Politics | Gemeindewahlen 2025

Wer macht das Rennen in Welschnofen?

Wer wird der Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters Markus Dejori? In Welschnofen scheint das Rennen um das Bürgermeisteramt noch vollkommen offen zu sein.
Welschnofen
Foto: Seehauserfotos
  • 25 Jahre lang saß Markus Dejori als Bürgermeister von Welschnofen, einer Gemeinde, die offiziell knapp über 2.000 Einwohner zählt (inoffiziell sind es aufgrund der hohen Anzahl an Zweitwohnsitzen rund 1.200) fest im Sattel – während einige seine anpackende Hand schätzten, kritisieren andere wiederum seine Dominanz bzw. die Tatsache, dass der oberste Vertreter der Gemeinde für alles zuständig sei. Nachdem Dejori angekündigt hatte, sich nicht mehr der Wiederwahl stellen zu wollen, tat sich ein vorübergehendes Vakuum auf – das auf Anhieb niemand füllen wollte. Nachdem sich lange niemand gefunden hatte, der in die großen Fußstapfen von Dejori tritt, haben sich gleich zwei Kandidaten beworben, beide Namen waren dabei eine mehr oder weniger große Überraschung: Dieter Bologna und Tobias Wiedenhofer. Glaubt man auf Seiten der SVP darin einen taktischen Fehler zu erkennen, so gilt dies für die Bürgerliste erst recht: Alle vier verbliebenen Kandidaten (bei den letzten Gemeinderatswahlen im Jahr 2020 sind immerhin noch neun Kandidaten angetreten, wobei vier den Einzug in die Gemeindestube geschafft haben), bewerben sich gleichzeitig auch für das Bürgermeisteramt, und zwar sind dies der ehemalige lvh-Präsident Thomas Pardeller, Elvira Tschager, Sigrid Dejori und Renate Robatscher. 15 Sitze gilt es im Gemeinderat Welschnofen zu verteilen, und genauso viele Kandidaten haben sich auf der Liste der SVP um ein Mandat beworben. Nachdem die Bürgerliste nur mit vier Kandidaten antritt, wird die Edelweiß-Partei automatisch die Mehrheit im Gemeinderat stellen. Die Frage wird lediglich sein, wer einzieht. Weit spannender dürfte insofern die Frage sein, wer Dejoris Nachfolge antritt. 

     

  • Von der SVP zur Bürgerliste und wieder retour

    Dieter Bologna, Bürgermeisterkandidat der SVP: „Welschnofen erlebt derzeit einen Aufschwung.“ Foto: privat

    Bei den letzten Wahlen im Jahr 2020 trat Dieter Bologna für die Bürgerliste als Bürgermeisterkandidat an, eine Amtsperiode zuvor kandidierte er für die SVP, verpasste allerdings den Einzug in den Gemeinderat. Nun kandidiert er erneut als Bürgermeister – dieses Mal für die SVP. Seine ehemaligen Fraktionskollegen reagierten überrascht, da sie erst kürzlich und nur über ein Ausschussprotokoll von seinem Wechsel erfuhren. Auch in der SVP dürfte dieser Schritt nicht überall gut angekommen sein, denn kurz nach Bolognas Kandidatur erklärte auch Tobias Wiedenhofer, Neffe des langjährigen Bürgermeisters Manfred Wiedenhofer, dass er sich um dieses Amt bewerben wolle. Für Bologna spielt, wie er selbst sagt, die Parteizugehörigkeit auf Gemeindeebene eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei, dass gute Verwalter im Gemeinderat sitzen. Seinen Wechsel zur SVP erklärt Bologna als Ergebnis einer gewachsenen Zusammenarbeit: „Ich bin ein Teamworker, und meine Kandidatur ist ein gemeinsames Projekt.“ Sollte er gewählt werden, verspricht er: „Es wird für jeden Bereich eine verantwortliche Person geben – nicht immer wird der Bürgermeister gefragt sein.“ Warum zwei Bürgermeisterkandidaten auf der SVP-Liste? Der ehemalige Bürgerlistler sieht darin eine Wahlmöglichkeit für die Bürger: „Wir sind grundverschieden – ich trete mit einem Team an, mein Mitbewerber verfolgt einen anderen Ansatz.“ Er ist überzeugt, dass seine Kandidatur die einzige wirklich Erfolg versprechende sei. Bezüglich der brennenden Themen in Welschnofen betont der studierte Jurist, Landwirt (er betreibt eine Alpaka- und Lama-Zucht) und Geschäftsführer, dass Verkehrsprobleme nur übergemeindlich gelöst werden können. Auch eine Umfahrungsstraße, die zwar im Bauleitplan steht, aber nie vorangetrieben wurde, bleibt ein wichtiges Anliegen. Beim Thema Wohnen verweist Bologna darauf, dass für Erstwohnungen bereits der niedrigste Steuersatz gilt, während Zweitwohnungen am höchsten besteuert werden. Zudem entstehen aktuell neue geförderte Wohnungen auf zwei ausgewiesenen Grundstücken. „Welschnofen erlebt derzeit einen Aufschwung“, so Bologna. Apropos Wohnen und Bauen: Mitten im Dorfzentrum wird derzeit das ehemalige Hotel „Iris“ renoviert – übrigens im Besitz von Dieter Bologna. Entstehen sollen hier Wohnungen, aber auch Räume, die von der Öffentlichkeit genutzt werden können. 

