Natale annullato, Gaza
Foto: TgR Bolzano
Society | Kommentar

Unglaubwürdige Betbrüder

Die Reaktionen auf den Pro-Palästina-Protest im Bozner Dom sind ein Armutszeugnis für Südtirols Kirche. Man predigt Frieden und winkt mit den Handschellen.
  • Es ist nicht verwunderlich, dass Südtirols rechte Regierungsparteien strammstehen. Der neue Vizelandeshauptmann in spe Marco Galateo fantasiert von „Hamas“ und der „Unterstützung der Terroristen“, der Südtiroler Forza-Italia-Chef Matteo Gazzini von einem „schwerwiegenden Vorfall“ und der Putinverehrer Alessandro Bertoldi von einer „gewalttätigen Unterbrechung“ und „Antisemitismus“.
    Die Sponti-Aktion am Weihnachtstag im Bozner Dom ist der willkommene Anlass für die Brüder Italiens, einen „terroristischen Angriff" auf das "christliche Abendland" zu konstruieren.
    Dabei ist im Bozner Dom in Wirklichkeit weit weniger passiert, als man seit 40 Jahren bei den sogenannten „Jugendmessen“ sehen und hören kann. 
    Als Bischof Ivo Muser mit seiner Weihnachtspredigt beginnen will, gehen zwei Männer und zwei Frauen nach vorne und enthüllen ein Transparent, auf dem  “A Gaza c’è un genocidio. Il Natale è annullato. Für ein freies Palästina” steht. Sie verteilen noch ein paar Flugblätter und dann verschwindet das Quartett wieder. Die gesamte Aktion dauert keine drei Minuten.
    Doch jetzt scheint das Abendland in Gefahr. Die neue Südtiroler Rechtskoalition fordert ernsthaft einen besseren Polizeischutz für Südtirols Gotteshäuser. Man fordert den Eingriff der Staatsanwaltschaft und bemüht das Strafgesetzbuch. 
    Doch das Beunruhigende ist die Tatsache, dass auch die Südtiroler Amtskirche in diesen Chor miteinstimmt. Während Bischof Ivo Muser relativ gelassen bliebt, spricht Domdekan Bernhard Holzer von einer „Respektlosigkeit“ und von „einem Strafbestand, zu dem die Polizei ermittelt“. Und dann sagt der Verwahrer des Bozner Domes auch noch einen Satz, der einen mehr als nachdenklich stimmen muss. „Der Bischof hat überaus besonnen reagiert und auch unter den Gläubigen blieb die Lage ruhig. Nicht auszudenken, was passieren hätte können, wäre es zu einer Reaktion gekommen“.
    Ist das die Kirche von heute? Da enthüllt jemand ein Spruchband, das auf eine unleugbare Tatsache hinweist. An einem Fest des Friedens erinnert man daran, dass täglich hunderte unschuldige Menschen in einem Krieg gegen ein Volk (und nicht nur gegen die Hamas) sterben. Und ein Mann der Kirche hat ernsthaft Angst, dass seine Kirchengemeinde gewaltsam gegen die Überbringer dieser Botschaft vorgehen könnten.

     

    Ist das die Kirche von heute? Anstatt diese Provokation als Anstoß einer interkulturellen Diskussion aufzufassen, winkt die Kirche mit den Handschellen.

     

  • Protestaktion am Weihnachtstag: Anstatt die offene Diskussionskultur zu fördern, ruft man nach Repression und nach Bestrafung. Foto: Upi
  • Anstatt diese Provokation als Anstoß zu einer interkulturellen Diskussion aufzufassen, anstatt den Aktivisten eine Einladung auszusprechen, ihre Beweggründe zu erläutern, anstatt die sonst so gern verkaufte Botschaft des verlorenen Sohnes zu bemühen, den man immer und überall willkommen heißen will, winkt die Kirche mit den Handschellen.
    Ich freue mich bereits jetzt auf den Prozess, bei dem der Domdekan nachweisen wird müssen, dass die vier Protestanten eine „religiöse Feier unterbrochen oder gestört“ haben. Mich hat schon als Kind immer beeindruckt, dass Polizei in Uniform eine Kirche nicht betreten darf, und jetzt ist es ausgerechnet die Kirche, die nach dem Arm des Gesetzes schreit.
    Es ist ein Armutszeugnis für die Südtiroler Betbrüder und -schwestern. Anstatt die offene Diskussionskultur zu fördern, ruft man nach Repression und nach Bestrafung alle jener, die der Verabreichung des eigenen Weihnachtsbratens im Wege stehen.

