Politics | Interview

"Wollte Schaden von der Partei ablenken"

Touristische Chalets statt konventionierter Wohnungen: Peter Faistnauer verteidigt sein Vorgehen rechtlich, räumt jedoch Fehler ein.
Faistnauer, Peter
Foto: Team Köllensperger

Salto.bz: Herr Faistnauer, Sie haben anstatt den von der Baukommission genehmigten konventionierten Wohnungen, Chalets für touristische Zwecke gebaut. Wie verteidigen Sie diese Aktion?

Peter Faistnauer: Ich zitiere hier den Artikel 107, Absatz 23 des Raumordnungsgesetzes von 1997: “In Abweichung von Artikel 79 können sie für den Urlaub am Bauernhof verwendet werden”. Dieses Vorhaben habe ich allen mitgeteilt, sowohl dem Steuerberater als auch der Gemeindeverwaltung. Unser Familienbetrieb bietet schon seit 17 Jahren Urlaub am Bauernhof an. Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass das Projekt Chalets für den Urlaub am Bauernhof enthält.

Der Artikel, den Sie zitieren, bezieht sich auf das ehemalige Raumordnungsgesetz.

Ja, das Projekt wurde noch unter dem alten Raumordnungsgesetz eingereicht. Mit dem Bau wurde bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Raumordnungsgesetzes begonnen.

Trotzdem wurde ein Verfahren eingeleitet. Sie selbst haben sich in Ihrer politischen Karriere viel mit Wohnbau beschäftigt, die Gesetzeslage in diesem Bereich war Ihnen wichtig. Wie passt dieses Verfahren mit Ihrem politischen Einsatz zusammen? 

Wer in Südtirol baut, weiß, dass es aufgrund von geologischen Veränderungen und anderen Problemen, die während der Bauphase auftreten, zu kleineren Veränderungen kommen kann. Im Grunde war es immer so, dass diese kleinen Veränderungen in der Absolutvariante eingefügt wurden. Schaut man sich die Absolutvariante meines Projekts an, sieht man, dass sich gebäudetechnisch nichts verändert hat. Neu sind kleinere Fensterverschiebungen und ein Vordach von sechs Quadratmetern Fläche. Deswegen kann ich – auch als ehemaliger Bürgermeister – mit ruhigem Gewissen sagen, dass das genehmigbar ist und somit auch gesetzlich in Ordnung. Das ist wichtig. Würde es sich um Probleme handeln, die zwar während der Bauphase aufgetreten sind, aber gesetzlich nicht in Ordnung sind, wäre das Projekt auch nicht mehr zu genehmigen.

 

Ich bin selbst aus der Partei ausgetreten, um den Schaden von der Partei abzulenken.

 

Das klingt so, als ob Sie den erfolgten Ausschluss von der Partei nicht nachvollziehen könnten.

Ich bin selbst aus der Partei ausgetreten, um den Schaden von der Partei abzulenken. Und zwar deshalb, weil die Informationen, die über die Medien verbreitet werden, von den Menschen falsch interpretiert werden. Deswegen habe ich heute (Montag) Vormittag den Austritt aus der Partei eingereicht. Heute um 17 Uhr wurde eine Vorstandssitzung des Team K zu meinem Fall einberufen – dazu war ich auch eingeladen. Ich habe die Unterlagen an den Vorstand weitergeleitet, sodass sie sich über das Ausmaß der Abweichungen ein Bild machen können. Ich wurde also von keiner Partei ausgeschlossen.

Parteichef Paul Köllensperger hat heute im Interview bekannt gegeben, dass der Ausschluss einstimmig beschlossen wurde. Auch eine diesbezügliche Pressemitteilung wurde verschickt.

Erstens frage ich mich, wann das passiert ist. Zweitens wurde mir diese Entscheidung nicht zugestellt. Drittens findet die Sitzung heute Abend statt. Ich leite Ihnen gerne die Einladung dazu weiter.

 

Das heißt, Sie sind freiwillig ausgetreten, um einen Schaden an der Partei zu vermeiden.

Politik und Wirtschaft sind nicht einfach zu vereinbaren. Man merkt auch immer wieder: Als Politiker darf man sich jene Rechte, die ein normaler Bürger hat, nicht herausnehmen. Ich spreche nicht von Privilegien, sondern von gleichen Rechten für alle. Die Sache ist aber nicht einfach zu kommunizieren, deshalb habe ich den Austritt vollzogen, um das Team K in seiner weiteren Arbeit nicht zu stören.

