Film | BFFB 2025

Filme und Faschismus

Drei Filme in denen die Thematik Faschismus auf unterschiedliche Weise angegangen und gezeigt wird, sind demnächst beim BFFB zu sehen. Ein nicht zensurfreier Vorgeschmack
Film
Foto: Helios Sustainable Films
  • Das Bozner Siegesdenkmal als obskures Objekt der Begierde? Der in Bozen aufgewachsene Filmemacher Lorenz Zenleser lässt es in seinem Kunstfilm How (not) to film a fascist Monument am 6. April im Rahmen des BFFB über die Leinwand flackern. Mal erscheint es als animiertes, monumentales Denkmal-Ding wie aus einem Videospiel, mal als nachgestelltes Archivmaterial im Jetzt. 1928, während der Herrschaft des faschistischen Regimes in Italien erbaut und eingeweiht, steht es auf dem ehemaligen Platz des Andreas-Hofer-Denkmals. Es ist ein Denkmal zur Feier des faschistischen Italiens und markiert die vermeintliche Überlegenheit einer neuen Kultur über die bereits ansässige deutschsprachige Bevölkerung.

  • Revoltierende Kamera: Überhöhtes Siegesdenkmal im Kurz- und Kunstfilm von Lorenz Zenleser. Die Kamera demontiert es. Foto: Lorenz Zenleser

    Zenleser nähert sich diesem faschistischen Bauwerk mit der Frage, wie seine Zeugenschaft kritisch zu hinterfragen wäre, und dokumentiert es, ohne die in Stein gemeißelten Botschaften zu reproduzieren – zunächst durch bestehende digitale Reproduktionen des Bauwerks, schließlich mit einer Doppel-8-Kamera. Öffentliche digitale Bilder treffen auf intime Schwarz-Weiß-Aufnahmen: Silhouetten von Marmorsäulen, Metallinschriften auf Soldaten- und Publikumsköpfen. Doch plötzlich beginnt das Bild zu flackern. Die Kamera revoltiert, während das Denkmal am einst angedachten Friedensplatz weitgehend unberührt bleibt. Sein Abbild auf Film hingegen wird kontinuierlich fragmentiert und verzerrt. Zenlesers Kunstfilm zeigt eindrucksvoll, wie man ein faschistisches Denkmal filmen kann. Wie so oft haben Kunst und Kultur die besseren Antworten als die Politik, die einst autoritäre sowie die heutige leicht vergessliche. 
     

    Es ist aber auch kein Nachteil, es nicht zu kennen – und es nach Balentes zu lesen.


    Vor dem Hintergrund des Faschismus und am Vorabend des Zweiten Weltkriegs spielt auch eine andere Filmgeschichte eine Rolle: Balentes, eine in Sardinien beheimatete Erzählung, die von einem Pferdediebstahl handelt. Die Protagonisten sind die beiden Jungen Ventura und Michele, der eine elf, der andere 14 Jahre alt. Ihre völlig idealistischen Absichten sind klar: Sie wollen die Pferde befreien, damit sie nicht im Krieg sterben. Das sardische Wort Balentes steht für Mut und Tapferkeit und bezieht sich auf Personen mit starkem Charakter, die sich durch Ehre und Durchsetzungsvermögen auszeichnen. Wer das Buch von Emilio Lussu Marcia su Roma e dintorni (in der Übersetzung von Claus Gatterer Marsch auf Rom und Umgebung) bereits kennt, ist klar im Vorteil. Es ist aber auch kein Nachteil, es nicht zu kennen – und es nach Balentes zu lesen. Der Regisseur Giovanni Columbu wird anwesend sein.

  • Trailer von „Balentes“. Ein Animationsfilm vor dem Hintergrund des Faschismus. Er läuft im Hauptwettbewerb.
    (c) Balentes

  • Wie Balentes läuft auch der Film My Boyfriend el fascista im Hauptwettbewerb des BFFB 2025. Die Dokumentation erzählt die Geschichte des linken Filmemachers Matthias und des idealistischen kubanischen Aktivisten Sadiel, der scheinbar endlose Energie besitzt. Während Sadiel mit der Enttäuschung über das kommunistische Kuba zu kämpfen hat, belastet sein ideologischer Wandel hin zu rechten Überzeugungen seine Beziehung zu Matthias. Dieser versucht, seinen progressiven Idealen treu zu bleiben. Ihre Beziehung spiegelt größere gesellschaftliche Konflikte wider und stellt sowohl politische Überzeugungen als auch die Vorstellung einer idealen queeren Partnerschaft auf die Probe. Mit Originalität und einer Prise Ironie verknüpft dieses intime Porträt ein hochpolitisches Thema mit einer persönlichen Liebesgeschichte, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Gezeigt wird der „Liebes“-Film des Südtiroler Regisseurs und Hauptprotagonisten Matthias Lintner am 5. April (16.30 Uhr) und am 7. April (21.00 Uhr). Hier der Trailer, der leider nicht in den SALTO-Artikel eingebettet werden kann. Zensur? Spezielle Youtube-Regeln? 
    Gehen Sie einfach ins Kino! Und setzen Sie sich kritisch mit Faschismus auseinander. Die aktuelle Politik tut dies leider viel zu wenig. Oder gar nicht.

  • Sadiel und Matthias: Unermüdliche Meinungsverschiedenheiten. In „My Boyfriend el fascista“ geht es hin und her. Foto: SALTO
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