Società | Suizide

“Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Angesichts der gestiegenen Suizidrate fordert der Katholische Familienverband die Politik zum Handeln auf: Finanzielle Unterstützung für Familien sei dringend nötig.
Mann, Verzweiflung
Foto: Pixabay

Sieben Suizide in sechs Tagen hat es zuletzt in Südtirol gegeben. Das berichtet Rai Südtirol Ende vergangener Woche. Die gestiegene Suizidrate während der Corona-Krise ist traurige Realität, auf die Experten mit dem eindringlichen Appell hingewiesen haben, sich Hilfe zu suchen. Nun meldet sich auch der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) zu Wort – und sieht vor allem die Politik gefordert, “indem sie den Menschen konkrete Hilfen und Unterstützung anbietet und sich niemand mehr allein gelassen fühlen muss”.

“Überwiegend Männer und folglich Familienväter sind suizidgefährdet”, weiß man auch beim KFS. Seit jeher fühle sich der Mann verantwortlich für das Wohlergehen und die finanzielle Absicherung der Familie. Je größer sein beruflicher Erfolg, je höher sein Einkommen, desto besser gehe es seinen Lieben. Die Covid-19-Pandemie habe diese Lebenseinstellung plötzlich zum Einsturz gebracht: Kurzarbeit, Lohnausgleich, drohende Arbeitslosigkeit und damit hervorgerufene Geldsorgen, Zukunftsängste, Verzweiflung.

“Es ist erschreckend, dass in einem so reichen Land wie Südtirol Menschen Angst um ihre Zukunft haben müssen”, zeigt sich KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner betroffen. “Seit Jahren fordern wir die Politik auf, sich mehr für die Familien einzusetzen. Oft haben wir notwendige familienpolitische Forderungen deponiert. Auch wenn einiges umgesetzt wurde, so gibt es immer noch großen Handlungsbedarf.”

Aufgrund der aktuellen Brisanz, haben laut KFS vor allem folgende Punkte absolute Priorität:

  • Familien müssen gezielter und finanziell besser gefördert werden
  • leistbares Wohnen für Familien muss vorangetrieben werden
  • Familien müssen steuerlich entlastet werden
  • eine qualitativ hochwertige außerfamiliäre Kinderbetreuung muss garantiert werden
  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss verbessert werden

 

“Wenn nicht jetzt, wann dann?”, fragt sich Mitterrutzner und fordert die politischen Entscheidungsträger zu raschem Handeln auf. Finanzielle Unterstützung brauche es aber auch vom Staat. Die KFS-Präsidentin weist darauf hin, dass der Familienverband als größte Interessenvertretung für die Südtiroler Familien mit dem Hilfsfonds “KFS-Familie in Not” ein Instrument geschaffen hat, das bei Härtefällen schnell und unbürokratisch helfen kann. “Der Hilfsfonds wird dort aktiv, wo eine erste Überbrückungshilfe die Not zu lindern vermag – durch eine einmalige finanzielle Zuwendung, aber auch durch beratende Unterstützung”, führt Mitterrutzner aus.

Das Thema Suizid steht am heutigen Montag (15. Juni) Abend auch im Zentrum des Livetalks, den das Forum Prävention organisiert hat. Peter Koler wird mit dem Psychiater und Koordinator des Netzwerks psychische Gesundheit Roger Pycha, der Mit-Kuratorin der Ausstellung “Dunkle Ecken” Sophie Lazari sowie Richard Santifaller, einem Betroffenen, ab 20.30 Uhr über “Corona und Suizid – die dunkle Seite der Krise” sprechen. Übertragen wird der Livetalk auf Facebook.