Culture | Salto Afternoon

Aufschreibung aus Trento

Hannes Lang wurde in Trient und in Oberhausen für seinen Film RIAFN ausgezeichnet. Wie er seine "Preisereise" nach Trient erlebt hat, beschreibt er in seinem Minitagebuch
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Foto: Trento Filmfestival

Im Nachtzug vom Internationalen Kurzfilmfestival Oberhausen nach Trento:

Nachtzugfahren, ist das schön! 
Würden die Menschen mehr Nachtzugfahren,
sie würden sich wahrscheinlich besser verstehen, denn in einem extrem begrenzten Raum,
wo man mit anderen Menschen schläft, muss man sich zwangsläufig auf andere Menschen einlassen.
Tut man es nicht, schläft man die ganze Nacht nicht gut, weil man nicht weiß,
mit wem man es zu tun hat.

Trailer zu RIAFN von Hannes Lang. Der Film lief am Wochenende beim Kurzfilmfestival in Oberhausen und beim Bergfilmfestival in Trient.


Wahrscheinlich sind die Singles maßgeblich an der gegenwärtigen Situation
unserer Gesellschaft beteiligt, weil sie sich weniger mit der Umwelt beschäftigen müssen.
Kann das sein? Ich sollte es besser nicht schreiben.
Ankunft in Trento, ab ins Hotel und duschen.

Trento, eine Stadt wo ich fast nie bin:

Die beste Matratze meines Lebens, ich habe sie in Trento gefunden.
Wie kann das sein, dass ich in so vielen Hotels geschlafen habe und bis jetzt noch nie ansatzweise
auf einer so gute Matratze geschlafen habe.

Zu Beginn, wenn man sich hinlegt, wirkt sie hart, 
doch bevor sich die unangenehmen Gedanken
breit machen können, denn eine Nacht auf einem Brett wäre in der Tat recht unangenehm, beginnt die Matratze unmerkbar, den Leib in sich zu vereinnahmen.
So stell ich mir Treibsand vor.
Genießen! Noch mehr genießen, denn dieses Gefühl kommt überraschend.

Ein kurzer Powernap bevor es zur Preisverleihung geht.
Trento – jetzt habe ich nichts über die Stadt geschrieben.

Gala di premiazione

Durch Trient wandern bis ich beim MUSE ankomme.
Eine schnuckelige Stadt.

Durch den Friedhof, ich habe immer noch Schuldgefühle,
wenn ich daran denke, dass ich in St. Ulrich als kleiner Junge 
gelegentlich auf dem Rückweg vom Kindergarten, 
durch den Friedhof gegangen bin und dabei von den Gräbern 
eine Blume gepflückt, und diese meiner Mutter geschenkt habe.
Ich war 5 Jahre alt, schade dass die heutigen Kinder nicht mehr alleine zum Kindergarten gehen dürfen.

Angekommen im MUSE: Die obligatorischen Reden der verschiedenen Repräsentanten.
Italienisch, eine schöne Sprache, schade dass man in Kastelruth so wenig Italienisch spricht.
Der Effekt wäre wohl ähnlich wie im Schlafwagen im Zug. Man würde sich besser verstehen.

Während der Reden, schweifen die Gedanken über die Fassade des MUSE hinweg.
Alles in Glas, wer putzt das ganze Glas? Würde ich die Scheiben putzen, würde ich wahrscheinlich mehr verdienen.
Schöne Lampen… was sind das für Stühle? Ob die Leute die hier sind auch die Filme gesehen haben?


Uh, die Preise werden schon verteilt… diese Situation erinnert mich an die Hl. Messe,
wo man plötzlich die Hl. Kommunion empfangen kann und ganz 
überrascht feststellt, dass alle schon aufgestanden sind.

Preis entgegengenommen, eine kurze Rede gehalten.
Die Anspannung lässt nach.
Anschließend gibt es einen Umtrunk, mit Essen.
Schöne Gespräche mit verschieden Filmemachern geführt.
Wie tut das gut mit Leuten aus verschiedensten Teilen der Welt zu sprechen.
Müde, die 16 Stunden Zugfahrt nach Trento machen sich bemerkbar.


Nein! Es regnet in Strömen, im Regen nach Hause wandern.
Den Regen nicht wahrnehmen, so tun als ob es nicht regnet.

Daran denken was Martha Silbernagel gesagt hat:
„Was ich gerade tue, tu ich am liebsten!“.
Schnell ins Zimmer, ausziehen, Haare trocknen.
So kalt im Mai.

Mich auf die Matratze legen.
Denken, wie schön wäre es,
wenn alle Menschen auf der Welt auf so einer Matratze 
schlafen könnten, die Welt wäre wahrscheinlich eine bessere.
Daran denken wie schön es war den Film RIAFN zu drehen,
einschlafen, und sich dabei langsam von der Matratze umschlingen lassen.

Angekommen in Trento. Komisch, ich bin in Trento nur wenn ich zum Festival komme.

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Peter Gasser Tue, 05/07/2019 - 16:22

Beim Lesen von Titel und Text beschlich mich ein eigenartiges Gefühl, das ich irgendwoher kannte, das mich in die Zeit zurückwarf, das mich einmal berührt hatte, das ich, in Erinnerung kramend: alsbald zuordnen konnte.
Titel und Textstil kopieren „Aufschreibung aus Trient“ von Franz Tumler.
Absicht oder Zufall?

Tue, 05/07/2019 - 16:22 Permalink
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Hannes Lang Fri, 05/10/2019 - 11:21

In reply to by Peter Gasser

Guten Tag Herr Gasser,
es handelt sich in diesem Fall wohl um einen Zufall.
Der Titel „Aufschreibung aus Trient“ wurde von der Redaktion ausgewählt und meiner eins schreibt wenn er auf Reisen ist, schon seit Jahren nieder, was ihm wiederfährt, oder eben auch nicht wiederfährt.

Freundlichst aus Köln,
Hannes Lang

Fri, 05/10/2019 - 11:21 Permalink