In der Schlucht des Noana-Baches
Foto: Oswald Stimpfl
Hiking | Ausflug der Woche

Auf dem “Sentiero degli abeti giganti”

Unterwegs in der Val Noana im östlichen Trentino. Inmitten ungewöhnlich vieler sehr alter, stattlicher und hoher Baumriesen.

Heute machen wir einen Abstecher in die Berge um Fiera di Primiero am Fuße der Pala Gruppe. Das Tal des Cismon und seine Seitentäler wird wegen des dichten, grünen Waldes „das grüne Herz des Trentino“ (il cuore verde del Trentino) genannt. Beim Dorf Imer, wenige km südlich von Fiera di Primiero, dem Hauptort des Tales, mündet von Osten das Tal Val Noana ein. Der Bach hat sich eine enge, tiefe Schlucht in den weichen Kalkfels gegraben, die Zufahrtsstraße windet sich abenteuerlich mit Kehren, Tunnels und Brücken bergauf, im Mittellauf staut ein Damm das Bachwasser zum smaragdgrünen See Lago di Noana, an dessen Ende auf einer etwas ebenen Talweitung das Berggasthaus Rifugio Fonteghi steht. Die Bezeichnung „Rifugio“ also Schutzhütte, ist etwas irreführend, nachdem das Haus ja bequem mit dem Auto erreichbar ist, das mag in den Anfangszeiten, in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, berechtigt gewesen sein, als im Zuge des Staudammbaues das Haus zur Versorgung der Bauarbeiter gebaut wurde. Jetzt ist das Rifugio Fonteghi Ausgangspunkt für leichte Wanderungen in der Umgebung, Stützpunkt von Canyoning  Begeisterten und Ziel von Tagesgästen, welche wegen der guten Trentiner Küche von weit her kommen. Für uns ist es heute Ausgangspunkt zur Rundwanderung „Sentiero degli alberi giganti“, dem Weg der Riesenbäume. Wegen den besonderen Boden-, Klima- und Grundbesitzverhältnissen finden sich in den Wäldern ungewöhnlich viel sehr alte, stattliche und hohe Baumriesen, besonders die Tanne fühlt sich hier wohl, manche Exemplare erreichen eine Höhe von fast 50 Metern, das entspricht einem 15-stöckigen Haus! Das Alter einer riesigen  Eibe wird auf 800 Jahre geschätzt, auch Fichten von ungewöhnlicher Größe finden sich hier.

 

Zum Wegverlauf

Vom Parkplatz beim Berggasthaus Rifugio Fonteghi (1110 m) nehmen wir den Weg 733 in südlicher Richtung kurz bergauf, gehen an den Ferienhäuschen und Sommerhütten der Bauern von Valpiana vorbei und nun eben bis zum Forsthaus „Casina Valpiana“ mit Brunnen, Tischen und Bänken, wo der eigentliche Rundweg beginnt. Bei einer Schautafel informieren wir uns über den Wegverlauf. Zwei Routen stehe zur Wahl: ein kurzer von etwa 2,5 km und eineinhalb Stunden Gehzeit oder ein längerer von etwas über 7 km und 4 Stunden Gehzeit. Wir entscheiden uns für erstere, der gut markierte Steig geht in den Wald, schon sind wir mitten in den Baumriesen. Nach etwas über einer Stunde machen wir bei einer Hütte, vor der ein munterer Brunnen plätschert, eine kurze Rast, die Route folgt nun einer breiten, eben Forststraße, nach einem kurzen Schlussstück sind wir wieder bei der Casina Valpiana angelangt und kehren zum Rifugio zurück.

 

Die Einkehr

Das Rifugio Fonteghi wird von den Einheimischen gern wegen seiner typischen, guten und vielfältigen Küche besucht. Seit fast 20 Jahren wird es von Franca Gobber und ihrem Mann Mariano Bettega bewirtschaftet. In der Küche steht ihr Adoptivsohn Julio mit brasilianischen Wurzeln, er zaubert so Bodenständiges wie Tortellini alla Tosela (typischer lokaler Frischkäse), hausgemachte Bandnudeln mit Hirschragout oder Pilzen, Polentanocken (gnocchi) mit Ragout

 

Gehzeit 2 h 20’
Länge 5,3 km
190 Höhenmeter

Anfahrt: Von Imer auf der Strada Provinciale 221 della Val Noana 9 km bis zum Rifugio Fonteghi