Society | Interview

„Brixen ist aufgewacht“

Ein Gespräch mit den Brixner Gemeinderatsmitgliedern Dejaco und Gummerer über das Erwachen der alten Bischofsstadt aus ihrem Dornröschenschlaf.

Gestern, Donnerstag, am Abend eröffnete das alternative Lokal „Alter Schlachthof“ in Brixen. Vor zwei Wochen hat bereits die Brauerei „Köstlan“ neu eröffnet. Vor wenigen Wochen hat auch das Restaurant am Brixner Lido wieder aufgetan, unter dem Namen Brix.01. Und bereits seit rund einem Jahr bietet das alten Astra-Kino regelmäßig Veranstaltungen für Jugendliche und jung Gebliebene an.
Was ist der Grund für diese Aufbruchsstimmung in Brixen, will salto.bz von den Gemeinderatsmitgliedern Ingo Dejaco und Philipp Gummerer wissen?

 

salto.bz: Meine Herren, könnte man sagen, Brixen ist aus seinem Dornröschenschlaf aufgewacht?
Ingo Dejaco:
Jein. Es hat sich in letzter Zeit einiges getan, vieles steckte in der Pipeline. Nun wurden Rahmenbedingungen geschaffen, dass einige Projekte verwirklicht werden können. Dass all diese Lokale innerhalb eines kurzen Zeitraums eröffnet wurden, ist aber nur ein Zufall.

Philipp Gummerer: Mit der neuen Stadtregierung und Peter Brunner und Thomas Schraffl eröffneten sich eine neue Tür, man versucht mehr im Nachtleben zu investieren und die Altstadt wiederzubeleben. Heute fangen die Sommeremotionen an, im August findet das Altstadtfest statt. Brixen ist aufgewacht. Seit kurzem finden in der Altstadt auch Go-Kart-Rennen statt. Dies war vorher nicht denkbar.

Warum erst jetzt und nicht schon vor, sagen wir mal, fünf Jahren?
Gummerer: Durch die Vorarbeit der alten Regierung unter Herrn Pürgstaller und der Arbeit der jetzigen Regierung konnte man es jetzt umsetzen. Sehr viel hängt aber mit dem neuen Bürgermeister zusammen. Vorher konzentrierte man sich eher auf Kirche und Kultur. Jetzt wird die Stadt etwas wiederbelebt.

Dejaco: Es hing auch mit den Rahmenbedingen zusammen. Man musste schauen, was man damit macht. Für den „alten Schlachthof“ zum Beispiel, gab es viele Ausschreibungen. Erst vor kurzem hat sich jemand gemeldet.

Wie sieht es mit der Sperrstunden-Regelung aus? Seit vorgestern wurde, laut Landeshauptmann Kompatscher, die gesetzliche Sperrstunde von Lokalen von 3:00 Uhr auf 3:30 Uhr verlegt? Gab es Bedenken oder Beschwerden diesbezüglich?
Dejaco: Brixen hat immer wieder Schwierigkeiten im Altstadtbereich zwischen Nachtschwärmer und dort Wohnenden. In den letzten Jahren gab es aber so gut wie keine mehr, da in der Brixner Altstadt nichts mehr los war.

Gummerer: Bis jetzt habe ich noch nichts gehört, aber es ist normal, dass es immer wieder ein paar Auseinandersetzungen und kleine Reibereien gibt. Dieses Problem gibt es das ganze Jahr über. Auch bei der derzeitigen Fußball-EM hatten ein paar Anrainer Probleme. Wichtig ist es einen Kompromiss zwischen allen Parteien zu finden.

Denken Sie, dies könnte sich, durch die Errichtung neuer Lokale ändern?
Gummerer: Der alte Schlachthof liegt genau neben dem Hotel „goldener Adler“, jetzt baut man daneben eine „food factory“ hin. Mal schauen wie es sich entwickelt, wir kommen aber gut voran. Wichtig ist es auch die Anrainer miteinzubeziehen.

Dejaco: Theoretisch könnte sich mit mehr Leben in der Altstadt diesbezüglich auch etwas mehr regen. Man muss wie in allen Städten einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Lokalen schaffen.

Verraten Sie uns, wie die Idee für die eher alternativ konzipierte Bar/das Restaurant „alter Schlachthof“ entstanden ist?
Dejaco: Man hat vieles ausprobiert und über vieles nachgedacht. Aber es fanden sich erst vor Kurzem zwei junge Investoren.

Gummerer: Der Standort war immer Eigentum der Gemeinde. Es wurden viele Ausschreibungen getätigt, viele Möglichkeiten standen an. Dies ist die beste Alternative.

