Sünder in Hollywood
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Dass Sinners von Regisseur Ryan Coogler bei den Oscars 2026 überhaupt eine Rolle spielte, gleicht einem kleinen Wunder. Denn die Veranstaltung leidet bekanntermaßen an Vergesslichkeit, alle Neuerscheinungen, die vor dem Sommer im Kino aufschlagen, existieren allzu oft außerhalb der Wahrnehmung. Sinners war hingegen im April 2025 auf den Leinwänden zu sehen und dominierte dennoch die Academy Awards 2026 mit stolzen 16 Nominierungen – ein neuer Rekord.
Für vier Preise reichte es am Ende, darunter einige der wichtigsten: Ryan Coogler erhielt den Preis für das Beste Originaldrehbuch, Michael B. Jordan wurde als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, Ludwig Göransson holte sich seinen dritten Oscars für die Beste Musik ab und nicht zuletzt schrieb die Kamerafrau Autmn Durald Arkapaw Geschichte – sie ist die erste Frau, die in der Kategorie Beste Kamera triumphierte. In 98 Jahren Oscar.
Sinners setzt sich zwischen die Stühle, und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Zum einen inhaltlich. Auf der einen Seite ist der Film ein Sittenbild, das die Gesellschaft in Mississippi im Jahr 1932 darstellt. Der Fokus liegt auf der schwarzen Bevölkerung, die weiterhin mit Diskriminierung zu kämpfen hat, die sich jedoch engagiert und auf eigenen Beinen steht. Zum anderen ist Sinners ein Horrorfilm und bedient sich des Vampir-Motivs, vermischt Okkultes mit Realem und untermalt das mal ausgelassene, mal grausige Geschehen mit zügelloser Blues-Musik. Sinners ist ein Genre-Mix, der sich langsam entfaltet, gut unterhält und subversiv erzählt. Leider fällt er im letzten Drittel etwas ab und stolpert über das eigene Tempo.
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Zudem bedient Sinners gleich mehrere Zielgruppen. Der Film ist gut für ein breites Publikum geeignet, spricht jedoch auch Cineasten und Kritiker an. Ryan Coogler trifft somit eine Nische, die gerade bei publikumswirksamen Veranstaltungen wie den Oscars selten ist. Ganz ähnlich funktioniert übrigens auch One Battle After Another von Paul Thomas Anderson, der große Sieger des Abends. Zwar ist der Film etwas weniger massentauglich als Sinners, verglichen mit anderen Werken von Anderson erreichte One Battle After Another jedoch aufmerksamkeitstechnische Sphären, die Meisterwerken wie There Will Be Blood, Magnolia oder Phantom Thread verwehrt blieben.
Sie ist keine Adaption, keine Sequel, kein Prequel, kein Remake, Reboot oder was die Kiste der Begrifflichkeiten noch so hergibt.
Sinners zeichnet ein weiterer Aspekt aus, der im heutigen Hollywood als Besonderheit zu bezeichnen ist: Die Geschichte basiert auf keiner Vorlage, sondern stammt originär aus der Feder von Ryan Coogler. Sie ist keine Adaption, keine Sequel, kein Prequel, kein Remake, Reboot oder was die Kiste der Begrifflichkeiten noch so hergibt. Eine neue Idee, angeblich Sünde in Hollywood, die an den Kassen abgestraft wird?
Pessimisten würden die Übernahme von Warner Bros und die Kaufwut in Hollywood generell als düsteres Zeichen für die Kunst werten.
Produziert wurde Sinners von Warner Bros., einem Studio, das vermutlich bald schon von Paramount übernommen wird. Im Sinne der Gewinnmaximierung, der Vereinheitlichung, des wirtschaftlichen und künstlerischen Monopols, in dem kreative, neue Ideen meist wenig Platz haben. Dass sowohl Sinners als auch One Battle After Another zum Portfolio von Warner Bros. gehören, lässt aber hoffen. Auch die zahlreichen Oscar-Triumphe der beiden Filme, vor allem aber jener von Sinners, beeinflussen im besten Fall zukünftige Entscheidungen bei den Studios. Pessimisten würden die Übernahme von Warner Bros und die Kaufwut in Hollywood generell als düsteres Zeichen für die Kunst werten. Optimistisch betrachtet (eine Sichtweise, die in heutigen Zeiten bitter nötig ist) bewegen die jüngsten Erfolge kreativer und von Autorenfilmern getriebene Werke die Geldgeber vielleicht, frischen Ideen auf ihren Schreibtischen den Vorzug zu geben.
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