Society | Aktion als Reaktion

Eppan erhebt die Stimme

Die Täter des Anschlags von Eppan sind noch nicht ausgeforscht. Indes will man am Sonntag (27. Mai) ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für Solidarität setzen.
Mercanti-Kaserne, Eppan
Foto: Volontarius

Den Vorfall einfach vergessen, das wollen sie nicht. Auch wenn der Anschlag auf das Flüchtlingsheim in Eppan am vergangenen Wochenende laut Gemeindereferentin Monika Larcher im Dorf inzwischen “kaum mehr Thema” sei, wird am kommenden Sonntag ein klares Zeichen gesetzt: “Gegen Rassisten und Faschisten”, so der Titel der Veranstaltung, die am 27. Mai vor der Mercanti-Kaserne stattfindet. Dort sind 39 Asylwerber untergebracht, die allermeisten von ihnen gehen mittlerweile einer Arbeit nach.

Unbekannte haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Knallkörper vor der Unterkunft gezündet. Rassistische und fremdenfeindliche Aufschriften, samt Hakenkreuz-Krakelei, wurden gefunden. Wer hinter dem Anschlag steckt, steht bislang nicht fest. Das ließen die Ermittlungsbehörden nach einem von Regierungskommissär Vito Cusumano einberufenen Sicherheitsgipfel am Donnerstag Vormittag wissen. Es werde “weiterhin in alle Richtungen ermittelt”, bekräftigte Soziallandesrätin Martha Stocker, die gleichzeitig auch anklingen ließ, dass die Täter vielleicht nie ausgeforscht werden könnten – wie 2012 als in Vintl ein Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft “Fischerheim” verübt wurde.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen werden nach dem Anschlag in Eppan nicht ins Auge gefasst.

 

Worte und Taten

Aufs Schärfste verurteilt wird der Vorfall von vielerlei Seiten – etwa als “schwerwiegender Akt der Einschüchterung und Intoleranz gegenüber den Bewohnern und den Mitarbeitern” vom Verein Volontarius, der die Flüchtlingsunterkunft leitet. Doch vielerorts spürt man, dass der Anschlag nicht von ungefähr kommt. “Nichts als der Gipfel eines Klimas von Hass und Intoleranz, das vor allem von der Südtiroler Rechten geschürt wird” sei die Attacke auf das Flüchtlingsheim, schreibt unter anderem der Freiwilligenverein SOS Bozen. Ähnliche Worte findet die Bürgerliste Pro Eppan. Auf Facebook schreibt der Gemeinderat Felix von Wohlgemuth: “Dieser ‘Knallfrosch’ von Eppan kommt nicht aus dem Nichts. Er ist das Ergebnis der jahrelangen Aufstachelung der allseits bekannten Brandstifter in unserer Mitte. Jene, welche aus reinem politischen Kalkül oder Fremdenhass (manchmal wohl auch beidem) jederzeit bereit sind, mehr Öl ins Feuer zu gießen, um grundlose Ängste und Hass in unserer Bevölkerung zu schüren. Diesen Brandstiftern und ihren Jüngern dürfen und werden wir unser demokratisches, weltoffenes, tolerantes Südtirol nicht überlassen.”

“Auf allen Ebenen” müssten Politik und Gesellschaft reagieren, fordert der lokale Ableger des Partisanenverbandes ANPI. Den Unwahrheiten, die über Flüchtlinge, Migranten und die Frage der Sicherheit verbreitet werden, gelte es entschieden entgegenzutreten, so ANPI-Präsident Guido Margheri.

Und die Zivilgesellschaft will reagieren. Umgehend nach den Berichten über den Vorfall haben sich im Netz engagierte Bürger aus allen Landesteilen, antifaschistische Organisationen und Vertreter aus Politik, Kultur und Sozialem kurzgeschlossen. “Wir sagen: ES IST GENUG. Schluss mit der Gleichgültigkeit. In Solidarität mit den Opfern rassistischer Gewalt.” Mit diesem Aufruf wird für kommenden Sonntag, 27. Mai, nach Eppan geladen, wo um 15 Uhr eine Kundgebung stattfinden soll. Ob auch Vertreter der Gemeinde und von Volontarius daran teilnehmen werden, ist noch offen.