Economy | Stellungnahme

Wer veharrt hier auf seiner Position?"

Schlagabtausch im Güllestreit: Der Südtiroler Bauernbund reagiert auf den salto-Artikel "Stinkende Tatsachen".

Stinkende Tatsachen – unter diesem Titel berichtete salto.bz vergangene Woche über das Kräfteringen zwischen Bauerbund und Landesverwaltung um die Gülleausbringung in Natura-2000-Gebieten. Innerhalb November sollten laut einem Beschluss der Landesregierung für all jene Betriebe, die Futterflächen innerhalb dieser Gebiete haben, Düngungspläne ausgearbeitet werden. Doch die Maßnahmen, die dem Erhalt der Artenvielfalt in den geschützten Gebieten dienen sollen, scheiterten bislang am Widerstand des Bauernbunds, dem aus Kreisen der Landesverwaltung eine Verhinderungstaktik vorgeworfen wird.

Wie bereits in einem kritischen Artikel im Südtiroler Landwirt stellt der mächtige Interessensverband auch in einer Reaktion auf den salto-Artikel klar, dass er in der Thematik eine gänzlich andere Sichtweise hat. „Artenvielfalt und Gülleausbringung schließen einander nicht aus. „Es gibt genügend Beispiele für wirtschaftlich genutzte Wiesen, die eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen“, widersprechen die Bauernvertreter Aussagen des ehemaligen Landesrates Elmar Pichler Rolle. Zudem gäbe es Studien, die belegen würden, dass zwischen Gülledüngung und Düngung mit Festmist und Jauche keinerlei Unterschiede in bodenkundlicher und pflanzenbaulicher Hinsicht gefunden wurden. „Um die Artenvielfalt zu sichern, ist klar festgelegt, wie viele Tiere am Hof gehalten werden dürfen und wie viel Gülle auf den Wiesen ausgebracht werden darf. Zudem gibt es noch die Bestimmungen zum Gewässerschutz“, so der Bauernbund.

Den Vorwurf auf seiner Position zu verharren, spielt die Interessensvertretung dagegen an das Land zurück.  

„Der Bauernbund und der BRING haben in einer Arbeitsgruppe der zuständigen Landesabteilung sehr intensiv mitgearbeitet. Am Ende lagen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, unter anderem auch von SBB und BRING, die aus unserer Sicht einen sehr guten Kompromiss darstellen. Leider wurde jener Vorschlag, der nicht vom Land kam, nicht wirklich diskutiert. Wer verharrt hier also auf seiner Position?“

Ebenfalls beim Land belassen wird die Verantwortung für die Tatsache, dass zwei Monate vor Ablauf der Frist weder von Düngungsplänen noch von Felderhebungen eine Spur ist. Der Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING), für den wie berichtet für diesen Zweck 80.000 Euro reserviert wurden, habe bis heute keinen schriftlichen Auftrag vom Land erhalten, erklärt der Bauernbund in seiner Stellungnahme. Trotzdem arbeitee der BRING aktiv mit und gäbe seinen Input in der Arbeitsgruppe. 
Dass man sich in den vergangenen Jahren quergestellt hat, habe vor allem mit der Tatsache zu tun, dass der Kompromiss des Landes zu bürokratisch und aufwändig sei. „Der Vorschlag des SBB ist einfach, klar nachvollziehbar und klar kontrollierbar. Wieso gehen die Landesbeamten nicht auf diesen Vorschlag ein?“, fragen die Bauernvertreter.

„Der SBB sagt ganz klar und ohne Umschweife „Ja“ zum Umwelt- und Gewässerschutz. Es ist ihm aber genauso wichtig, dass es nicht unnötige Auflagen gibt, die den Bauern ihr Wirtschaften erschweren oder sogar unmöglich macht. Daher stellt der SBB klar, dass der allergrößte Teil der betroffenen Bergbauern gut gepflegte Futterwiesen hat und die Gewässer nicht belastet.“

Von einer Kopfwäsche durch Landesrat Theiner, von der Teilnehmer eines Treffens Ende August berichteten, will der Bauernbund nichts wissen. „Bei der angesprochenen Sitzung wurde keinem der Kopf gewaschen. Es gab eine sehr interessante Aussprache auf Augenhöhe mit Teilnehmern, die nicht gleicher Meinungen waren. Einig war man sich aber, dass es einen Kompromiss braucht. Eine Arbeitsgruppe soll nun weiter nach einer Lösung suchen.“

Sicher ist: Es gibt verschiedene Sichtweisen zwischen der Kanonikus-Michael-Gamper-Straße und der Landesverwaltung. Das zeigt auch die Reaktion der Bauernbund-Zentrale auf die Aussage von Abteilungsdirektor Anton Aschbacher. Die Bauern wollen einen hohen Viehbestand halten und die Gülle ausbringen, sehen aber nicht ein, dass das zu viel ist, um die ökologische Vielfalt zu erhalten“, hatte der gegenüber salto.bz erklärt.  „Der durchschnittliche Viehbestand pro Betrieb liegt bei etwa 12 Kühen und damit unter dem gesetzlich Möglichen", kontert der Bauernbund. "Bei 12 Kühen von einem hohen Viehbestand zu sprechen, klingt etwas eigenartig. Zudem geht die Zahl der Tiere seit Jahren zurück." 


Am Vertrauen durch seine Mitglieder lässt der Bauernbund in jedem Fall nicht rütteln. „Würde der SBB bei jedem noch so fragwürdigen Vorschlag des Landes klein beigeben und allem zustimmen, wäre in der Tat die Frage nach dem Vertrauen in den SBB zu stellen. 
Der SBB gibt aber nicht klein bei, sondern setzt sich für einen Kompromiss ein, mit dem sowohl Bauern als auch Naturschutz leben können.“