemeinsam mit anderen.

SALTO-Artikel in der Google-Suche bevorzugt anzeigen lassen