Andererseits könnte ein Austritt auch als Schuldzugeständnis interpretiert werden.

Das sehe ich nicht so.

Sie sind ausgetreten, wollen aber mit einer eigenen Fraktion im Landtag bleiben. Warum?

Ich habe einen Wählerauftrag bekommen. Dieser ist persönlich und nicht übertragbar. Ich werde ihn auch bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2023 ausüben.

Der Wählerauftrag wurde Ihnen als Mitglied der Kandidatenliste des Team K erteilt. Das heißt: Sie wurden als Mitglied von Team K in den Landtag gewählt. Mit Ihrem Austritt aus dem Team geht also auch Ihr Mandat zu Ende, oder? 

Das sehe ich nicht so. Auf keinen Fall.

 

Ich habe einen Wählerauftrag bekommen. Dieser ist persönlich und nicht übertragbar.

 

Ihnen wird vorgeworfen, parteiintern nicht über das laufende Verfahren berichtet zu haben. Ihre ehemaligen Parteikollegen haben aus der Zeitung darüber erfahren. Bereuen Sie diesen Schritt?

Mir wurden schon so oft haltlose und unwahre Vorwürfe an den Kopf geworfen. Deswegen habe ich es auch nicht für notwendig befunden, die Parteimitglieder darüber zu informieren. Wie auch jedem anderen Bürger steht es mir zu, während der Bauphase die Dinge in Ordnung zu bringen und überhaupt gibt es vor dem Ende der Bauarbeiten gar kein Bauvergehen. Auch das muss festgehalten werden.

Spielen bei Ihrem Austritt auch Differenzen mit den Mitgliedern von Team K eine Rolle?

Nein, es gab hier keine Differenzen. Einige Mitglieder haben mich heute angerufen und gesagt, dass, nachdem Paul Köllensperger im August 2020 nicht zurückgetreten ist, soll auch ich nicht zurücktreten. Ich weiß nicht, ob man die beiden Fälle vergleichen kann, aber es ging in beiden Fällen um eine Unvorsichtigkeit. Sowohl Paul Köllensperger als auch ich haben einen Fehler begangen. Hier spielt natürlich die Fehlerkultur in Südtirol eine Rolle: Dürfen Fehler passieren? Was, wenn Fehler passieren? Und sind sie parteitauglich? Hier kann jeder selbst nach seinen moralischen Grundsätzen urteilen.

 

Sowohl Paul Köllensperger als auch ich haben einen Fehler begangen.

 

Das heißt: Sie geben zu, dass ein Fehler passiert ist, bestehen aber darauf, dass es sich um keine Rechtswidrigkeit handelt?

Genau.

Welchen Fehler haben Sie in Ihren Augen begangen?

Was auch in vielen anderen Fällen passiert ist: Varianten können eingereicht werden, wurden aber nicht rechtzeitig eingereicht. Wie beispielsweise die Verschiebung einiger Fenster um wenige Zentimeter. Das war sicherlich ein Fehler.

Wie wichtig ist Ihnen eine rechtlich reine Weste in der Politik?

Eine saubere Politik ist mir sehr wichtig. Aber jeder Bürger sollte dieselben Rechte haben, auch Politiker.

 

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Josef Ruffa Mon, 08/23/2021 - 18:57

“ Eine saubere Politik ist mir sehr wichtig. Aber jeder Bürger sollte dieselben Rechte haben, auch Politiker.”, stimmt, nur Politiker hätten auch eine Vorbildfunktion.

Mon, 08/23/2021 - 18:57 Permalink
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W. Holzer Mon, 08/23/2021 - 20:44

so wird sich langsam niemand mehr finden, der aktiv in der Politik mitarbeitet! bzw. das Politikpersonal wird notgedrungen immer schlechter werden müssen. Zum einen wird dem Politiker sein Gehalt nicht vergönnt (gute Leute müssen gut bezahlt werden!) und zum anderen, sollte er seine privaten wirtschaftlichen Angelegenheiten praktisch auf null fahren. Je schlechter sie/er privat wirtschaftet, desto besser steht sie/er vor "den Leuten" da! Wen wunderst, dass Politik machen nur mehr für Berufspolitiker (außer Politik können sie sonst wenig), Pensionisten oder Beamte möglich ist. Man sollte dann aber auch nicht übermässige Erwartungen in die übrig gebliebene Personalauswahl stecken.