Auch die Brauerei „Köstlan“ gibt es nun seit ca. zwei Wochen. Was wissen Sie darüber?
Gummerer: Das Lokal gehört einem ehemaligen Gemeinderatskollegen von mir. In der Brauerei werden, wie ich gehört habe, auch dunkle Biere gebraut. Früher gab es auch schon mehrere Brauereien. Ich finde es gut, dass Südtirol neben einer Weinkultur nun auch eine Bierkultur vorzuweisen hat.

Dejaco: Die Brauerei ist eine wunderbare Privatinitiative und absolut zu begrüßen. Sie wird Brixens Gastronomie sehr bereichern.

Wie sieht es beim neuen Restaurant „Brix 1.0.“ im Lido aus? Lange gab es ja weder eine Bar noch ein Restaurant im Lido.
Gummerer: Die Gemeinde hat sich auf eine Pachtvertrag geeinigt. Zwei junge hervorragende Männer haben sich der Überzeugung gestellt, etwas neues in Brixen zu eröffnen. Ich finde die Idee super, sie hat bis jetzt alle Erwartungen erfüllt. Mein Wunsch wäre es den See im Lido auch zu nutzen. Leider gibt es da aber Probleme mit dem Naturschutz.

Seit einem Jahr hat sich im alten Astra-Kino einiges getan. Aus einem alten Kino wurde ein neuer Treffpunkt für Jugendliche geschaffen. Wie kam es dazu?

Dejaco: Das Astra-Kino ist ein längerfristiges Projekt. Man hatte nie die Ressourcen was zu machen. Im Herbst nun fangen wir mit den Sanierungsarbeiten an. Im ehemaligen Astra-Kino soll ein Zentrum für junge Kultur entstehen. Es soll junge Kultur aus Brixen und Umgebung sichtbar und vor allem möglich machen. Gleichzeitig will es junge Kultur potenzieren und mit anderen Städten und sprachgruppenübergreifend vernetzen. Da gibt es ein unglaubliches Potenzial, das wir nutzen wollen.

Wie sehen Sie Brixen im Jahre 2020? Was wird sich noch tun oder könnte sich ändern?
Dejaco: Die aktuelle positive Entwicklung wird sich in Brixen fortsetzen. Brixen wird mehr belebt sein, auch dynamischer. Ich bin mir sicher, dass am aktuellen Trend festgehalten wird.

Gummerer: Es gibt bereits eine Gruppe namens Brixen 2020, die sich verschiedene Ziele in Bezug auf das Brixner Nachtleben und der Altstadt gesetzt hat. Brixen wird immer mehr gefördert, die Entwicklung ist großartig. Auch kommen immer mehr Leute nach Brixen. Nicht zuletzt, da sich Brixen mittlerweile auch zu einer Sportstadt entwickelt hat. Der Giro d'Italia, die Tanzweltmeisterschaft, die Fußball U10 Meisterschaft, Hockey – das alles fand im letzten Jahren in Brixen statt.

Ingo Dejaco, SVP, Mitglied des Gemeinderat Brixens

 

Philipp Gummerer, SVP, Mitglied des Gemeinderat Brixens, Aufgabenbereich Jugend und Jugendrat

 

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Hartmuth Staffler Fri, 07/08/2016 - 14:18

Es ist also laut diesen beide Herren schön, dass die Brixner Gemeindeverwaltung sich endlich nicht mehr für Kultur interessiert und dafür Go-Kart-Rennen am Domplatz erlaubt. Den leidigen Naturschutz und wohl auch den Denkmalschutz wird man mit vereinten SVP-PD-Kräften sicher auch noch zum Müll werfen können, damit es in Brixen so richtig abgeht.

Fri, 07/08/2016 - 14:18 Permalink
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gorgias Sat, 07/09/2016 - 00:29

In reply to by Ingo Dejaco

. . . das sagt jemand der sich für einen Mais-Irrgarten im Hofburggarten ausgesprochen hat. Warum nicht gleich den Garten asphaltieren und eine schöne große Go-Kart-Bahn machen. Da ist sicher mehr Platz als auf dem Domplatz. Und im Frühjahr kann der Luna Park seine Attraktionen dort aufstellen. Einen Schöngeist so wie Sie muss das wohl ansprechen.

Sat, 07/09/2016 - 00:29 Permalink
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Franz Linter Sat, 07/09/2016 - 09:23

"Sehr viel hängt aber mit dem neuen Bürgermeister zusammen. Vorher konzentrierte man sich eher auf Kirche und Kultur. Jetzt wird die Stadt etwas wiederbelebt."
So beschreibt man einen Richtungswechsel der Politik in der Gemeindeverwaltung.
Mais-Irrtum im Hofburggarten, Go-Kart-Rennen am Domplatz, See nützen statt Eisvogel am Lido - wir Brixner haben 2015 diese Vertreter gewählt, wollten wir auch diesen Richtungswechsel?

Sat, 07/09/2016 - 09:23 Permalink