Schweigt! Alles andere machen wir …
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Jetzt S+ abonnierenSeit einiger Zeit ist an Eisack, Etsch und Rienz viel von einem tiefen Unbehagen zu spüren, das in der Einwohnerschaft der begehrtesten Destination Europas um sich greift, wie die Unruhe in einem Bienenstock, wenn die Königin zum Ausgang krabbelt. Eine Stimmung, die zum Alltagssetting geworden ist, in der Watt-, Speck- und Tourismusrekord-Republik.
In vollen Zügen, Bussen, Ortszentren, Liften, auf Wegen, Pfaden, Ufersäumen, Straßen, Promenaden, Apéro-Terrassen, in den Porsche-Kolonnen – überall ausfliegende Königinnen im summenden Transfer von Selfie zu Selfie, um auf Insta ihre Eier abzulegen zur hunderttausendfachen digitalen Followerbegattung…
Wo früher die „richtigen“ Gäste – die Zwei-Wochen-Deutschen – den Einheimischen Gipfelnamen, -höhen und -volumen erklärten und die Drei-Wochen-Walschen ihr „che bello!“ in die Gegend hauchten, wühlen sich jetzt die „falschen“ Gäste durch’s Gelände, aus aller Herren Länder, ohne Bezug zu Land und Knödeln und durchdrungen von der Mission, innerhalb von sechs Stunden im Dolomaits-Post je ein Selfi mit Karersee, Seceda, Ranui und Lake Prax zu posten und dann möglichst am selben Tag noch sechs Fotos aus Venedig ins Web zu zaubern.
„Während die ‚richtigen‘ Gäste von der IDM mit Zug-Fahr-Videos gepeinigt werden und nicht mehr kommen, werden die ‚falschen‘ in die Dolomaits gekarrt.“
Und das alles ohne Zutun der IDM, wie Marketingboss Töchterle mittels hipper Präsentationsfolien bei den Toblacher Gesprächen vermittelte. Die Herkunftsmärkte mit den höchsten Zuwachsraten, die die Dolomaits heuschreckenartig überfallen, werden – Schwerntoatsoch! – von den Destinationsgurus gar nicht bearbeitet. Und während die „richtigen“ Gäste von der IDM mit Zug-Fahr-Videos gepeinigt werden und nicht mehr kommen, werden die „falschen“ in die Dolomaits gekarrt.
So die Worte des Herrn über die Destination, der in einer schauerlichen Projektion zeigte, wo Südtirols Gäste in zehn Jahren herkommen werden, wenn die IDM nicht energisch gegensteuert: Nur mehr gut ein Drittel an „richtigen“ Gästen aus Deutschland und Italien, noch weniger Europäer und Horden von Asiaten und Amerikanern.
Und wer ist schuld an dieser Entwicklung?
Die undankbaren SüdtirolerInnen! Sie summpern herum. Anstatt die Ärmel hochzukrempeln und als Volk von Zimmermadlen, Köchen und Kellnern (H. Frasnelli) ihr Glück zu finden, raunen sie etwas von Overtourismus. Dies, so der Marketingguru in Toblach, wird von den „richtigen“ Gästen beleidigt gehört und von den „falschen“ ignoriert. Und so bleiben die einen aus und die anderen fluten die Hotspots.
Nun muss der IDM-Dampfer wieder ran. Wenn es schon nicht gelingt, die „richtigen“ Gäste nach Südtirol zu bringen, soll nun zumindest mit ein paar Steuermilliönchen ein Abwehrkampf gegen die „falschen“ geführt werden.
Und der beginnt laut Expertenrat damit, nicht mehr über Overtourismus zu reden …
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Genial beschrieben,…
Genial beschrieben, Kompliment!
Auch wenn mir bei satirisch überhöht gemeinten Sätzen oft das Lachen im Hals stecken geblieben ist, weil es leider genau die Realität abbildet, altrochè Überhöhung...
KI beschreibt derartige idm,…
KI beschreibt derartige idm, Hoteliers, Lifbetreiber, Mobilitätsplaner-Phänomene, als eine evolutionäre Fehlanpassung des Denkens:
Das menschliche Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, in linearen, kurzfristigen Mustern zu denken (Sicherung der unmittelbaren Beute/Ressource). Hochkomplexe, vernetzte und rückgekoppelte Systeme – wie das Ökosystem und das soziale Gefüge eines Alpentals – überfordern diese Steinzeit-Rationalität.
Yes. Gut auf den Punkt…
Yes. Gut auf den Punkt gebracht. Ich finde auch, wir sollten nicht über Overtourismus reden. Probleme werden immer dann am besten gelöst, wenn man sie nicht zur Sprache bringt. Lernt man doch bei jedem Persönlichkeitsentwicklungsseminar.
Und reden wir bitte auch nicht darüber, dass die hohen Wohnkosten und Immobilienpreise Folgen dieses Systems sind - und nur einige wenige die Nutznießer dieser Entwicklung.
Tourismuskritiker, go home.
Heute in RAI Südtirol die…
Heute in RAI Südtirol die beste aller Meldungen: Die Landesregierung will der Gemeinde Villnöß gegen den ausufernden Tourismus zu Hilfe kommen!
Kann ein Satz die Situation besser beschreiben?
Die Landesregierung kommt einer Gemeinde zu Hilfe, um gegen den Tourismus anzukämpfen!
Wo sind wir gelandet?
Markus Lobis: Die Politik…
Markus Lobis: Die Politik-Praxis ist doch allgemein: Die Menschen werden gezielt von den echten Entscheidungen isoliert.
Ich kann da keinen besonderen Unterschied zu „Overtourismus“ erkennen.