  • Bürgernähe

    SVP-Bürgermeisterkandidat Tobias Wiedenhofer: „Die Bürgernähe der öffentlichen Verwaltung ist ein zentrales Anliegen.“ Foto: privat

    Mitbewerber bzw. Konkurrent um das Bürgermeisteramt aufseiten der SVP von Bologna ist Tobias Wiedenhofer. Warum kandidiert er? „Um den Pluralismus für die Demokratie zu gewährleisten“, erklärt der Jurist. Dass es diesmal sechs Anwärter auf das Amt gibt, sieht er nicht als Problem, sondern als Ausdruck einer lebendigen politischen Kultur. Inhaltlich setzt Wiedenhofer auf eine sachliche Verwaltung, wirtschaftliche Entwicklung und die Förderung der Jugend. Besonders wichtig sei ihm eine nachhaltige Landwirtschaft sowie die Begeisterung junger Menschen für Sport. „Die Bürgernähe der öffentlichen Verwaltung ist ein zentrales Anliegen“, betont er. Auch für Wiedenhofer gehört leistbares Wohnen zu den zentralen Themen. Welschnofen hat nach Corvara die zweithöchste Anzahl an Zweitwohnungen in Südtirol. Der Bürgermeisterkandidat, der bereits bei den letzten Gemeinderatswahlen im Jahr 2020 auf der SVP-Liste antrat und erfolgreich den Einzug in die Gemeindestube schaffte, spricht sich klar dafür aus, Einheimischen und jungen Familien Vorrang zu gewähren. Im Hinblick auf die Wahlen gibt sich Wiedenhofer zuversichtlich: „Wir haben ein tolles Team.“

  • Bürgerliste setzt auf ein Quartett

    Ein ungewöhnlicher, aber (angeblich) strategisch kalkulierter Ansatz zeichnet den Wahlkampf der Bürgerliste aus: Statt eines einzelnen Bürgermeisterkandidaten treten vier Gesichter an – wie bei der SVP besteht also die Gefahr, dass sich die Stimmen splitten und sich die Bürgerliste selbst ein Bein stellt. Böse Zungen behaupten, dass man sich offenbar davor scheue, Verantwortung zu übernehmen. „Spitzenkandidat“ Thomas Pardeller betont hingegen, dass die vier Kandidaten – drei Frauen und ein Mann – gemeinsam als Einheit auftreten, um den Bürgern eine klare Auswahl zu ermöglichen. 

