Società | Geburtenstationen

Sterzing - Was geht noch?

Die Mobilisierung gegen die Schließung der Geburtenstation in Sterzing geht weiter. ASGB: “Das wäre ein kompletter Nonsens.” Am Donnerstag gibt es eine Protestaktion.

Dunkle Wolken ziehen derzeit übers Land. Ein besonders finsterer Tag wird der heutige Dienstag wohl für das Krankenhaus Sterzing werden. Die Zeichen für die Rettung der dortigen Geburtenstation stehen denkbar schlecht. Am Montag brachte das technische Komitee für die Betreuung rund um die Geburt ihre Arbeiten zum Abschluss. Die Aufgabe des achtköpfigen Gremiums war es, die Situation in den sieben Geburtenabteilungen in Südtirol zu analysieren. Auf der Basis der Ergebnisse könnte die Landesregierung nun einen Antrag ausarbeiten, um in Rom um eine Ausnahmegenehmigung zur Abweichung von den festgelegten Qualitätsrichtslinien und Sicherheitsstandards rund um die Geburt anzusuchen. Wie mehrfach berichtet hat die Landesregierung dafür bis zum 29. Juli Zeit.

Oberste Priorität bei der Erarbeitung eines möglichen Antrags hat für die Landesregierung die Sicherheit von Mutter und Kind und die geltenden Qualitätsstandards in der Geburtshilfe, “aber auch die dafür notwendige Anzahl an ärztlichem Personal und die Entfernung zu den nächstgelegenen Krankenhäusern”, wird erinnert. Vor allem letzteres Argument ist für Schlanders und die so gut wie beschlossene Rettung der dortigen Geburtenstation ausschlaggebend. Sterzing hingegen hat weit schlechtere Karten, wie Landeshauptmann und Gesundheitslandesrätin vor zwei Wochen erklärten. Nach dem Gutachten des Geburten-Komitees setzt sich die Landesregierung am Dienstag Vormittag erneut mit den Geburtenabteilungen auseinander. Keine Ausnahmeregelung für Sterzing, sondern das endgültige Aus soll dabei besiegelt werden.

Vorab organisierte der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund ASGB eine Pressekonferenz. “Die Schließung wäre ein kompletter Nonsens”, sind sich ASGB-Vorsitzender Tony Tschenett und der Landessekretär des ASGB-Gesundheitsdienstes Andreas Dorigoni einig. Ihre Kritik richten die beiden in erster Linie an die Landesregierung. Dieser “fehle komplett ein Konzept”, sie treffe eine “unverständliche Ad-hoc-Entscheidung” und habe sich nicht wirklich um eine Rettung der Geburtenstationen bemüht, sondern die Lage “schlecht geredet”, so die Gewerkschafter. Zwar müsse er den Argumenten der Landesregierung teilweise recht geben, so Tschenett – wie etwa der schwierigen Personalsituation. Die jahrelange Unklarheit und Unsicherheit habe allerdings einiges zu den Personalschwierigkeiten beigetragen. “Es ist klar, dass man sich schwer tun wird, genügend Personal zu finden, wenn immer wieder die Schließung im Raum steht, dann wieder von Rettung die Rede ist und schließlich wieder von Schließung gesprochen wird.”


Andreas Dorigoni und Tony Tschenett (v.l.) Foto: salto.bz

“Verdächtig” sei außerdem, dass “nun das dritte Jahr in Folge immer in den Sommermonaten von einer Schließung gesprochen wird”, meint Dorigoni. Die Gerüchte würden dafür sorgen, dass sich werdende Mütter von einer drohenden Schließung abschrecken lassen könnten und somit die Geburtenanzahl in Sterzing reduziert werde. Auch dem Personal in Sterzing selbst gehe es “schlecht”, man sei “demotiviert” und “enttäuscht”, berichten die Gewerkschafter. Unverständnis durch die Bank, darüber, dass eine “gut funktionierende Struktur geopfert werden soll – aus welchem Grund auch immer”. Denn nachvollziehbar ist der Weg, den die Landesregierung eingeschlagen hat, für die Gewerkschafter nicht: “Wird Sterzing geschlossen, hätte Brixen nicht einmal die Kapazitäten, um die Geburten zu übernehmen. Wir befürchten, dass das Gleiche wie im Pustertal passieren wird.” Seit die Geburtenstation in Innichen im März dieses Jahres geschlossen wurde, habe sich die Personalsituation entgegen ursprünglicher Erwartungen in Bruneck keinesfalls gebessert. “Es gibt heute noch Schwierigkeiten”, schüttelt Dorigoni den Kopf.

Indes gibt man im Wipptal nicht auf. Für Donnerstag, 14. Juli, wurde eine Protestaktion gegen die Schließung der Geburtenstation in Sterzing organisiert. Dazu aufgerufen hat die Initiativgruppe “Für das Krankenhaus Sterzing”, gefordert wird nicht zuletzt der Rücktritt von Gesundheitslandesrätin Martha Stocker: