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Bozen

Neue Eiszeit in der Altstadt

Ötzi wird umziehen. Weil René Benko die Gletschermumie auf den Virgl verfrachten will, läuft der hds Sturm.
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Wer sich als Normalbürger nach einer Wohnung in der Landeshauptstadt umsieht, muss sich auf eine mühsame, langwierige und nicht selten erfolglose Suche einstellen. Wer allerdings auf den Namen “Ötzi” getauft wurde, hat ganz andere Probleme. Für Ende des Monats wird die Entscheidung erwartet, wo die berühmte Gletschermumie künftig untergebracht wird. Und schon jetzt reißt man sich um den Mann aus dem Eis.

Fest steht: In Bozen soll ein Museumsquartier entstehen. Auf 10.000 Quadratmetern sollen das Archäologiemuseum, das Stadtmuseum und ein eigenes Museum für Ötzi unterkommen. Weil sich das Land mit dem Bozner Bauunternehmer Pietro Tosolini nicht einigen konnte, wurde im Frühjahr vergangenen Jahres eine Markterhebung gestartet. Drei Angebote sind beim Vermögensamt des Landes eingegangen. Nun kümmert sich eine eigens eingesetzte Kommission, bestehend aus Vertretern der Abteilungen Urbanistik, Hochbau und Tourismus sowie der Gemeinde Bozen und der Südtiroler Landesmuseen um die Bewertung der vorliegenden Projekte. Eines davon kommt von René Benko. Der österreichische Immobilieninvestor, der am Bozner Busbahnhofsareal den “WaltherPark” errichtet, möchte das Museumsquartier am Virgl errichten – und das Archäologiemuseum samt seiner Hauptattraktion Ötzi dorthin verfrachten. Für Benko und die Signa Holding GmbH wäre es ein Clou – für die Kaufleute in der Altstadt ein Horrorszenario.

Virgl-Seilbahn

Seit 2015: liegt das Siegerprojekt des Ideenwettbewerbs für eine Seilbahn auf den Virgl vor, es stammt vom norwegischen Architektenbüro Snohetta

Heinz Peter Hager, Benkos rechte Hand in Bozen verspricht am Virgl eine dem “Weltstar Ötzi” angemessene Unterkunft – erreichbar mit der geplanten Seilbahn, die vom Verdiplatz auf den Bozner Hausberg führen soll. Nichts da, die Gletschermumie soll in der Altstadt bleiben, fordert kein geringerer als hds-Präsident Philipp Moser. Der Handels- und Dienstleistungsverband fürchtet, dass die Bozner Altstadt für Besucher und damit für Kunden der Geschäfte in der Innenstadt unattraktiver werden wird, wenn Ötzi auf den Virgl umzieht. Die beiden anderen eingegangenen Projekte sehen vor, den Museums-Pool samt Ötzi in der Altstadt zu belassen.

“Diesen Juwel jetzt aus der Stadt auszusiedeln, wäre sehr schlecht für die langfristige Entwicklung der Altstadt”, schreibt Moser in einer Stellungnahme, in der er sich “offen gegen dieses Ansinnen” stellt. “Für Bozen ist das außerordentliche Ausstellungsstück des Archäologiemuseums einer der wichtigsten, wenn nicht gar der wichtigste Bezugspunkt für die Attraktivität und Lebendigkeit des Bozner Ortszentrums”, unterstreicht der hds-Präsident. “Die Besucherströme müssen in die Städte geleitet, und nicht in die Peripherie gedrängt werden.”

Moser, Philipp

“Lasst Ötzi und die Kunden in der Altstadt”: hds-Präsident Philipp Moser stellt sich gegen den Umzug auf den Virgl

Knapp 290.000 Eintritte hat das Archäologiemuseum 2017 verzeichnet. Nachvollziehbar, dass sich die Kaufleute der Innenstadt und hds Sorgen machen, dass mit Ötzi auch eine große Kaufkraft aus der Altstadt ausziehen könnte. Zumal künftige Besucher auch noch durch neue Benko-Viertel samt Kaufhaus und in die Benko-Seilbahn müssten, um den Mann aus dem Eis einen Besuch abzustatten. Kein Verständnis für die offene Ablehnung des Projekts zeigt Heinz Peter Hager: Es sei “absurd” zu denken, dass Qualitätsläden wie jene in der Bozner Altstadt abhängig von einem “Museum am Ende einer Straße” seien, sagt Hager zum Corriere dell’Alto Adige. Andernfalls, geht Hager auf Attacke, müsse er die unternehmerischen Fähigkeiten der Kaufleute infrage stellen.

Stoff für eine Neuauflage der (verbalen und medialen) Schlacht um ein “Benko-Projekt” ist bereits jetzt schon reichlich vorhanden.

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Kommentare

Bild des Benutzers Massimo Mollica

Peccato che la città intesa come comunità non ne venga interessata! Comunque il problema nasce a monte. Ovvero di colui che detiene il maggior numero di immobili in città e decide il bello e cattivo tempo.

Bild des Benutzers Ralph Kunze

es wäre für alle ein Vorteil, wenn der Ötzi wegkommt. Die Stadt ist so schon total überfüllt, quasi ein Disneyland. Einheimische meiden die Stadt großteils. Verkehrschaos, überhöhte Preise, fast ausschließlich internationale Handelsketten.
Die Idee vom Virgl ist top!

Bild des Benutzers Massimo Mollica

Anche a me piace l'idea del Virgolo!

+1-11
Bild des Benutzers Servus Leute

dass Einheimische die Stadt großteils meiden, ist ein Märchen.

Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht

Das wäre wirklich eine super Lösung! Man stelle sich nur vor was das für eine gigantische Entlastung für den Verkehr der Innenstadt wäre und zugleich würde der Virgel endlich aufgewertet. Die Altstadt wird dadurch keinesfalls benachteiligt, höchstens ein Paar Immobilienbesitzer müssen sich mit niedrigeren Mieten zufrieden geben und das können die locker verkraften.

Bild des Benutzers Andreas gugger

Die idee ist doch super. Kommt aber nicht von Ebner, oberrauch u co u deshalb wird sie gleich schlechtgemacht! In der industriezone wäre ein grosses museumsquartier doch auch was.

Bild des Benutzers Alfonse Zanardi

Der Virgl ist der dunkelste und hässlichste Ort Bozens. Dort oben haben sich seit jeher nur Kiffer, Paare ohne Wohnung und Mörder umgetrieben. Dort oben ein Museumsquartier anzusiedeln, nur per Seilbahn erreichbar, ist hirnrissig.
Einziger Vorteil: man kann sich von dort ideal das Verkehrschaos anschauen dass in Folge des Benkö-Quartiers enstehen wird.

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