Economia | Energiewende

Südtirolgas setzt auf Gas aus Stallmist

Die Südtirolgas AG speist erstmals Biomethan in ihr Netz ein. Der Rechtsstreit zum Heizkessel-Verbot liegt noch auf Eis, das Urteil soll in den nächsten Wochen fallen.
Bioenenergie St. Lorenzen
Foto: Südtirolgas AG
  • Im Pustertal tut sich derzeit einiges in Sachen Energiewende: Seit wenigen Tagen ist nicht nur die italienweit erste kombinierte Wasserstoff- und Stromtankstelle von Alperia in Betrieb, sondern am 19. Jänner ging auch die Bioenergie St. Lorenzen ans Netz. Die landwirtschaftliche Genossenschaft produziert Biomethan, das zu 99,5 Prozent aus der Vergärung von Stallmist stammt. Durch die anschließende Aufbereitung kann das daraus gewonnene Biomethan ins Verteilernetz von Südtirolgas eingespeist werden und damit Erdgas ersetzen. Auf dieses Ziel haben die beiden Unternehmen seit rund fünf Jahren hingearbeitet. 

    Das sei der erste wichtige Schritt in Richtung Dekarbonisierung einer Energieinfrastruktur, die in Zukunft nicht mehr ausschließlich Erdgas verteilen wird, sondern jede Art von „Green Gas“, die durch technologische Entwicklung und Forschung verfügbar wird – vom Biomethan über synthetisches Methan bis hin zu Wasserstoff, teilt Südtirolgas in einer Aussendung mit. Die Verteilergesellschaft beliefert 40.000 Haushalte in 64 Gemeinden Südtirols. Aus physikalischer Sicht werde das erzeugte Biomethan überwiegend von Haushalten verbraucht, die an das Netz im Pustertal und am Eingang des Gadertals angeschlossen sind.

  • Der Rechtsstreit um Heizkessel und Wärmepumpen

    Letzte Woche hat das erste Gerichtsverfahren der Südtirolgas AG und der Selgas GmbH in Bozen stattgefunden. Da sich die Kläger trotz Gespräche nicht mit dem Land einigen konnten, soll das Verwaltungsgericht in den nächsten Wochen sein Urteil fällen. Bei der Klage gegen das Land geht es um ein bereits ausgesetztes Dekret der Landesregierung von 18. März 2025, das ein teilweises Verbot von Öl- und Gasheizungen vorsieht. So hätte die Installierung von klimafreundlichen Wärmepumpen forciert werden sollen. 

  • Energielandesrat Peter Brunner: Die Landesregierung will Gasheizungen in Zukunft mit Wärmepumpen ersetzen, die Südtirolgas AG sieht hingegen in Biomethan eine ernst zu nehmende klimafreundliche Alternative. Foto: LPA / Fabio Brucculeri
  • Laut dem Südtiroler Klimaplan verursachen nicht-industrielle Verbrennungsprozesse wie das Heizen 20 Prozent der CO2-Emissionen hierzulande. Deshalb soll der Verbrauch von Öl und Gas für Heizzwecke bis 2030 um 60 Prozent und bis zum Jahr 2037 um 85 Prozent reduziert werden. Südtirolgas-Direktor Michele Gilardi schlägt als Alternative zu den kostspieligen Wärmepumpen den Einsatz von Biomethan vor. Laut Einschätzung der Europäischen Union zählt Biomethan aus organischen Reststoffen zu den erneuerbaren Energiequellen und gilt als nahezu klimaneutral, da bei der Verbrennung nur zuvor gebundene Treibhausgase freigesetzt werden.

    Südtirolgas äußert bereits seit geraumer Zeit den Wunsch, dass die öffentliche Hand die Biomethanproduktion in Südtirol unterstützt – insbesondere mit Blick auf das Biomethan, das in den wichtigsten öffentlichen Kläranlagen oder in Anlagen zur Vergärung von Bioabfällen erzeugt werden könnte. Beispielsweise produziert die Biogas Wipptal GmbH bereits Biomethan aus Gülle, das über eine Bio-LNG-Tankstelle verkauft wird.