  • Thomas Pardeller, Renate Robatscher, Sigrid Dejori und Elvira Tschager: Die vier Kandidaten bzw. Kandidatinnen der Bürgerliste. Foto: privat/Collage SALTO
  • Dieser kooperative Ansatz sei in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert worden, so der ehemalige Direktor des Landesverbandes der Handwerker (lvh), der auf einen konstruktiven Umgang mit den politischen Herausforderungen im Dorf setzt. Pardeller tritt angesichts des hohen Zweitwohnungsanteils für eine 100-prozentige Konventionierung ein. Damit soll sichergestellt werden, dass vor allem Einheimische und junge Familien den Vorrang beim Zuteilungsprozess genießen. Ein weiteres zentrales Thema für den Bürgermeisterkandidaten ist der längst überfällige Gemeindeentwicklungsplan. Trotz intensiver Vorarbeiten und zahlreicher Arbeitsgruppen seien Fortschritte bisher ausgeblieben. Die Auseinandersetzungen mit der Landesseite und unklare Zuständigkeiten hätten dazu geführt, dass wegweisende Projekte – etwa im Mobilitäts- und Tourismusbereich – nur schleppend vorangekommen seien. 

  • Karerseesiedlung: In der Gemeinde Welschnofen befinden sich nach Corvara die meisten Zweitwohnsitze. Foto: Seehauserfoto/Archiv

    Für Sigrid Dejori ist ihre Kandidatur eine Frage der Bürgerpflicht: „Ich kann nicht einfach zuschauen, wie sich Dinge hinziehen. Ich will mich einbringen und meinen Beitrag in meinem Heimatdorf leisten.“ Dejori blickt zurück auf Jahre intensiver politischer Arbeit im Gemeinderat. Trotz oft widriger Umstände habe sie bereits wichtige Projekte, beispielsweise im Landschaftsschutz, erfolgreich vorantreiben können – wenn auch in einer Position der Minderheit. Der wiederkehrende Frust über mangelnde konstruktive Diskussionen und undurchsichtige Abläufe prägte ihren Entschluss, aktiv für Veränderungen einzutreten. Dabei stehen nicht nur traditionelle Themen im Fokus, sondern auch aktuelle Herausforderungen wie der massenhafte Zweitwohnungsbau, der das Dorf nachhaltig beeinflusst. Trotz des Wechsels von Bologna zur Bürgerliste sei Aufgeben keine Option gewesen. Laut Dejori sei es an der Zeit, mit dem ständigen Kritisieren aufzuhören und stattdessen aktiv zu gestalten – im Interesse des Dorfes und seiner Bürger.

     

    „Ich kann nicht einfach zuschauen, wie sich Dinge hinziehen. Ich will mich einbringen und meinen Beitrag in meinem Heimatdorf leisten.“

     

     „Wir sind eine kleine Gruppe, aber wir haben gute Verbindungen zu den Vereinen und den Menschen in der Region. Es gab durchaus Interesse, aber es war eine Herausforderung, geeignete Kandidaten zu finden“, erklärte Elvira Tschager auf die Frage, ob sich die Kandidatensuche schwierig gestaltet hatte. Auch für Tschager hat leistbares Wohnen oberste Priorität. „Welschnofen hat den höchsten Anteil an Zweitwohnungen in der Region. Das führt dazu, dass sich viele Einheimische immer weniger zuhause fühlen. Immer mehr Häuser werden verkauft, und das verändert das Leben hier stark. Es ist eine große Herausforderung, den Anteil an Zweitwohnungen zu begrenzen, um die Lebensqualität der Einheimischen zu sichern“, so Tschager. Der klassische Tourismus sei in den letzten Jahren zurückgegangen, und viele Hotels wurden in Wohnungen umgewandelt. Die Zahl der Gästezimmer sei stark gesunken, dafür sind die Zweitwohnungen angestiegen. „Die Umwandlung von Hotels in private Wohnungen ist ein Problem, das wir weiterhin angehen müssen“, so Tschager. 

     

    „Die Umwandlung von Hotels in private Wohnungen ist ein Problem, das wir weiterhin angehen müssen.“

     

    Für die Vierte im Bunde, Renate Robatscher, stellt der Verkehr eines der größten Probleme Welschnofens dar. „Unsere Straßen sind überlastet. Der Durchgangsverkehr, besonders im Sommer, beeinträchtigt die Lebensqualität.“ Sie fordert deshalb eine Machbarkeitsstudie für eine Umfahrungsstraße und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept. „Wir müssen weg von kurzfristigen Lösungen hin zu einem langfristigen Plan.“ Auch die touristische Entwicklung liegt ihr am Herzen. „Wir müssen den Tourismus so gestalten, dass er mit dem Leben der Einheimischen vereinbar ist. Massentourismus kann nicht die Lösung sein.“