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Politica | E-Mobilität

Italien hängt bei E-Mobilität zurück.

Eine Reihe von Hürden lassen die Umstellung des italienischen Fahrzeugbestands auf Elektroantrieb nicht in die Gänge kommen. Was behindert den Übergang zur E-Mobilität?

Avvertenza: Questo contributo rispecchia l'opinione personale dell'autore e non necessariamente quella della redazione di SALTO.

Peter Kersten

Vorab: der Übergang auf Batterieautos wird uns nicht von der Auto-Kratie befreien, ist als Teil der Energiewende aber unumgänglich. Obwohl man nun in Italien für den Ankauf von E-Autos beträchtliche Fördermittel ausgibt, nimmt die Elektrifizierung beim Auto nur mühsam Fahrt auf. 2025 waren eben mal 0,9% des PKW-Bestands reine BEV und einschließlich der Hybridantrieb-PKW gerade mal 10%. 2026 ist der Anteil der BEV bei den Neuzulassungen zwar bisher auf 8% gestiegen, doch insgesamt zirkulieren höchstens 415.000 BEV, wobei Italiens PKW-Fuhrpark ein außergewöhnlich hohes Durchschnittsalter aufweist: 13 Jahre beträgt es, mit 24% der Fahrzeuge noch in den Euroklassen 0-3. Damit hinkt Italien bei der E-Mobilität gegenüber der EU insgesamt (Anteil der E- und Hybridfahrzeuge rund 20%) deutlich zurück.

Das ist nicht nur klimapolitisch bedenklich, sondern könnte die Energieabhängigkeit von außen und Krisenanfälligkeit des Landes wesentlich verlängern. Würde Italien nämlich das vom Klimaplan PNIEC gesetzte Ziel von 4,2 Millionen BEV bis 2030 erreichen – eine unwahrscheinliche Verzehnfachung des heutigen Bestands – könnte es 26 Millionen Fass Öl im Wert von 2,6 Mrd. Euro einsparen und seine Abhängigkeit vom Import fossiler Energie senken. Diese liegt mit 74% bei der Primärenergie weit höher als der EU-Durchschnitt von 57%. Die soeben verlängerte Treibstoffsteuersenkung scheint zwar sozial gerechtfertigt, energiepolitisch ist sie kontraproduktiv.

Warum nimmt sich Italien nicht Frankreich zum Vorbild, das bis 2030 anstrebt, dass 2 von 3 neu zugelassenen PKW Stromer sind? In Italien gibt es Förderbeiträge, immer mehr für die Durchschnittsfamilie erschwingliche E-Autotypen kommen auf den Markt, zudem gibt es heute schon ein kapillares Ladesäulennetz mit über 70.000 operativen Ladesäulen. Woran liegt die Zurückhaltung der Italiener beim E-Auto-Kauf, wenn gleichzeitig die Preise für Diesel und Benzin hochgradig volatil bleiben?

Einer der stärksten Hürden ist steuerpolitischer Natur. Ein Elektroauto aufzuladen wird pro Energieeinheit steuerlich zu 75% mehr belastet als fossile Kraftstoffe zu tanken. Systemkosten, Netzgebühren und weitere Steuern lasten nur auf dem Stromverbrauch, und damit auf der Aufladung von E-Autos. So kommt es zum paradoxen Umstand – so Cecilia Molinari von ECCO – dass eine kWh Elektroenergie fürs E-Auto deutlich mehr kostet als eine fossil erzeugte kWh. Die weit bessere Energieeffizienz des E-Autos wird damit benachteiligt.

Auch die in Italien angewandten Tarife für die Aufladung bei den Ladesäulen gehören zu den höchsten in Europa. Wer als E-Autobesitzer bei den öffentlichen Säulen ladet, zahlt deutlich mehr als bei der Wallbox zuhause, nämlich 0,65 bis 0,9 Euro/kW. Damit werden jene Autobesitzer benachteiligt, die keine Wallbox in der Garade und PV-Anlage auf dem Dach haben. Das führt dazu, dass viele Italienerinnen beim Autokauf zögern, zum E-Auto zu greifen, weil es sich anscheinend finanziell nicht lohnt. 

Doch das Global EV Outlook weist nach, dass E-Autofahrer in jedem Fall um ein Drittel sparen. Laut Berechnungen von ECCO ist das E-Auto über den Lebenszyklus eindeutig günstiger als ein Verbrenner. Die Energieeffizienz ist 4 Mal so hoch, die Wartung geringer, die Lebensdauer länger, der Betrieb zu 33% günstiger, wenn man zuhause mit Haushaltsstromtarif auflädt. Allerdings nur 20% günstiger, wenn man Haushaltsstrom und Ladesäulenstrom gemischt lädt. Lädt man hingegen nur bei Ladesäulen auf, fährt es sich mit Strom kaum billiger als mit dem Verbrenner. Das liegt zum einen am immer noch zu billigen Treibstoff, der die Umwelt- und Klimaschäden nicht einpreist; zum anderen an der steuerlichen Benachteiligung von Strom.

Diese Schräglage wäre zurechtzurücken. Der Übergang zur E-Mobilität kann nach dem Vorbild Nordeuropas angekurbelt werden mit einer stabilen Förderungsperspektive beim Ankauf, mit der Abschaffung der steuerlichen Nachteile für Strom, mit dem Ausbau des Ladesäulennetzes. Dann sind auch die Hersteller mit ihrer Produktpalette in die Pflicht gerufen und schließlich die Mobilitätseinstellungen der Menschen selbst. In Italien gibt e immer noch zu viel Vorbehalte und Unkenntnis in Sachen E-Mobilität.

Gleichzeitig sind in Italiens Regierung noch Bremser am Werk, die das für 2035 angepeilte Zulassungs-Aus für Verbrenner aushebeln wollen und Bio-Kraftstoffe und e-fuels hochspielen. Diese können höchstens im Luftverkehr und bei der Schifffahrt eine Rolle spielen, nicht bei der E-Mobilität auf der Straße. Weil uns der motorisierte Individualverkehr nolens volens erhalten bleibt, liegt die Alternative in einer halbwegs sauberen Technologie, die für gleiche Leistung ein Viertel der Energie verbraucht, nachts aufgeladen werden kann, wartungsfreundlicher, leiser und luftschonender ist. Da kann Italien durchaus noch einen Gang zulegen.