Culture | Haus der Architektur

*Wir müssen reden

Man kann sich gut für die Möglichkeiten begeistern, das eine oder andere »Architekturhaus« in Südtirol zu eröffnen. Diese sind keineswegs unvorstellbar, denn es gab und gibt auch in Südtirol Formate und Initiativen dafür.
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Una casa perlàrchitettura
Foto: Architekturstiftung Südtirol | Studio Mut
  • Man kann sich gut für die Möglichkeiten begeistern, das eine oder andere »Architekturhaus« in Südtirol zu eröffnen. Diese sind keineswegs unvorstellbar, denn es gab und gibt auch in Südtirol Formate und Initiativen, die im Laufe der Jahre geprüft, erprobt und gelungen sind. Welches Haus der Architektur in Südtirol auch immer in Zukunft entstehen wird, es wird wesentlich auf dem von diesen Wegbereiter*innen geschaffenen Humus entstehen. Die Form und Organisation eines »Architekturhauses« wird durch seinen Zweck bestimmt. Wenn von einer möglichen Institution für Südtirol die Rede ist, stellt sich primär die Frage, was damit beabsichtigt wird. Ist es, nach aussen orientiert, eine Art Botschaft der regionalen Architektur? Oder soll es, nach innen gerichtet, als Forum für die Diskussion der lokalen Stadtentwicklung dienen? Wendet es sich an ein Fachpublikum und dessen berufliche Weiterbildung und intellektuellen Austausches? Oder dient es der Architekturvermittlung, als Schnittstelle zwischen Planung und Nichtfachleuten?

     

    Wenn von einer möglichen Institution für Südtirol die  Rede ist, stellt sich primär die Frage, was damit beabsichtigt wird.

  • Architektur hat auch in Südtirol einen wesentlichen Einfluss auf den Lebensraum. Das ist auch ein Grund, warum so gut wie jede*r eine persönliche Sichtweise darauf hat. Es geht aber weniger darum, Meinungen zu bilden und zu formen, als vielmehr darum, sie auf die wesentlichen Fragen der Zukunft auszurichten und sie in die konkrete Planung einfließen zu lassen. Was braucht Südtirol? Was kann Südtirol bieten? Was wird mit den gegebenen Ressourcen möglich sein? Welche Erwartungen haben die alten und neuen Bewohner*innen der Region an den öffentlichen Raum? Und wie kann dieser so gestaltet werden, dass sich sowohl Zugewanderte als auch Gäste darin wohlfühlen? Unbestreitbar ist auch, dass die gebaute Umwelt ein entscheidender Faktor dafür ist, wie die Zukunft aussehen wird und welche Möglichkeiten sie bieten wird. Diese Zukunft wird in der Gegenwart geplant, aber nur wenige wissen von ihrer Form und Gestalt. Wie viele Menschen müsste man in Bozen, Meran oder kleineren Agglomerationen ansprechen, um jemanden anzutreffen, der/die eine Vorstellung davon hat, wie diese Städte oder ländlichen Räume in 20 Jahren aussehen werden? Es ist bedenklich, dass kaum jemand, der nicht Experte ist, ein Bild von seinem zukünftigen städtischen oder dörflichen Umfeld hat und daher auch nicht wissen kann, ob unsere Gemeinschaften in Zukunft ökologischer und sozialer leben werden.

     

    Es ist bedenklich, dass kaum jemand, der nicht Experte ist, ein Bild von seinem zukünftigen städtischen oder dörflichen Umfeld hat 


    Noch bedenklicher ist, dass es fast unmöglich scheint, sich ein solches Bild machen zu können. Als Südtiroler, der im Ausland lebt, bin ich natürlich nicht auf dem Stand der aktuellen Planungen und damit auf die Auskunft von Freund*innen, Bekannten, Familie und natürlich auch Architekt*innen angewiesen. Dabei fallen Stichworte wie Umfahrung, Bahnstrecke oder Tunnel – es geht in erster Linie um Infrastruktur, sogar sehr spezifisch um Verkehrsplanung. Aber wie kann Südtirol sich qualitativ weiterentwickeln? Grüner, inklusiver, beteiligungsorientierter? Wenn ich im überschaubaren Basel oder im unüberschaubaren Paris eine beliebige Person ansprechen würde, könnten doch die meisten ein Bild von ihrer Zukunft beschreiben. Und zwar meist mit der Grundzuversicht, dass diese besser werden wird.

  • * A partire dal numero 135 di Turris Babel, nel corso del prossimo anno presenteremo, alternandoci al nostro consueto ritmo di due settimane, testi ed esempi relativi a una possibile Casa per l'Architettura in Alto Adige. In questo modo desideriamo avvicinare il tema a un vasto pubblico e scoprire insieme i vantaggi e il significato di una tale istituzione per l'Alto Adige.

    Un ringraziamento va al team di Turris Babel, sotto la direzione di Alberto Winterle, e al curatore del numero, Andreas Kofler, che hanno accolto e sviluppato questo tema.

    Finora:

    *Siamo pronti

    *Und dann?

    *Domus architecturae

    *Un’ esistenza nomade

  • Dieses »besser« ist zum Glück nicht mehr ausschließlich synonym mit dem (kapitalistischen) Mehr oder Reicher, dem Neuen, sondern umfasst auch das (ökologische) Pflegen, Reparieren und Aufwerten des Bestehenden. Der verbreitete Eindruck, dass die Entwicklung Südtirols von Tourismus und Immobilienspekulation willkürlich und ohne politische Gesamtvision vorangetrieben wird, mag übertrieben und fatalistisch sein. So oder so ist er aber Quelle von Frustration, vermittelt das Gefühl eines latenten Kontrollverlustes und trägt zu einer depressiven Grundstimmung bei.
    Die Möglichkeit, an der Gestaltung der räumlichen Zukunft mitzuwirken, sollte daher auch eingefordert werden, vor allem dann, wenn die proaktive Information darüber sehr spärlich ist und zu bleiben droht. Handlungsbedarf besteht vor allem in der Raumplanung, wo ein breiter und kontinuierlicher Dialog zwischen Politik und Gesellschaft aufgebaut werden muss und idealerweise in einem Architekturhaus ein gemeinsames Forum finden würde, in dem man sich begegnen, diskutieren und auch aneinander reiben kann. Einige solcher Orte existieren bereits in Südtirol und werden im folgenden inventarisiert und beschrieben. Wenn man alle Akteure und Aktivitäten zusammen-zählt, kann man erkennen, dass es das Südtiroler Haus der Architektur eigentlich schon gibt. Nicht als eine gebaute Form, sondern als ein Kollektiv, in dem jedes Teil auch auf den Erfahrungen der anderen aufbauen konnte. Querbeziehungen, auch mit anderen Ländern, lassen ein informelles Netzwerk mit produktiven Symbiosen und spannenden Verbindungen erkennen. Die Formalisierung durch die öffentliche Hand steht jedoch noch aus, sodass bestimmte Strukturen weiterhin auf Sponsoren, Förderer*innen und Mitglieder angewiesen bleiben. Dennoch, und sogar gerade deshalb, ist es wichtig, dass wir nicht aufhören zu reden; und das in so vielen Sprachen wie möglich.