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Foto: R. Mumelter
Society | #alsodann

Huschhusch, klick, weg

Die Tastatur ist mein Handwerkszeug, Wörter sind das Material, aus dem ich Sätze, Artikel, sogar Bücher bildhauern kann.

Während ich an den Wörtern bastle und sie zu Worten werden lasse, feile ich auch an meinem Denken. Eine Freude. Nur dass mir das Wort immer mehr abhanden kommt, weil es schrumpft und weil den Wörtern das Bild dazwischenfunkt. Ein Bild, ein Hashtag, das war's. Instagram halt. Gut für die Geschwindigkeit, weniger gut für komplexere Denkvorgänge. Da reicht auch die von mir gepflegte Kürze nicht. Dann fragt jemand nach, wann Sitzung ist, obwohl Datum und Uhrzeit in der zweiten Mail-Zeile standen. Fett wohlgemerkt. 

Während ich an den Wörtern bastle und sie zu Worten werden lasse, feile ich auch an meinem Denken.

 

Als mein Arm in Gips lag, war das Tippen schwierig, Knappheit absolut angesagt. „Saró sintetica, visto che mi sono rotta il braccio“, tippte ich in den Chat der Freiwilligengruppe, die ich koordiniere. Im nächsten Absatz folgte Organisatorisches. Alles klar, dachte ich. Weit gefehlt. 

Beim nächsten Treffen fragte eine der Freiwilligen erstaunt „Ma allora continui?“. Ich: „Perché? Non dovrei?“. Sie: „Ah pensavo che ti fossi rotta.“ Ich: „Sí, ma soltanto il braccio.“ Sie: „Uh, allora non ho letto fino alla fine.“ 

 

Bilder mag ich übrigens auch, sehr. Aber auch sie möchten aufmerksam zu Ende gelesen werden.

Zwei Wörter zu wenig, fallweise auch ein hingefetzter Tweet und ganze Hierarchien stehen Kopf.

Bilder mag ich übrigens auch, sehr. Aber auch sie möchten aufmerksam zu Ende gelesen werden.

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Greta Karlegger Sat, 01/19/2019 - 20:17

Ich verstehe nicht, worum es in diesem Artikel geht. Um Wörter im Gips? Ich bewundere immer die Leute, die sich mit so wenig so viel trauen. Ich traue mich mit allem nichts.

Sat, 01/19/2019 - 20:17 Permalink
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Franz Firlefanz Sun, 01/20/2019 - 12:34

In reply to by Greta Karlegger

in anbetracht der tatsache, dass es einige kommentatoren gibt, die diese kolumne als ein hoechst feingeistiges werk betrachten und kategorisch jegliche kritik entweder als dumm oder niedertraechtig abschmettern, wuerde mich ihre meinung dazu interessieren:

das letzte mal haben sie die form kritisiert, dieses mal den inhalt. was bleibt noch uebrig?

Sun, 01/20/2019 - 12:34 Permalink