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Fluchtburgdilemma

Schurken, Retter und politische Zündler

Für Europa werden die Flüchtlingsproblematik und die Migrationspolitik vor den Parlamentswahlen zu einer veritablen Nagelprobe für die Zukunft der Gemeinschaftsidee.
Community-Beitrag von Karl Gudauner16.08.2018
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Kommentare

Bild des Benutzers Andreas Berger
Andreas Berger 17.08.2018, 21:44

Ich stimme überein in der Schlussfolgerung, daß ohne sogenannten Marshall-Plan für Afrika und gerechteren Handelsverträgen die Fluchtursachen nicht bekämpft werden können. Allerdings gibt es Experten die prophezeien, daß es nach einem Wirtschaftsaufschwung in Afrika noch mehr potentielle Emigranten geben wird, die das nötige Geld für die Flucht nach Europa aufbringen werden können. Das Hauptproblem meines Erachtens ist jedoch weder die Ausbeutung durch Europa noch die schlechte Regierungspraxis in Afrika, sondern die Bevölkerungsexplosion dort. Wir Europäer werden auf unserem kleinen und dicht bevölkerten Kontinent sicher nicht die demographischen Probleme Afrikas lösen können, deshalb sehe ich leider keine Alternative zur europäischen Abschottung.

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Karl Gudauner 18.08.2018, 11:25

Krude Statistiken besagen, dass mit steigendem Wohlstand die Geburtenrate sinkt. Die Verbesserung der Lebensbedingungen ist jedoch nur ein Faktor, der darauf Einfluss nimmt. Eine große Rolle spielen kulturelle Faktoren, etwa die gesellschaftliche Rolle der Frau und die Anerkennung der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sowie der Bildungsgrad und die Verfügbarkeit von Informationen sowie die Möglichkeit von autonomen Entscheidungen zur Familienplanung.

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Benno Kusstatscher 18.08.2018, 00:03

Wenn mehrere den Kopf so klar behalten würden wie der Karl, dann könnte man bei aller Komplexität doch wieder zu einer bewältigbaren Problemstellung zurück finden. Kompliziert ja, aber doch auf wenigen Seiten zusammenfassbar. Danke dafür.

Den einzigen Einwand, den ich machen möchte, ist, dass wir nicht auf die Einbindung Chinas für die Problemlösung Afrikas warten sollten, weil die wird wirklich kompliziert. Letztlich wird es in Afrika einen Wettlauf der Systeme geben. Wenn China den gewinnt, dann werden deren Regeln nicht nur in Afrika sondern auch in Europa gelten.

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Oliver H. 18.08.2018, 07:39

Auf die Gefahr hin, von Benno Kusstatscher wieder ohne Belege in eine "neonationalistische und identitäre" Ecke gestellt zu werden, muss ich analog zum Beitrag "Die EU- Werte- oder Wirtschaftsunion?" eine Aussage von Gudauner kritisieren:

>>Ein bevölkerungsmäßig schrumpfendes Europa muss seine Kräfte bündeln und den politischen Einigungsprozess gezielt vorantreiben, um in der internationalen Standortkonkurrenz zu bestehen und nicht selbst zum Opfer von Kolonialisierungsbestrebungen zu werden.<<

Ist das nicht dieselbe Argumentation, mit um die Jahrhundertwende die europäische Hegemonialpolitik legitimiert wurde? Viele Leute machen den Denkfehler, dass eine Stärkung der EU nicht nationalistisch und imperialistisch sein kann. Dabei klingt das alles für mich sehr stark nach "Make EU Great Again!"

Das kritisiere ich. Aber laut Benno Kusstatscher bin ich ja ein Nationalist und Identitärer... Es ist also egal, wie oft ich Nationalismus und Imperialismus ablehne, er bleibt bei seinen unredlichen Anschuldigungen...