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Cicero Thu, 12/28/2023 - 11:22

Sehr gut geschriebener Kommentar Herr Franceschini. Vielleicht sollten sich beim nächsten Freitafsgebet Aktivisten mit einem Banner für nigerianische Christen die von Boko Haram verfolgt werden oder für philippinische Christen die von Abu Sayyaf gemeuchelt werden in eine Moschee stellen? Das würde den interkulturellen Diskurskorridor doch noch wesentlicher weiten oder nicht?
Keine muslimische Gemeinde würde eine Störung ihrer religiösen Zeremonien dulden und das zu Recht! Wir leben in einem säkularen Land, was gut ist! Die Aktivisten hätten gerne und absolut berechtigt auf dem Waltherplatz demonstrieren dürfen, auch wenn ich ihr Anliegen nicht teile. Aber muss man dafür eine religiöse Feier unterbrechen? Kein gläubiger Moslem würde das machen. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Personen um linke Aktivisten, die ihren Antisemitismus in vermeintlich isrealkritischen Antikolonialismus verpacken. (Achtung, das ist nur eine persönliche Annahme)

Thu, 12/28/2023 - 11:22 Permalink
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Peter Gasser Thu, 12/28/2023 - 12:00

Zitat 1: „A Gaza c’è un genocidio. Il Natale è annullato“
Zitat 2: „Da enthüllt jemand ein Spruchband, das auf eine unleugbare Tatsache hinweist“:

Weder ist es eine „unleugbare Tatsache“, dass in Gaza ein Genozid stattfindet (der Autor sei höflich gebeten einzufügen, wie „Genozid“ definiert ist), noch ist es eine „unleugbare Tatsache“, dass Weihnachten „annullato“ ist.
Beide Behauptungen im Artikel sind gemäß geltenden Definitionen meiner Information nach unrichtig, was einfach zu erkennen ist.
Dazu auch:
https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-11/nahostkonflikt-debatte-apar…

Zitat 3: „in einem Krieg gegen ein Volk (und nicht gegen die Hamas) sterben... “: auch diese Meinungsäußerung, hier als Tatsache dargestellt, ist unrichtig: der Krieg wird gegen die Hamas geführt, das bestätigen namhafte Experten und wird auch allgemein von Kritikern Israels so bestätigt.
Dazu auch: https://www.welt.de/politik/ausland/plus248917504/Hamas-Massaker-am-7-O…

Zitat 4: „Anstatt die offene Diskussionskultur zu fördern...“ da freue ich mich, dass ich, diesmal, für meinen kritischen Diskussionsbeitrag keinen Rüffel bekomme - für die „offene Diskussionskultur“ bin ich dankbar.
.
Für ein freies Palästina UND die Anerkennung Israels durch alle Nachbarstaaten.
Für die bedingungslose Verurteilung und Bekämpfung von Vergewaltigung, Folter, Mord, Menschenraub, Terrorismus.

Thu, 12/28/2023 - 12:00 Permalink
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Peter Gasser Thu, 12/28/2023 - 12:29

In reply to by Peter Gasser

Nachtrag zu „Genozid“:
der Terrorismusakt vom 7. Oktober, während dessen auf brutalste und unmenschlichste Art und Weise geplant und systematisch Babies, Kinder, Mädchen, Jugendliche, ganze Familien geschändet, vergewaltigt, gefoltert, verbrannt, zerstückelt, geköpft worden sind, ALLEIN UND NUR WEIL SIE JUDEN SIND, erfüllt GENAU DESHALB alle Merkmale des Genozids.
Diesen barbarischen Terrorakt vom 7. Oktober als Genozid der Hamas-Palästinenser an Israelis zu bezeichnen fehlt mir in diesem Kontext auf Salto in nunmehr 5 Artikeln dazu: warum das so ist traue ich mich jetzt nicht wirklich zur „offenen Diskussion“ zu stellen - es bleibt aber etwas, was nachdenklich macht.

Thu, 12/28/2023 - 12:29 Permalink
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Milo Tschurtsch Thu, 12/28/2023 - 20:41

In reply to by Cicero

Herr Gasser, auch ich stimme Ihnen vollinhaltlich zu. Manche Aussagen im Artikel sind auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Nämlich dass Israel nicht nur Krieg gegen die Hamas sondern auch gegen die Bevölkerung in Gaza führt und dort ein Genozid stattfinden würde, ist gänzlich unwahr. Dass es auch Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt, ist nicht abzustreiten auch weil die Leute als Schutzschilde missbraucht werden, aber von gezielten Tötungen gegen Zivilisten kann wohl nicht die Rede sein, im Gegenteil die Leute werden aufgefordert die Hochburgen der Hamas (Kampfzonen) zu verlassen. Derartige Behauptungen stammen ausschließlich von der Hamas selbst und die hat die Glaubwürdigkeit sicher nicht gepachtet und von einem Einlenken zur Beendigung der Kämpfe durch Freilassung der Geiseln ist schließlich auch nicht die Rede.
Dass derart abartig agierende Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah ISS usw. eliminiert werden müssen, wird wohl niemand bestreiten, da diese Terroristen letztendlich auch Europa bedrohen, weil viel zu viele Gefährder völlig fahrlässig unkontrolliert illegal einreisen konnten, das muss uns klar sein. Umso verstörender dass sich gerade viele der linken Blase genau mit jenen Einwanderern solidarisieren die die Hamas verherrlichen , wie einschlägige Demonstrationen in Deutschland und anderswo zeigen. Und dass katholische Kirchen wie in Köln und Wien nach einschlägigen Hinweisen (und auch Verhaftungen) durch massives Polizeiaufgebot geschützt werden müssen und die Gläubigen sich einem Sicherheitscheck unterziehen mussten bevor sie zur Messe durften, das hat es auch noch nicht gegeben. So gesehen ist nicht alles an den Haaren herbeigezogen, wie im Artikel behauptet.
Wie schon mehrmals gesagt, hat sich die Bevölkerung in Gaza durch die Wahl der Hamas als Verwaltungsorganisation 2006 in Teufels Küche begeben. Ein Großteil unterstützt die Hamas sicherlich auch heute noch. Dabei wären die Weichen 2005 gut gestellt gewesen, da Israel den Gazastreifen bis auf den letzten Juden geräumt hatte. Aber man hat sich entschlossen von Gaza aus Israel mit ausländischer Unterstützung weiterhin massiv anzugreifen und die Vernichtung Israels wie 1948 begonnen, weiterzuführen. Gleichzeitig ist es gelungen sich weltweit als Opfer Israels darzustellen und finanzielle Unterstützungen abzugreifen, die hauptsächlich in dubiose terroristische, die Bevölkerung radikalisierende Quellen versickerten. Dabei hätte man den Gazastreifen zu einem blühenden Land machen können und mit dem Nachbarn ein Auskommen suchen können. Wie man sieht ist wirkt der geschichtliche Hintergrund immer auch in der Gegenwart weiter.

Thu, 12/28/2023 - 20:41 Permalink
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Stefan S Fri, 12/29/2023 - 12:30

In reply to by Klaus Hartmann

Sehr gute Verlinkung welche eine differenzierte Sichtweite ermöglicht, teilweise geht es leider auch um Begrifflichkeiten welche aber aus wissenschaftshistorischen Blickwinkel für das Allgemeinverständnis auch wichtig sind. Die wichtigste Erkenntnis und Fragestellung bleibt auch hier leider offen. Wie schafft man endlich diesen Jahrzehnten alten Konflikt zu befrieden.
Es ist mehr als offensichtlich das die Hardliner beider Seiten die ganze Situation nochmals verschlechtert haben und dadurch auch die Gefahr für einen Genozid an den Palästinensern immer wahrscheinlicher wird.

Fri, 12/29/2023 - 12:30 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 12:55

In reply to by Klaus Hartmann

Nach diesem Zitat: „Ich war zwar ((ZWAR ???)) schockiert und entsetzt von der Brutalität des Hamas-Angriffs (ein „Angriff“, echt???) , aber überrascht war ich keineswegs. Dieses Ereignis war abzusehen“:...

... nach diesem Zitat („dieses Ereignis war abzusehen“) habe ich mit dem Lesen aufgehört, da damit die Täter-Opfer-Umkehr und die Verharmlosung des brutalsten Massakers gegeben ist.
Hier gibt es nur eine klare Verurteilung, alles andere ist erbärmlich und erbärmlich unmenschlich.

Fri, 12/29/2023 - 12:55 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 13:20

In reply to by Stefan S

Ist es nicht die Ideologie und das Vorgehen der palästinensischen Terrororganisation Hamas, das in die Katastrophe führt?

Die Lösung wird am Ende NUR eine politische sein (gegenseitige Anerkennung, 2 Staaten), so meine Ansicht dazu; leider muss dafür die Hamas aufgelöst sein.

Fri, 12/29/2023 - 13:20 Permalink
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Stefan S Fri, 12/29/2023 - 14:25

In reply to by Peter Gasser

"Ist es nicht die Ideologie und das Vorgehen der palästinensischen Terrororganisation Hamas, das in die Katastrophe führt?" Ganz bestimmt sogar, ist aber auch wieder eine Schuldzuweisung und damit wird man den Konflikt nicht befrieden können. Was mich unheimlich an dieser Art der Diskussion stört ist das moralische Übergewichten einer unmenschlichen brutalen Verfehlung gegen die Nächste. Auch dieses ringen um Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang ist nicht zielführend und spielt immer den Hardlinern in die Karten.
Ist eine allgemeine Kritik und nicht auf jemand persönlich gemünzt

Fri, 12/29/2023 - 14:25 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 15:28

In reply to by Stefan S

Terroristen überleben nur, wenn ein Konflikt NICHT befriedet wird.
Daher werden Terroristen NIEMALS einer Lösung zur Befriedung zustimmen.

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Entweder die UNO, oder die Araber, oder die Palästinenser selbst, oder eben die Israelis müssen die Terroristen entmachten, wenn es jemals Frieden geben soll, so meine Meinung dazu.

Fri, 12/29/2023 - 15:28 Permalink
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Stefan S Fri, 12/29/2023 - 17:24

In reply to by Peter Gasser

"Daher werden Terroristen NIEMALS einer Lösung zur Befriedung zustimmen."
Das stimmt einfach nicht und mit der PLO und Arafat würde auch schon das Gegenteil bewiesen bis... ja bis die israelischen Hardliner bei Rabin zugeschlagen haben und seit dem nicht nachgelassen haben.
Sie sehen Ihre Einstellung führt zu nichts...

Fri, 12/29/2023 - 17:24 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 17:58

In reply to by Stefan S

Sie glauben ernsthaft, die HAMAS wird Israel anerkennen, die Waffen abgeben und Frieden machen?
Warum tun Sie das dann nicht?
Sie kennen die Charta der Hamas?
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Doch, die Palästinenser OHNE der Mafia-, Terror- und Mörderbande der Hamas können Frieden schaffen.
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Beispiel Armut: der Hamasführer besitzt privat ein Vermögen von mehreren Milliarden Euro... glauben Sie, er gibt dies Geschäftsmodell her?

Fri, 12/29/2023 - 17:58 Permalink
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Ludwig Thoma Fri, 12/29/2023 - 19:31

In reply to by Peter Gasser

Das ist nur die halbe Wahrheit. Im Westjordanland, wo Hamas keine Rolle spielt, sind allein 2023 über 500 Palästinenser durch das israelische Militär oder gewalttätige Siedler ums Leben gekommen. Eine Zweistaatenlösung braucht also neben der Entmachtung von Hamas (die evtl. Auch anders denkbar ist, als derzeit von Israel gezeigt) auch ein Ende der illegalen Siedlungen in der Westbank. Aber das zuzugeben wäre nicht mehr so schön monokausal.

Fri, 12/29/2023 - 19:31 Permalink
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Peter Gasser Sat, 12/30/2023 - 10:53

In reply to by Ludwig Thoma

„uns“? pluralis majestatis?
.
bzw: was wollten „SIE uns“ hier fragen, wo doch die nonverbale Kommunikation ausgereicht haben müsste?

