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Studium abgebrochen… Na, und?

Eine zweiteilige Artikelserie zur aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Skolast" serviert Studienabbrecher und Powerfrauen mit Abschluss. Teil 1.
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Foto: Foto: Skolast

Ein Gastbeitrag von Theresia Morandell

Matura in der Tasche – und dann? Nicht jeder will gleich in die Arbeitswelt einsteigen, viele von uns zieht es an die Universität. Da stehen wir aber vor der Qual der Wahl: Ein Dschungel an unterschiedlichen Studiengängen, so viele schillernde Möglichkeiten. Da kann schon mal passieren, dass wir uns für einen Studiengang entscheiden, der eigentlich nicht zu uns passt. Schnell setzt dann die Enttäuschung ein, das Studium wird gewechselt oder sogar komplett hingeschmissen. In Österreich schließen 27% der eingeschriebenen Studierenden ihr Studium nicht ab, in Italien sind es sogar noch mehr: Bis zu 40% brechen ihr Studium vorzeitig ab. Der Hauptgrund hierfür sind nicht erfüllte Erwartungen an die Uni, aber auch die Unvereinbarkeit von Studium und Beruf, persönlich-familiäre Gründe oder finanzielle Probleme spielen eine Rolle. Aber wie geht es nach dem Studienabbruch weiter? Sind wir dann, wie so häufig behauptet, Versager*innen? Kann man nicht auch ohne Abschluss erfolgreich sein? Meine Recherche hat ergeben: durchaus. Ich wollte euch zeigen, wer’s auch ganz ohne Studientitel zu etwas gebracht hat.

Bill Gates (*1955)

Kein Studientitel und doch hat er es geschafft: Bill Gates, Gründer von Microsoft, ist einer der reichsten Männer der Welt. Sein 1973 begonnenes Jura-Studium an der amerikanischen Elite-Universität Harvard hat der IT-Unternehmer nach zwei Jahren schon wieder abgebrochen. Lieber Software programmieren als die Studienbank zu drücken, dachte sich der damals 19-Jährige. 2017, ganze 32 Jahre später, verlieh seine ehemalige Universität ihm übrigens doch noch einen Titel. Ehrendoktor der Harvard-Universität darf sich Gates seitdem nennen.
Übrigens: Gates ist nicht der einzige Stern am IT-Himmel, der es ohne Studienabschluss zum erfolgreichen Unternehmer geschafft hat: Dell-Gründer Michael Dell (*1964) schmiss sein Medizinstudium, Apple-CEO Steve Jobs (1955-2011) hielt nur ein Semester lang durch und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (*1984) schaffte es auch ohne Harvard-Abschluss zum jüngsten Milliardär der Welt.

Vincent Van Gogh (1853-1890)

Egal ob Kunstliebhaber*in oder nicht, der holländische Maler Vincent Van Gogh ist für jede*n ein Begriff und sei es nur wegen seiner selbst zugefügten Ohren-Amputation. Was hingegen kaum jemand weiß: Van Gogh war Theologiestudent und das ganze 15 Monate lang. Alles nur Schwindel an der Uni, behauptete er später, das Studium sei die schrecklichste Zeit seines Lebens gewesen. Nach Studienabbruch war Van Gogh trotzdem noch einige Jahre lang als Laien- und Hilfsprediger tätig. Sonderlich beliebt war er in diesem Beruf aber nicht, im belgischen Steinkohlerevier kündigte man ihm sogar seine Anstellung als Hilfsprediger. Im Alter von 27 Jahren wandte er sich dann schließlich der Kunst zu, die ihn heute so berühmt macht.

Reinhold Messner (*1944)

Unseren Gipfelstürmer Reinhold Messner verschlug es nach der Matura nach Padua, um dort Vermessungskunde zu studieren. Wenig spannend, dachte sich wohl der Südtiroler Extremsportler und probierte sich anschließend ein Jahr lang als Mathelehrer, ganz ohne Studientitel. Seit 1971 ist aber auch damit Schluss. Neben dem Schreiben widmet sich Messner seither seiner großen Leidenschaft: den Bergen und dem damit verbundenen Abenteuer.