Insgesamt zum Artikel: Karl, du hast zum Teil sehr präzise die Probleme aufgezeigt. Ich habe einige Anmerkungen:

1. NGO-Wahnsinn: Ich denke das Problem ist nicht, dass die NGOs die Ertrinkenden aus dem Wasser fischen. Dies ist ein redliches und unterstützenswertes Vorgehen. Das Problem ist, dass die Praxis, die Geretteten nach Europa zu bringen einen Anreiz für Schlepper schafft, genau so weiterzumachen. Wenn man die Geretteten jedoch an die afrikanische Küste zurückbringt, kombiniert man beides: Man hat Menschen vor dem Ertrinken gerettet und man nimmt den Schleppern den Anreiz. Die Geretteten fordern dann von den Schleppern ihr Geld zurück und dann ist es nicht mehr so lustig, Schlepper zu sein.

2. Entwicklung Afrikas: Ich denke nicht, dass es einen Marshall-Plan braucht. Um Afrika zu entwickeln, braucht es meiner Meinung nach drei Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen:
a) freien Handel und ein Ende der Flutung afrikanischer Märkte mit subventionierten Gütern aus EU und USA.
b) endlich stabile, politische Verhältnisse [a) würde dazu beitragen]
c) so kurios es klingt: eine offenere Migrationspolitik. Afrikaner müssen die Möglichkeit haben, in Europa zu arbeiten, damit sie dann einen Teil ihrer erworbenen Finanzmittel in die Entwicklung eines Gewerbes in Afrika stecken können. Hier sollte die Möglichkeit für Arbeitsvisa und temporäre Aufenthaltsgenehmigungen (mit Option auf Verlängerung) verbessert werden.

3. Pull-Faktoren: Der europäische Wohlfahrtsstaat ist ein großer Pull-Faktor und gleichzeitig auch der Grund für die Ablehnung großer Teile der Bevölkerung in Sachen Migration. Es wird immer gesagt, wegen einem Flüchtling bekommt die Oma nicht weniger Rente. Das wird schon stimmen. Doch es enstehen mehr Ausgaben. Diese müssen dann von künftigen Generationen gezahlt werden und haben außerdem Opportunitätskosten.
Insofern kann man eigentlich sagen: Je größer ein Wohlfahrtsstaat ist, desto strengere Regulierung braucht man bei der Einwanderung. Hier brauchen die Politiker mal die Eier (@Silvia Rier), klar Kante zu zeigen. Derzeit wurschtelt man sich nur durch, denkt aber nicht an die Konsequenzen.

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 18.08.2018, 09:44

Ich bin im Großen und Ganzen mit dem, was Oliver H. oben schreibt, einverstanden. Zum Punkt „1. NGO-Wahnsinn“ möchte ich noch den folgenden Gedanken hinzufügen: Das Schlimme in unserer derzeitigen links-grün- alternativen Gesellschaft ist, dass man eine offene Diskussion zu diesem Thema zum Tabu erklärt. Ich habe letztlich im Spiegel gelesen, dass ein Pro und Kontra in der „Zeit“ zu einem derartigen Shitstorm auslöste bzw. zu einem Aufruhr führte und eine Redaktionskrise auslöste, bei der der Redakteurin, welche den Kontrapart übernommen hatte, alle Schuld zugeschoben wurde.
Ich glaube auch, dass nach einer Rettung es ok wäre, die Flüchtlinge in den nächstgelegenen Tunesischen Hafen zu bringen, wenn man es nicht verantworten kann, sie nach Libyen zurück zu bringen. Die Flüchtlingsroute scheint sich eh über Marokko und der kurzen und weniger gefährlichen Straße von Gibraltar zu verlagern.
Zu 2. Entwicklung Afrikas: Auf diesem Portal wurde schon mal von Frau Aster darauf hingewiesen, dass China und Indien mit der Bevölkerungsexplosion im Großen und Ganzen selbst zurecht gekommen seien. Als im 19-ten Jahrhundert Europa eine Bevölkerungsexplosion erlebte, gab es in Nord und Süd-Amerika – nach europäischer Sicht – noch freie zu bewirtschaftende Ländereien und zu rodende Wälder. Was die Millionen, die bis zum ersten Weltkrieg, dort hin wanderten dann auch gemacht haben. Darunter auch Tiroler (Colonia Tirol, Dreizehnlinden) und noch mehr Welsch-Tiroler nach Argentinien und Brasilien. Im geografischen Europa käme da wohl nur mehr Russland in Frage. Aber die Wälder würden wir auch nicht gerne roden lassen wollen.

