OPFER - Ein Film von Christoph Waldboth

Wer sind die eigentlichen Opfer eines Amoklaufs?
Die Toten oder die Täter?
Der Kurzfilm „OPFER“ des Südtiroler Regisseurs Christoph Waldboth setzt sich mit dieser Frage auseinander. Das 36-minütige Werk wurde im Programm des Filmfestival Bozen 2019 gezeigt und erscheint nun online. Gedreht wurde die fiktive Geschichte nach den Regeln der Dogma-95-Bewegung, die 1995 von Lars von Trier, Thomas Vinterberg u.a. ins Leben gerufen wurde. Dadurch erhält die Inszenierung gar dokumentarischen Charakter und bringt den Zuschauer sehr nahe an die Figuren und das Geschehen. Gedreht wurde der Film bereits im Jahr 2018, in Südtirol.
Doch worum geht es konkret?
Nora (Nora Schröder) will Amok laufen. Als sie die etwa gleichaltrige Amelie (Julia S.) trifft und sie vor dem Suizid bewahrt, kommen die beiden Mädchen ins Gespräch. Zwei verlorene Seelen sinnieren über das Leben und den Tod, über Schuld und Sühne. Doch der Amoklauf rückt näher... Ein Film über die Frage, inwiefern aus Opfern Täter werden. Erzählt aus der Perspektive einer Amokläuferin und gedreht nach den Regeln der Dogma-95-Bewegung nach Thomas Vinterberg und Lars von Trier.
Der Regisseur über seinen Film:
„Opfer“ erzählt die Geschichte zweiter Extreme. Ich habe die Perspektive der Erzählung sehr bewusst gewählt. Die Amokläuferin ist Protagonistin – ob sie auch Identifikationsfigur wird, steht dem Zuschauer offen. Das Böse wird entlarvt und zu seinem menschlichen Ursprung zurückgeführt. Der Mensch als verletzliches und krankes Wesen, dessen Dämonisierung der falscheste aller Ansätze ist. Der Film ist der Versuch eines Einblicks in die Psyche zweier Personen, die sehr unterschiedliche Sichten auf das Leben und den Tod haben. Die Mörderin wird zum Spiegel für den Betrachter und stellt dessen Gefühlswelt auf die Probe. Sympathisiert man mit ihr oder hasst man sie? Versteht man sie oder hat Mitleid? Auch ästethisch verwehrt sich der Film aufgrund der Dogma-Inszenierung jeder herkömmlichen Sehgewohnheit. Er ist rau, ungeschliffen und wirkt wie eine Momentaufnahme. Ich hoffe, der Film wird die Gemüter spalten und zur Diskussion anregen. Er ist eine Provokation im Namen der Wahrheit.
Die 10 Regeln von Dogma-95:
1. Als Drehorte kommen ausschließlich Originalschauplätze in Frage, Requisiten dürfen nicht herbeigeschafft werden.
2. Musik kann im Film vorkommen (zum Beispiel als Spiel einer Band), darf aber nicht nachträglich eingespielt werden.
3. Zur Aufnahme dürfen ausschließlich Handkameras verwendet werden.
4. Die Aufnahme erfolgt in Farbe, künstliche Beleuchtung ist nicht akzeptabel.
5. Spezialeffekte und Filter sind verboten
6. Der Film darf keine Waffengewalt oder Morde zeigen.
7. Zeitliche oder lokale Verfremdung ist verboten – d. h. der Film spielt hier und jetzt (also nicht etwa im Mittelalter oder in einer entfernten Zukunft oder in einem anderen als dem Produktionsland, auf einem fremden Planeten, in einer fremden Dimension o. Ä.).
8. Es darf sich um keinen Genrefilm handeln.
9. Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.
10. Der Regisseur darf weder im Vor- noch im Abspann erwähnt werden.
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