Günther Jauch (*1956)

Wer kennt ihn nicht: Günther Jauch – Fernsehjournalist, Entertainer, Quizzmaster. Bevor er jedoch zur Kult­figur des deutschen Fernsehens wurde, schnupperte Jauch die Welt des Jurastudiums. Nur um sie bald darauf schon wieder zu verlassen und an die Münchner Journalistenschule zu wechseln. Und weil man als Sportjournalist beim Bayrischen Rundfunk wohl die Zeit dazu hat, studierte er Politik und Geschichte gleich noch dazu. Irgendwann wurde es ihm dann aber doch zu viel und er entschied sich, vollends in die Berufswelt einzusteigen. Ohne Abschluss.

Herbert Grönemeyer (*1956)

Zeit, sich der Musikwelt zuzuwenden. Der erfolgreiche deutsche Musiker Herbert Grönemeyer war sich zunächst nicht ganz sicher, in welche Richtung es nach dem Abitur gehen sollte. Deshalb entschied er sich dazu, es in Bochum mit Jura und Musikwissenschaften zu probieren. Nach fünf Semestern war aber Schluss mit dem Universitätsstudium und er wechselte an die Kölner Musikhochschule. Aber auch dort ge­fiel es ihm nicht – die Professor*innen mischten sich zu sehr in seine Kompositionen ein.

Philipp Achammer (*1985)

Die klugen Köpfe sollen in die Politik gehen, eine Idee, die bereits Plato geteilt hat. Ein abgeschlossenes Studium scheint aber auch hier nicht unbedingt Voraussetzung zu sein. SVP-Obmann Philipp Achammer hat sein 2004 in Innsbruck begonnenes Jura-Studium jedenfalls bis heute nicht abgeschlossen. Geschadet hat’s seiner politischen Karriere nicht. SVP Bezirks- und Landesjugendreferent, Gemeinderat, vormals jüngster SVP-Landtagsabgeordneter, Landesrat und seit 2014 auch Parteiobmann. Für ein Jurastudium bleibt da wohl keine Zeit.

Sebastian Kurz (*1986)

Nicht nur in der Landespolitik kann man es als Studienabbrecher weit bringen. ÖVP-Chef Sebastian Kurz schaffte es bis an die Regierungsspitze. Auch der österreichische Bundeskanzler versuchte sich nach dem Abitur in den Rechtswissenschaften. Sein raketengleicher Aufstieg in der österreichischen Landes- und Bundespolitik hat einen universitären Abschluss aber überflüssig gemacht. Auch so schaffte er es mit 25 Jahren in die österreichische Bundesregierung und wurde 2017 schließlich zu einem der jüngsten Regierungschefs weltweit.

Matteo Salvini (*1973)

Jurastudium beginnen und zack – politische Karriere läuft. Diesen Eindruck könnte man nach den Beispielen von Philipp Achammer und Sebastian Kurz nun haben. Aber es muss nicht unbedingt Jura sein, beweist der italienische Innenminister und Vize-Premier Matteo Salvini. Er hat es zunächst mit Politikwissenschaft an der Uni Mailand probiert und ist dann auf Geschichte umgestiegen. Fast hätte er es geschafft: Als Salvini der Universität nach ganzen 16 Jahren endgültig den Rücken kehrte, hätten ihm nur noch fünf Prüfungen bis zum Abschluss gefehlt. Als Innenminister bringt er heute seine europäischen Amtskolleg*innen, EU-Kommissar*innen, und NGO-Vertreter*innen ganz ohne Studienabschluss zum Zittern.
Übrigens: Auch Arbeitsminister und Vize-Premier Luigi di Maio (*1986) zählt zum illustren Club der Studienabbrecher. Zunächst hat er es in Neapel mit Ingenieurswissenschaften probiert, dann stieg er auf Rechtswissenschaften um. Abgeschlossen hat er keines der beiden Studien.

 

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Elisabeth Garber Mon, 03/11/2019 - 20:48

Speziell in der POLITIK aber wäre es sinnvoll, eine mehrjährige Erfahrung in politischen, sozialen oder anderen relevanten Bereichen nachweisen zu können.
Ein abgeschlossenes Studium sowie ein Mindestalter für Spitzenpositionen (Kanzleramt/Ministerposten u.a.) sollten gesetzlich geregelt sein, weil noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ist.
Seit einigen Jahren hat man das Gefühl, dass 'Politiker' Lehrlings- und Gesellenzeiten überspringen und selber glauben, einfach alles zu können.
Für mich ist das anmaßend und bizarr - zweifelsohne kein "illustrer Club", jener der halbstudierten Politiker.

Mon, 03/11/2019 - 20:48 Permalink