Politics | Wahlen 18

Mussolinis Meinungsfreiheit

Die Bozner Lega-Kandidatin Paola Immacolata Palladino glorifiziert auf Facebook Benito Mussolini. Das zeigt welche Gedankenwelt in Salvinis Lega herrscht.
Mussolini, Benito
Foto: upi
„Sono una Donna cm tante credo nell amicizia ma non sopporto le doppie facce la falsità la presunzione“, so beschreibt sich Paola Immacolata Palladino im Steckbrief auf ihrer Facebook-Seite selbst. Dazu noch die Angabe: „Collaboratrice LEGA NORD bei GPF (gruppo politico femminile)."
Paola Immacolata Palladino tritt bei den anstehenden Landtagswahlen für die Lega Nord an. Sie steht als Nummer 24 auf der 35köpfigen Lega-Liste. Palladino war bereits 2016 für die Lega bei den Gemeinderatswahlen in Bozen angetreten. Die magere Ausbeute dabei: 14 Vorzugsstimmen.
Für wen das (politische) Herz der 46jährigen Boznerin schlägt, wir beim ersten Blick auf ihrer Facebook-Seite deutlich. Bereits im Titelbild ist ausschließlich ein Mann zu sehen: Matteo Salvini.
 
Es folgen Hunderte von Posts von, zu und über den Lega-Chef und amtierenden Innenminister. Darunter Sprüche wie „Vai Capitano, il viaggio e’ appena iniziato e il popolo e’ al tuo fianco!“. Der Höhepunkt ein gemeinsames Foto von Salvini und Palladino.
Viele der geposteten Nachrichten sind dabei - gelinde gesagt - grenzwertig.
 
 

Das Mussolini Bild

 
An diesem Sonntag aber hat Paola Immacolata Palladino auf ihrer Facebook-Seite einen Satz geschrieben, der einen Einblick in die bedenkliche Gedankenwelt der Lega zulässt.
Die Bozner Lega-Frau hat einen Artikel des „Messagero“ gepostet. Der Titel: „Modica, la foto di Mussolini torna sulla parete del bar. I giudici: «Manifestazione di libero pensiero».
Die römische Tageszeitung erzählt eine absurde Geschichte, die in jeder westlichen Demokratie eigentlich unmöglich wäre. Außer in Italien.
Sie spielt in der spätbarocken Stadt Modica bei Ragusa auf Sizilien. Der Besitzer der Bar „Fucsia“ Giuseppe Spadaro hatte im Gastlokal ein Bild von Benito Mussolini aufgehängt. Darunter den Spruch: „Non ho paura del nemico che mi attacca ma del falso amico che mi abbraccia“.
Ein junger Barbesucher zeigte den Barbesitzer an. Die Carabinieri holten vor zwei Monaten das Mussolini-Bild von der Wand und beschlagnahmten es. Vergangene Woche hat das Überwachungsgericht von Ragusa die Beschlagnahme aber aufgehoben und das Bild seinem Besitzer zurückgegeben. Spadaro kann das Mussolini-Bild in seiner Bar wieder anbringen.
Nach Ansicht der sizilianischen Richter habe der Barbesitzer gegen kein geltendes Gesetz verstoßen. „Da un lato l'esposizione della foto è una forma, sia pure discutibile, di manifestazione del pensiero, secondo un principio costituzionale, e dall'altro non è un atto assimilabile alla ricostituzione del partito fascista. E non si può ravvisare nemmeno l'astratta considerabilità del reato di apologia del fascismo“, heißt es im Urteil.
 
Genauso scheint es auch Paola Immacolata Palladino zu sehen. „Sono contenta che abbia vinto il barista....libertà di pensiero...“, kommentiert die Bozner Lega-Kandidatin den Artikel auf ihrer Facebook-Seite.
Mussolinis Konterfei und seine Sprüche als Gradmesser für die Meinungsfreiheit in Italien. Verrückter geht es kaum.
Oder vielleicht doch?
Paola Immacolata Palladino tritt bei den Landtagswahlen für eine Partei an, die nach den Landtagswahlen der neue Koalitionspartner der SVP werden soll.