Culture | Veranstaltung

Olaf Nicolai, Carillon

Eine Komposition für Kuhschellen im Museion.
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Foto: ©Karl Zöggeler, courtesy Südtiroler Rinderzuchtverband

 

Das Projekt Carillon des Künstlers Olaf Nicolai eröffnet das Veranstaltungsprogramm des Museion im Monat Mai 2018, in dem sich die Eröffnung des vom Berliner Architekturbüro KSV realisierten Hauses am Piero-Siena-Platz zum zehnten Mal jährt.

Im Zentrum von Carillon (2018) steht eine musikalische Komposition für 15 Kuhschellen. Jede Kuhschelle ist ein Unikat und hat ihren eigenen Ton. Die Komponistin Isabel Mundry (1963, Schlüchtern, DE) schrieb das Stück mit dem Titel „OUTSIDE IN”, das am 5. Mai 2018 im Museion uraufgeführt wird (Ausführender: Rainer Römer). Während des Konzerts in der Museion Passage wird im Außenraum auf der Talferwiese eine Rinderherde weiden. Im Anschluss werden die Schellen dort den Kälbern umgehängt und eine zweite, freie Komposition beginnt. Nach dem Almauftrieb verlagert sich das Konzert auf den Salten (Hochplateau Tschögglberg), wo sich die Kühe während der Sommermonate aufhalten.

Teil des Projekts ist eine Wanderkarte, auf der die Standorte der Kühe verzeichnet sind. Zudem werden beide Kompositionen auf einer Schallplatte dokumentiert. Im Rahmen des Festivals Transart findet am 30. September 2018 eine musikalische Almwanderung mit dem Künstler und einigen Sängerinnen und Sängern der „Neuen Vocalsolisten“ aus Stuttgart statt, die das Projekt abschließt.

Olaf Nicolai hat damit eine Arbeit konzipiert, die das Museum in Bozen, eine international renommierte Institution, auf seine landschaftliche Umgebung zurückbezieht. Als ein Werk, das in und mit dem Medium Zeit operiert, schließt Carillon an vorhandene lokale Rhythmen an und führt sie zusammen. Doch ebenso wird ein eigener, neuer Rhythmus geschaffen, der sich, einer alten Tradition gleich, wiederholen lässt und so eine singuläre Verbindung zwischen dem Museum und der umliegenden Berglandschaft herstellt. Zugleich wird der lokale Fokus von Carillon in den internationalen Kontext zurückgespielt, in dem eine Institution wie das Museion agiert.

 

Olaf Nicolai (1962, Halle/Saale, DE) steht in der Tradition der Konzeptkunst, die das Verhältnis von Idee und Bild oder von Idee und Objekt überprüft. Mit konzeptionellen Ansätzen und unterschiedlichen Medien stellt Nicolai die gewohnten Betrachtungsweisen der Alltagswelt immer wieder infrage. Theorien aus Natur- und Geisteswissenschaften übersetzt er ästhetisch-künstlerisch und lässt sie im neuen Kontext erfahrbar werden. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen und bei internationalen Großausstellungen gezeigt, wie etwa bei der documenta 14 Athens (2017), im Museum Boijmans Van Beuningen (2016), im deutschen Pavillon der 56.Biennale di Venezia (2015), im Musée du Louvre (2013), in der Pinakothek der Moderne München (2011) oder in der Royal Academy of Arts (2008). Er wurde mit dem Karl-Sczuka-Preis (2017) und dem Kunstpreis der Stadt Wolfsburg (2002) sowie mit Stipendien der Villa Aurora in Los Angeles (2008), am PS1 (New York, 1998) und in der Villa Massimo (1997/98) ausgezeichnet. Seit 2011 ist Olaf Nicolai Professor für Bildhauerei und Grundlagen des dreidimensionalen Gestaltens an der Akademie der Bildenden Künste in München.

 

Mich würde interessieren, ob für diese interessante musikalische Komposition tatsächlich Kuhschellen verwendet wurden, wie hier geschrieben, wurde, oder eventuell Kuhglocken. Der Unterschied ist ja beachtlich und geradezu grundsätzlich. Schellen sind geschmiedet, ihre Tonlage ist je nach Anschlagepunkt variierend und nicht leicht zu bestimmen. Glocken sind gegossen und haben eine präzis zu bestimmende, unveränderte Tonlage. Bei der Verwendung von Schellen gibt es daher interessante Überraschungseffekte mit der Möglichkeit spannender Dissonanzen, bei der Verwendung von Glocken mit eindeutig festgelegter Tonlage kann das Musikstück perfekt durchkomponiert werden.

Sun, 05/06/2018 - 01:04 Permalink