Ambiente | Erneuerbare Energie

China: Führend bei Erneuerbarer Energie

Während die Regierung Trump das Pariser Klimaabkommen verlassen hat und wieder verstärkt in fossile Energien investiert, setzt China weiter auf das Wachstum erneuerbarer Energien.

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Photovoltaik-Anlage
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  • Weltweit lässt sich im Elektrizitätssektor der größte Fortschritt beim Ausbau der erneuerbaren Energien beobachten. Die Dynamik verschiebt sich zunehmend von den Industriestaaten hin zu den Schwellenländern, wobei China eine führende Rolle einnimmt.

    Die Vereinigten Staaten haben unter Präsident Trump das Pariser Klimaabkommen verlassen und fördern wieder vermehrt die Nutzung von fossiler Energie, während sie Projekte für saubere, erneuerbare Energie verzögern oder blockieren.

    Die EU-Länder spielen nach wie vor eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz und verzeichnen erhebliche Fortschritte beim Umstieg auf erneuerbare Energien, so betrug der Anteil von erneuerbarer Energie bei der Elektrizitätsgewinnung im Jahr 2025 fast 50%. Allerdings hat Brüssel Entscheidungen getroffen, welche die Erreichung der Klimaziele verzögern 1/. Der Ausbau erneuerbarer Energien braucht erhebliche finanzielle Ressourcen. Es ist zu befürchten, dass stark steigende Verteidigungsausgaben in den EU-Mitgliedstaaten zu einer Kürzung bei den Förderungen  von erneuerbarer Energien führen könnte.

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  • China setzt seinen Weg zum Umstieg auf Erneuerbare Energie konsequent fort und ist inzwischen mit Abstand führend sowohl beim Ausbau, als auch bei der Produktion von erneuerbaren Energien. Peking geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern es will die Abhängigkeit von importierter Energie (Gas, Erdöl und Kohle) verringern und zudem ist die Energiewende ein strategischer Faktor für den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes.

    Mit einer Solar- und Windkraft-Kapazität von über 1,5 Gigawatt im Jahre 2025 ist China mit großem Abstand der weltweite Spitzenreiter. Im Jahr 2025 überschritt China eine entscheidende Schwelle, indem erstmals mehr Stromkapazität aus erneuerbarer Energie genutzt wurde als aus fossilen Energien. Der starke Anstieg der Solar- und Wind-Kapazität ermöglichte es China auch, den Anteil der Kohleverstromung am gesamten Energiemix von 64 % im Jahr 2015 auf ein Rekordtief von 42,7 % im vergangenen Jahr zu senken2/

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  • Laut Daten von Global Energy Monitor stieg Chinas Kapazität für erneuerbare Energie im Stromgewinnungssektor zwischen 2015 und 2025 um 253 %, während die Kapazität für fossile Energien nur um 50 % zunahm. Insgesamt nahm die Stromerzeugungskapazität im selben Zeitraum um 113 %  zu. 

  • China dominiert weltweit die Solar- und Windstromerzeugung sowie die Herstellung und den Export der hierfür erforderlichen Anlagen

    Chinas Anteil an der weltweiten Solarstromerzeugung betrug im Jahre 2024 fast 40%. An zweiter Stelle rangierten die Vereinigten Staaten mit 14,5% vor Indien mit 6,5%.  Alle EU-Länder zusammen machten 14,3% aus. Auch bei der weltweiten Windstromerzeugung lag China mit einem Anteil von 39,7% an erster Stelle, gefolgt von den USA mit 18,2% und Deutschland mit 5,5%, während alle EU-Länder zusammen eine Anteil von fast 20% erreichten.

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  • Im Jahr 2024 ging das weltweit größte Photovoltaik-Kraftwerk in China ans Netz. