Chronicle | Skandal

Die Durchsuchung

Die Ermittlungen im Fall Dalle Nogare spitzen sich zu. Am Mittwoch durchsuchten ROS-Beamte die Wohnung und das Büro von Ressortdirektorin Katia Tenti. Akten und Computer wurden beschlagnahmt. Gegen Tenti wird jetzt formell wegen Amtsmissbrauch ermittelt.

Die Beamten der Carabinierisondereinheit ROS werden Punkt 7 Uhr früh vorstellig. Freundlich aber bestimmt galt am Mittwoch der Besuch Katia Tenti, Ressortdirektorin und rechte Hand von Christian Tommasini.
Die ROS-Beamten durchsuchten am Vormittag Tentis Privatwohnung und am Nachmittag das Büro der Ressortdirektorin. Gegen Katia Tenti wird inzwischen offiziell ermittelt. Wegen Amtsmissbrauch. „Meine Mandantin wurde in das Ermittlungsregister eingetragen“, bestätigte am Abend Tentis Vertrauensanwalt Carlo Bertacchi, der der Durchsuchung zeitweise beiwohnte. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Beschlagnahmtes Ipad

Am Vormittag durchsuchten die Carabinieri Tentis Bozner Wohnung. Es wurde dabei Akten, Aufzeichnungen, ein IPod und ein IPad beschlagnahmt. Zudem hat man auch die Kopie der Festplatten der privaten Computer der hohen Landesbeamtin mitgenommen.
Am Nachmittag wurde dieselbe Aktion dann in das Büro Tentis verlegt. Die ROS-Beamten verließen am frühen Abend das Landhaus in der Schlachthofstraße mit einem Stapel Akten und Dokumenten. Beschlüsse, Aufzeichnungen und Schriftverkehr. Ebenso wurde die Festplatte von Tentis Dienstcomputer kopiert.
Die Aufmerksamkeit der Ermittler beruht dabei vor allem auf dem E-Mail-Verkehr. Denn im Laufe der Untersuchungen, der Zeugenaussagen und der bereits gesicherten Dokumente scheint sich der Anfangsverdacht erhärtet zu haben. Das private persönliche Nahverhältnis zwischen der Ressortdirektorin und dem Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare soll im Lichte einer korrekten unvoreingenommenen Verwaltung nicht dem üblichen Standard entsprechen.
Die Ermittler wollen jetzt klären, ob Tentis hektische Aktivitäten für die Ausweisung der Dalle-Nogare-Zone bei der Gemeinde Bozen und in der Abteilung Raumordnung des Landes amtlicher Natur waren oder ob mehr dem Privatinteresse des Unternehmers zugute kamen.

Aschbachers Büro

Doch auch der Chefurbanist des Landes Anton Aschbacher bekam erneut Besuch. Die ROS-Beamten waren bereits vergangene Woche im Urbanistikassessorat vorstellig geworden, um die Akten rund um die Zone in der Reschenstraße zu sichten. Dabei waren auch Computerdateien kopiert worden.
Weil aber mehrere Dokumente nicht gefunden wurden, kehrten jetzt die Ermittler in die Abteilungsdirektion zurück. Vor allem im Aktenbestand zum 13 Jahre vergessenen Wobi-Grund klaffen einige unerklärliche Lücken. „Es sind Aktenstücke anscheinend nicht mehr auffindbar“, heißt es im Assessorat. Doch damit will sich die Staatsanwaltschaft nicht zufriedengeben.
Ein Schlüsseldokument für die Ermittler ist das Gutachten der Landesraumordnungskommission, die im Dezember 2013 überraschend grünes Licht für den 25-Millionen-Deal gegeben hat. Zwei Jahre zuvor hatte die Kommisson noch ein negatives Gutachten für genau denselben Grund abgegeben. Bestätigt wurden inzwischen auch die Interventionen bei den Mitgliedern der Landesraumordnungskommission im Vorfeld der Entscheidung.
Eine Entscheidung, die am Ende mit einer äußert knappen Mehrheit ausgefallen ist. 

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Martin B. Fri, 05/02/2014 - 01:58

Bei allen Entscheidungen in unabhängigen Verwaltungen bezüglich Geschäften die Verwandte, Partner, usw. betreffen, enthalten sich üblicher- und korrekterweise integre Personen der Stimme und lassen Andere entscheiden. Also alles sehr verdächtig hier. Vielleicht treten ja auch interessante Dokumente bezüglich den massiven Ausgaben öffentlicher Gelder im Fall Venezia Nordest zutage.

Fri, 05/02/2014 - 01:58 Permalink