Politics | Kindergarten

Wieviel Deutsch muss sein?

Die Freiheitlichen fordern "Schutzmaßnahmen" für die deutschsprachigen Kindergärten in Bozen. LR Achammer sichert mehr Personal zu. Von Sprachtests will er nichts wissen.

Die Frage, welche Kinder für die deutschsprachigen Kindergärten der Landeshauptstadt “geeignet” sind, sorgte Ende Februar für eine hitzige Diskussion auf salto.bz. Stein des Anstoßes war ein Treffen des Bozner SVP-Koordinierungsausschusses mit Bildungslandesrat Philipp Achammer und der Kindergarteninspektorin Christa Messner gewesen. Angeregt durch den Sozialausschuss der Bozner Volkspartei und die ehemalige Stadträtin für Schule Judith Kofler Peintner. Viele der 24 deutschsprachigen Kindergärten in Bozen werden mittlerweile von vielen italienisch- oder anderssprachigen Kindern besucht, was nicht nur den Eltern Anlass zur Sorge gibt.


Was drauf steht soll auch drin sein

“Es geht darum, zu garantieren, dass für die deutschen Kinder die Qualität des Unterrichts erhalten bleibt”, zeigt sich Kofler Peintner überzeugt. Bedenken melden nun auch die Freiheitlichen an: “Immer mehr Eltern schreiben in Bozen ihre Kinder in einen deutschsprachigen Kindergarten ein. Hinzu kommt ein wachsender Anteil an ausländischen Kindern.” Pius Leitner sieht dadurch die Qualität bei der Vermittlung der Muttersprache gefährdet und hat die Landesregierung in einer Landtagsanfrage zu einer Stellungnahme und “Schutzmaßnahmen” aufgefordert, “damit die deutschsprachigen Kindergärten in Bozen vornehmlich wieder den Kindern von deutschsprachigen Südtirolern vorbehalten werden”. “Andernfalls wird diese Struktur zweckentfremdet und deutschsprachige Kindergärten in Bozen wären Geschichte”, steht in der Anfrage zu lesen.

In seiner Antwort stellt Landesrat Philipp Achammer eingangs klar, dass es keine Daten gibt, die Auskunft darüber geben, welcher Sprachgruppe die Kinder, die die deutschsprachigen Kindergärten besuchen, haben: Aus dem einfachen Grund, dass die Kinder in diesem frühen Alter weder einer Sprachgruppe zugeordnet noch zuordenbar sind. Gleichzeitig teilt er mit, dass im Schuljahr 2015/16 190 Kinder mit nicht italienischer Staatsbürgerschaft einen der 24 betroffenen Kindergärten besuchen.


Freiheit garantieren

Einem Sprachtest für die Kinder, um die Grundkenntnisse der deutschen Sprache abzufragen, erteilt der Landesrat eine klare Abfuhr: “Die Überprüfung der sprachlichen Kompetenzen ist bei zweieinhalbjährigen Mädchen und Jungen über Sprachtests nicht möglich und aus pädagogischer Sicht auch nicht sinnvoll.” Ebensowenig seien “Ausschlusskriterien” für gewisse Kinder “weder sinnvoll noch juridisch haltbar”. Denn bekanntlich besteht Wahlfreiheit bei der Einschreibung in Kindergärten und Schulen. Pius Leinter sieht dies anders: “Es scheint unbedingt notwendig, mit entsprechenden Sprachtests zu garantieren, dass auch wirklich alle Kinder an einem deutschsprachigen Kindergarten diese Sprache ausreichend verstehen”, beharrt er.

Doch Achammer will woanders ansetzen: Um allen Kindern eine bestmögliche Begleitung zu garantieren, habe die Landesregierung bereits Unterstützungsmaßnahmen getroffen, so der Landesrat. Etwa für den Einsatz von Sprachkindergärtnerinnen, die Kinder individuell fördern. “Die deutschsprachigen Kindergärten legen hohe Aufmerksamkeit auf die sprachliche Bildung”, betont Achammer. Aus diesem Grund und auch angesichts der wachsenden Heterogenität sei die Bereitstellung zusätzlicher personeller Ressourcen “wesentlich”. Mehr Personal hatte auch Judith Kofler Peintner gefordert. “Die Landesregierung bemüht sich, die personellen und räumlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und wird sämtliche Maßnahmen ergreifen – und wo nötig verstärken –, um eine individuelle und qualitativ hochstehende Förderung von Kindergartenkindern weiter zu ermöglichen, mit besonderem Bezug auf die jeweilige Situation”, verspricht der Bildungslandesrat.