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 18.08.2018, 09:54

Noch eine persönliche Botschaft an Herrn Gudauner – (ich konnte keine E-Mailadresse ausfindig machen, um sie privat zu kontaktieren!): Sie waren doch in Vergangenheit schon Geschäftsführer der SVP-Arbeitnehmer und der Direktor des Arbeitsförderungsinstituts. Darf ich Sie um Ihre Einschätzung der Problematik „Renten, Kaufkraftverlust, gesellschaftlicher Verlierer Mittelstand“ bitten. Siehe meine Leserbriefe und mein salto-Beitrag https://www.salto.bz/de/article/12082018/engagement-gegen-kaufkraftverlust. Danke!

Bild des Benutzers Karl Gudauner
Karl Gudauner 18.08.2018, 14:50

Die Rückbringung von Flüchtlingen an die afrikanische Küste kommt im Kommentar von Oliver H. als recht salopp formulierter Lösungsvorschlag daher. Das wird der Dramatik der Problemstellung nicht gerecht. Schließlich geht es für die Flüchtlinge ums Überleben. Auch andere Länder als Libyen sind keine "sicheren" Länder. Abgesehen von der menschlichen Anteilnahme am Schicksal der Flüchtlinge verstößt die Rückführung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (Art. 3), die Genfer Flüchtlingskonvention (Art. 33) und das internationale Seerechtsübereinkommen (Art. 98). Mehr dazu siehe:

https://www.proasyl.de/news/internationales-recht-eu-muss-bootsfluechtli...

Dass die Flüchtlinge schließlich in der Lage wären, nach ihrer Rückführung von den Schleppern die Rückzahlung der bezahlten Summen für die Überfahrt einzufordern, ist offensichtlich als Argument nicht ernst gemeint und kann allenfalls als bizarres Element der Einflussnahme auf die Diskurssteuerung bewertet werden.

Bild des Benutzers Paul Stubenruss
Paul Stubenruss 18.08.2018, 09:46

Nur ein Hinweis wie blöd die EU-Politik ist. Glaubt mit Sanktionen Russland in die Knie zu zwingen und hat keine Idee wie mit den armen Staaten in Afrika um zu gehen. Werden Gelder geschickt, dann landen diese am Ende bei europäischen Nobelmarken für Autos und Unternehmen wie Rheinmetall und so weiter.

Bild des Benutzers Rufer Peter
Rufer Peter 22.08.2018, 11:44

Ob im Mittelmeer angebliche "Flüchtlinge" sterben oder nicht hat nur bedingt eine Bedeutung. Das alles sind die ersten Zeichen dafür, das etwas ganz anderes begonnen hat: Der Kampf um die letzten Ressourcen dieser Welt.
Afrika wird seit seit 50 Jahren Entwicklungshilfe überwiesen. Gebracht hat es nichts, ausser das die Gelder in der Tasche von Diktatoren oder einem General gelandet sind. Das wagt sich in Europo nur nicht klar zu sagen.
Hier zählt nur eines, die Macht des Stärkeren und sonst nichts. Die Natur mag für viele grausam erscheinen, aber nur, weil man selber viel zu weit weg gekommen ist von Ihr. Wer es sich leisten kann, mag helfen, nur muss er dann mit den Folgen auch leben, die die Zukunft bringt. Und diese Zukunft sieht allerdings nicht gut aus.

Bild des Benutzers Harald Knoflach
Harald Knoflach 26.08.2018, 14:15

danke für das niveau dieses textes

Bild des Benutzers Karl Trojer
Karl Trojer 28.08.2018, 10:25

auch ich danke für diesen, weitgehend fair geführten Dialog zu einem heißen Thema ! Ein besonderer Dank an Karl Gudauner, dessen Tiefe und Klarheit !

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