Mon, 08/23/2021 - 20:44 Permalink
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G. P. Tue, 08/24/2021 - 09:22

In reply to by W. Holzer

"Zum einen wird dem Politiker sein Gehalt nicht vergönnt (gute Leute müssen gut bezahlt werden!) …"
Ganz richtig erkannt, gute Leute müssen gut bezahlt werden, da bin ich ganz bei Ihnen. Nur, ich sehe nicht viele wirklich gute Leute, welche das Geld wert sind, das sie in der Politik verdienen.

Tue, 08/24/2021 - 09:22 Permalink
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△rtim post Mon, 08/23/2021 - 22:33

Das kennen wir auch von anderen Personen. Klingt mal wieder so, als wäre da gar nichts gewesen. Ganz anders sieht das laut Neue Südtiroler Tageszeitung offenbar die Gemeinde. Da
geht es um weit mehr als nur um die Abweichung von ein paar Zentimetern bei den Fenstern:
https://www.tageszeitung.it/2021/08/22/der-fall-faistnauer/
Auch die wörtliche Wiedergabe der Pressekonferenz des Team K sagt uns was anderes:
https://www.tageszeitung.it/2021/08/23/peter-faistnauer-ausgeschlossen/
Da ist wohl lückenlose Aufklärung notwendig.
Mal schauen, wer und wie in den einzelnen Medien darüber berichtet wird.
Denn dass hier das Team K alles richtig gemacht hat, steht wohl außer Frage, wenn es nicht den hohen Vertrauensvorschuss der eigenen Wähler-innen ganz verlieren möchte.
Also, wenn Faistnauer nach seinen Worten hier, obwohl angeblich ja eh nichts passiert ist, er sich vom Team K nur deshalb sofort verabschiedet hat, "um Schaden von der Partei abzulenken" (sic!), frage ich mich schon, wieso er dies nicht vor allem aus demokratiepolitischen Gründen/Überlegungen vollzogen hat und nicht ebenso von seinem Landtagsmandat zurückgetreten ist. Denn damit hätte er nicht nur Anstand beweisen, sondern ein richtiges und wichtiges Signal setzen können, um gegen den zunehmenden Verlust an Glaubwürdigkeit, die Politikverdrossenheit ... in unserer Gesellschaft gegenzuwirken. Diese Chance für seine Partei und sich selbst hat er wohl vertan.

Mon, 08/23/2021 - 22:33 Permalink
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Sebastian Felderer Tue, 08/24/2021 - 08:44

Es ist eine Trauerspiel: Faistnauer will "Schaden von der Partei abwenden". Köllensperger sagt "Wenn er Anstand hat ...." Beides klingt unendlich komisch und wirft viele Fragen auf. Peter Faistnauer hätte ein solches Vergehen gegen die Bestimmungen der Raumordnung nie begehen dürfen, als Bürgermeister nicht, als Landwirt mit Urlaub auf dem Bauernhof nicht und noch mehr nicht als Mandatar. Er hätte Schaden von seiner Person fernhalten müssen, weil alles andere zur Farce wird. Chalets für Gäste sind keine konventionierten Wohnungen und mit dem "Urlaub auf dem Bauernhof" wird sowieso schon viel zu viel Unfug getrieben.
Paul Köllenspergers Aussage stimmt mich noch trauriger. Von seinem Parteikollegen zu sagen " wenn er Anstand hat ..." ist schon eine Zumutung an die Wähler. Er wird doch nicht Leute angeheuert haben, die keinen Anstand haben. Nach vier Jahren der Zusammenarbeit wird er hoffentlich wissen, ob Peter "Anstand hat" oder nicht. Paul Köllensperger hat eine riesen Schwäche und das ist der menschliche Kontakt. Er ist ein Opportunist und dies wird ihm teuer zu stehen kommen. Die Vorkommnisse in den letzten Jahren sind der Beweis dafür. Ich bin sehr enttäuscht und mir tut es um Maria Rieder und Franz Ploner leid. Es stimmt vieles nicht im TEAM K. Vielleicht gelingt es dem Ex-Pfattner Bürgermeister den Karren in die Spur zu bringen.

Tue, 08/24/2021 - 08:44 Permalink
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Mart Pix Tue, 08/24/2021 - 10:03

TEAM K ihr seit echte Heuchler und Verschwörungs teoretiker!!!

Der Unterholzner hält Corona für einen Verkühlung und ist ein Impfterrorist, steckt andere Skeptiker auch damit an nur um wiedergewählt zu werden (hilft nix dass er ausgetreten ist, er war davor der gleiche spinner)

Faistnauer predigt gleich wie Kölle Wasser und sauft Wein. Zum Schämen seit ihr

Tue, 08/24/2021 - 10:03 Permalink