(letzter Versuch, dann wieder Abbruch: wie oft habe ich aufgrund von unerlaubten ad-personam-Getrolle und unlauteren Unterstellungen Ihrerseits den Diskurs abgebrochen, wie oft (erst gestern wieder) löscht Salto Ihre Angriffe von anonym zu Klarnamen?)
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Es wäre ein guter Vorsatz fürs neue Jahr, so mein Wunsch an die Sylvesterfee, dass es dieses klassische geTROLLe künftighin nicht mehr ... - aber Abbrechen erscheint mir doch zielführender, wenn unbek(l)ehrbar das Gegenüber und ungute Verhaltensmuster in Beton gegossen scheinen...
.
zur Sache:
Frieden den Palästinensern, Frieden den Israelis, und Abschaffen der palästinensischen Terrororganisation Hamas. Vollständige Blockade des Iran, bis er die Vernichtung Israels durch Condottieri ringsum aufgibt.
Aufteilen der 3 Milliarden Euro Privatvermögen des Hamasführers unter die Bevölkerung des Gaza-Streifens.

Sat, 12/30/2023 - 10:53 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 13:33

In reply to by Klaus Hartmann

Zitat: „Wenn Sie schon mit dem Lesen und folglich mit einer differenzierteren Analyse des Geschehens aufgehört haben...“:

Diese stets billige Trickserei im Dialog, bei der ein richtiger Sachverhalt („mit dem Lesen aufgehört“) mit einer unrichtigen Unterstellung ad personam („mit einer differenzierteren Analyse des Geschehens aufgehört haben“) gleichsetzt und behauptet wird, beendet in der Regel jeden Diskurs.
Ich gehe davon aus, dass ich zum Thema wohl ein Vielfaches mehr und differenzierter gelesen habe, als Sie annehmen können oder gar selbst geschafft haben, unter anderem dies von Omer Bartov kürzlich:

„Ich mag diese Demonstrationen nicht, auf denen »Genozid« gerufen wird, denn ich glaube nicht, dass im Moment ein Genozid stattfindet“.

Fri, 12/29/2023 - 13:33 Permalink
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Peter Gasser Fri, 12/29/2023 - 15:15

In reply to by Stefan S

... es ist müßig, auf dieses systematische Troll-Verhalten einzugehen, da SALTO dann eh wie gehabt alles löscht - was ja Ziel solcher Aktionen ist: die Diskussion zu killen, Salto zu schaden.
So unbedarft kann das Anonym ja nicht sein, dass es nicht verstanden hat, WARUM ich nicht weitergelesen habe... die unwahre Unterstellung dient lediglich der Provokation ad personam:

https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)

„ Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die im Internet vorsätzlich mit „zündelnden“ Flame-Kommentaren einen verbalen Disput entfachen oder absichtlich Menschen im Internet verärgern will. Dies geschieht zur Unterhaltung des Trolls... seine Kommunikation in diesen Communitys ist auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielen. Dies erfolgt mit der Motivation, eine emotionale Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen“:
.
Dank für Ihren Beistand.

Fri, 12/29/2023 - 15:15 Permalink
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wartl Sat, 12/30/2023 - 20:37

In reply to by Peter Gasser

Das Ereignis war für Netanyahu & Co sehr wohl abzusehen, denn Netanyahu wurde vom ägyptischen Geheimdienst gewarnt (Quelle: Artikel der früheren taz-Korrespondentin Judith Poppe in Publik-Forum 20/2023. Judith Poppe verließ nach dem Angriff der Hamas mit ihrer Familie Israel, weil sie damit rechnet, dass die rechtsextreme Regierung Netanyahu mit ihrer Politik weitere Attentate der Hamas provozieren wird). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Mossad die Vorbereitungen zum Massaker nicht mitbekommen hat, schließlich verfügt er über die Spähsoftware Pegasus ( deren Einsatz abseits des vorgeblichen Zwecks Terrorismusbekämpfung ist im Buch "Die Akte Pegasus" von Laurent Richard und Sandrine Rigaud eindrucksvoll dargelegt).
Aus meiner Sicht hat Netanyahu die Opfer des Massakers bewusst in Kauf genommen, um von den Korruptionsermittlungen gegen ihn abzulenken.

Sat, 12/30/2023 - 20:37 Permalink
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Milo Tschurtsch Fri, 12/29/2023 - 17:06

In reply to by Klaus Hartmann

Es gibt da einige wesentliche historische Tatsachen die der Autor Omer Bartov wohlweislich verschweigt. Da wäre einmal zu nennen, dass nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches dessen Teil Palästina gewesen war um danach in britisches Protektorat überzugehen, von den damaligen Vereinten Nationen eine Reihe von Staaten gegründet wurden u.a. das heutige Syrien, Jordanien, Irak. In Palästina wurden den dort lebenden Menschen, Juden und Arabern jeweils ein Staat angeboten. Die Juden nahmen an obwohl sie auf das Kernland in heutigen Westjordanland verzichten mussten (vormals Judäa und Samaria). Die Araber wollten nicht dass die Juden einen Staat bekommen, nahmen deshalb selbst nicht an und haben bis heute keinen Staat, nur Gebiete die sie beanspruchen? also selbstgewollt keinen Anspruch auf eine staatlich strukturierte Organisation und Verwaltung. Sie erkannten den 1948 gegründeten Staat Israel nicht an und griffen ihn noch am SELBEN Tag der Staatsgründung militärisch an. Dies wiederholte sich noch mehrmals u.a. 1967 im Sechstagekrieg und 1973 im Überraschungsangriff div. arabischer Staaten auf Israel am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Aber Israel siegte jedesmal und besetzte im Zuge der Kriege versch. Gebiete darunter auch den Gazastreifen und das Westjordanland auch um dort Bollwerke gegen erneute Angriffe zu schaffen. Das zu beklagen ist obsolet, denn wenn man Angriffskriege startet und verliert, dann muss man auch mit Gebietsverlusten rechnen (zumal diese Gebiete ja selbstgewollt keine Teile von rechtmäßigen Staaten waren und sind).
Im Zuge von diversen Verhandlungen hat Israel aber das Westjordanland teilweise und den Gazastreifen restlos geräumt und ALLE Juden haben den Gazastreifen verlassen. Es brauchte also kein Zusammenleben ausverhandelt zu werden. Welchen Grund gab es also den Gazastreifen enorm zu bewaffnen und Israel von dort aus ständig anzugreifen? Dass Israel da Befestigungen Mauern und Zäune errichtet ist nicht verwunderlich. Dieser Umstand wird aber so gedeutet als ob Israel die Menschen in Gaza einsperren würde. Diese Behauptung ist schon deshalb unglaubwürdig weil wenn die Palästinenser endlich einer Zweistaatenlösung zustimmen und dadurch das Existenzrecht Israels anerkennen würden anstatt es zu bombardieren, es zu einem normalen nachbarschaftlichen Dialog kommen könnte (wie es schon 1948 hätte sein können). Dazu müsste man sich aber einmal von der Hamas als barbarischer Terrororganisation lossagen und nicht diese noch unterstützen. Außerdem gibt es da noch die Grenze zu Ägypten die man öffnen könnte, die Brüder im Geiste mit denen zusammen man Israel 1967 angegriffen hat.
Israel kann und wird die Gräueltaten vom 7. Oktober nicht widerstandslos hinnehmen. Das Ziel die Hamas zu vernichten wird angestrebt. Ob das gelingt und wie das gemacht wird, ob es da andere Möglichkeiten gäbe und welche größeren Folgen das nach sich ziehen könnte, das können weder wir noch der Autor beurteilen und vorhersehen. Diesen Terror ungesühnt zu lassen um in Folge weitere Gräueltaten zu ermöglichen, ist jedenfalls keine Option.
Die Menschen in Europa vor allem jene aus dem linken Lager, die ja immer eine zu "Unrecht -Unterdrückten-Gruppe" ausfindig und benötigen, die man gegen das "Kapital" oder gegen wen auch immer verteidigen muss ( jetzt halt die Palästinenser), haben noch nicht verstanden, dass jene die sie jetzt so lautstark verteidigen, sich schließlich gegen uns alle richten werden, wenn da nicht gegensteuert wird. Bleibt nur zu hoffen, dass das Aufwachen nicht ganz so schlimm ausfallen wird.

Fri, 12/29/2023 - 17:06 Permalink
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Alfred Ingeln Thu, 12/28/2023 - 16:01

In reply to by Peter Gasser

Hallo Herr Gasser, jeder wie Sie hat seine Ausdrucksweise, ob das die Meinung der Allgemeinheit ist, bleibt dahin grstellt. Diese dämlichen Besserwisser die alles auseinander klamüsern so wie Sie, Das macht den Unterschied zwischen einem guten Jornalisten und einem Besserwisser aus. Ich hoffe ich habe Sie jetzt nicht zu viel verwirrt, so das Sie keine Nachwehen ins Neue Jahr mitnehmen.

Thu, 12/28/2023 - 16:01 Permalink
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Simonetta Lucchi Thu, 12/28/2023 - 12:04

Mi scusi sig. Franceschini ma la Chiesa locale avrebbe molte questioni da affrontare e da spiegare da molti anni. Ha ragione, è sempre giusto il dialogo. Ma ci sono tante vittime, bambini, sì , anche "semiti", che aspettano spiegazioni, e per loro non è stato mai chiesto nulla. Al di là di questo non è giusto interrompere una cerimonia di persone che pregano in buona fede, questo a mio parere.

Thu, 12/28/2023 - 12:04 Permalink
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Hartmuth Staffler Thu, 12/28/2023 - 13:47

Ich habe hier schon mehrmals darauf hingewiesen, dass Bischof Muser jedes Jahr eine Gedenkmesse für die im italienischen Vernichtungskrieg gegen Äthiopien gefallenen Carabinieri und faschistischen Schwarzhemdenmilizen feiert, ohne der Opfer dieser verbrecherischen Aktionen zu gedenken. Ich werde deswegen keinen Gottesdienst stören, aber mich stört das schon.

Thu, 12/28/2023 - 13:47 Permalink
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Hartmuth Staffler Thu, 12/28/2023 - 17:37

In reply to by Cicero

Es handelt sich um die Messe, die der Bischof jedes Jahr am 21. November im Gedenken an die Gefallenen der Schlacht von Culqualber hält, die am 21. November 1941 zu Ende gegangen ist. Bei dieser Schlacht sind zahlreiche Carabinieri und Schwarzhemden-Milizionäre (1º Gruppo Mobilitato dei Carabinieri, CCXL Battaglione Camicie Nere) gefallen. Nach dem Krieg wurde der 21. November zum Gedenktag für diese Schlacht erhoben.

Thu, 12/28/2023 - 17:37 Permalink
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Salto User
Cicero Thu, 12/28/2023 - 20:00

In reply to by Hartmuth Staffler

Prinzipiell gebe ich ihnen absolut Recht Herr Staffler, aber mit militärischem Gedenken ist es meist so eine Sache. Da gibt es kein Schwarz Weiß, sondern sehr viel Grau. Oder wie soll man die Fürbitten der Messen um den Andreas Hofer Gedenktag verstehen, bei denen jenen Gedacht wird die „für die Heimat ihr Leben ließen“? In beiden Weltkriegen zumindest waren unser Urgroß- und Großväter Teil der Aggresoren, welche lupenreine, nach heutigem Maßstab völkerrechtswidrige, Angriffskriege geführt haben. Dass der Tiroler Standschütze am Col di Lana oder der Tiroler Landser in der Sowjetunion vielfach ebenso unpolitische arme Schweine waren, wie der süditalienische Carabiniere in Nordafrika gehört vielleicht auch etwas zur Wahrheit dazu.

Thu, 12/28/2023 - 20:00 Permalink
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Hartmuth Staffler Thu, 12/28/2023 - 21:11

In reply to by Cicero

Ich glaube nicht, dass die Angehörigen der faschistischen Schwarzhemden-Milizen "unpolitische arme Schweine" waren. Der Tiroler Standschütze, der am Col di Lana seine Heimat gegen die italienische Aggression verteidigt hat, war da auf jeden Fall unpolitischer. Unabhängig davon: Ich bin der Meinung, dass man der gefallenen Soldaten gedenken soll, und dass man nicht bei jedem einzelnen Gefallenen nachforschen kann, ob er nun gut oder böse war. Aus diesem Grund sollte das Gefallenengedenken auch immer allen Gefallenen gelten. In Äthiopien sind nun einmal hunderttausende Äthiopier, darunter tausende Priester und Mönche, von den Italienern mit viel Einsatz von Giftgas und Massenerschießungen getötet worden, man denke nur an den Alpinioffizier Gennaro Sora, Ehrenbürger von Brixen, der 1500 Frauen und Kinder ermorden ließ. Wenn man schon der Täter gedenken will, dann sollte man auch der Opfer gedenken.

Thu, 12/28/2023 - 21:11 Permalink