Politics | Wahlen/Elezioni 23

Widmanns Verwirrungsmethode

Thomas Widmann hat den Südtiroler Landwirt und die HGV-Zeitung für seine Wahlwerbung abgekupfert. Die HGV-Führung und der Bauernbund sind not amused.
wahlwerbung
Foto: privat
  • Im HGV-Vorstand ist man entsetzt. Manfred Pinzger hat nicht lange gezögert. Der HGV-Präsident hat am Montag umgehend allen 4.600 Mitgliedern des Verbandes eine Nachricht zukommen lassen. In dem Schreiben mit dem Titel „Verwirrende Wahlwerbung“, das man auch auf der HGV-Homepage veröffentlicht hat, heißt es: 

    „Geschätzte Mitglieder des HGV,

    heute haben wir erfahren, dass viele unserer Mitglieder in Bezug auf die anstehenden Landtagswahlen per Post eine Wahlwerbung der Liste „Für Südtirol mit Widmann“ erhalten haben. Die Aufmachung und das Layout dieser Wahlwerbung sind dabei hochgradig jener unserer HGV-Zeitung nachempfunden. Ich stelle hiermit klar, dass es hierfür keine wie auch immer geartete Abstimmung bzw. Genehmigung seitens des HGV gegeben hat.
    Ich finde diese Vorgehensweise daher unkorrekt, unfair und potenziell irreführend.

  • HGV Präsident Manfred Pinzger: Gegebenenfalls behält sich der HGV rechtliche Schritte vor. Foto: HGV

    Derzeit wird geprüft, ob es sich bei dieser Wahlwerbung seitens der Liste „Für Südtirol mit Widmann“ um einen evtuell auch rechtlich relevanten Versuch der Irreführung der HGV-Mitglieder handeln könnte. Gegebenenfalls behält sich der HGV rechtliche Schritte vor.
    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Pinzger
    Präsident“

  • Tommys Kopie

    Der Anlass für die Depesche des HGV-Präsidenten ist eine Wahlkampf-Idee von Thomas Widmann. Der ehemalige Tourismuslandesrat hat aus der Not einen Tugend gemacht. Nachdem sich vor allem seine beiden Tourismus-Kandidaten Marina Rubatscher und Peter Karadar - beiden gehörten oder gehören dem HGV-Landesvorstand an - über die mangelnde Unterstützung durch den Verband aufgeregt haben und gleichzeitig die einseitige Wahlwerbung für den SVP-Kandidaten Helmut Tauber anprangern, hat man zu einem Taschenspielertrick gegriffen. 
    Die Liste „Für Südtirol mit Widmann“ hat als Wahlwerbung die HGV-Zeitung abgekupfert. In den vergangenen Tagen erhielten Südtiroler Touristiker die „H&G Zeitung“. Das 8-Seiten-Blatt ist in Schrift, Farbe, Aufmachung und Layout fast perfekt der Verbandszeitung  nachempfunden.

  • Landwirt des Bauerbundes und Widmann-Wahlwerbung:: Bewusste Verwirrungsstrategie Foto: privat
  • Dass diese Wahlwerbung keineswegs einem launigen Geistesblitz entspringt, sondern die Widmann-Liste diese Strategie bewusst anwendet, zeigt eine andere deckungsgleiche Aktion. 
    Denn auch Südtirols Landwirte bekommen derzeit Post von der Widmann-Liste. Auch dort ist die Wahlwerbung in einer Zeitung mit dem Titel „Für die Südtiroler Landwirtschaft“ eingepackt. Dieses Werbeblatt ist bewusst dem „Südtiroler Landwirt“, der Verbandzeitung des Südtiroler Bauernbundes nachempfunden. In diesem Fall ist die Ähnlichkeit zwar nicht so groß, wie beim HGV-Blatt, doch von einem Zufall kann man wohl kaum sprechen.

  • Erzürnter Bauernbund

    Einen Tag nach dem HGV hat am Dienstag auch der Südtiroler Bauernbund reagiert.
    In einem Post mit dem Titel „In eigener Sache: Verwirrende Wahlwerbung“ schreibt Landwirt-Chefredakteur Bernhard Christanell:

  • Landwirt-Chefredakteur Bernhard Christanell: Bauernbund distanziert sich Foto: SBB

    Mehrere erzürnte Rückmeldungen haben am Montagnachmittag die Redaktion des „Südtiroler Landwirt“ und den Südtiroler Bauernbund erreicht. Zahlreiche Mitglieder haben ein mehrseitiges Exemplar einer Wahlwerbung für die bevorstehenden Landtagswahlen erhalten, die auf den ersten Blick starke Ähnlichkeit mit der Zeitschrift „Südtiroler Landwirt“ aufweist. Diese wird zweiwöchentlich von der Südtiroler Bauernbundgenossenschaft herausgegeben und an über 18.000 Mitglieder und Abonnenten versandt.
    Der Südtiroler Bauernbund und die Redaktion des „Südtiroler Landwirt“ distanzieren sich von dieser Form der Wahlwerbung und weisen darauf hin, dass diese in keiner Weise vorab abgesprochen bzw. genehmigt wurde. Offenbar versucht hier eine wahlwerbende Partei, mit der hohen Glaubwürdigkeit des „Südtiroler Landwirt“ zu punkten und die Wählerinnen und Wähler bewusst zu verwirren.“

    Jetzt wird klar, dass in Südtirol nicht nur in der Landwirtschaft die Verwirrungsmethode zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird.

  • Für Thomas Widmann und seine Liste dürfte damit der Werbegag aufgegangen sein.
    Spätestens jetzt wird klar, dass in Südtirol nicht nur in der Landwirtschaft die Verwirrungsmethode zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird.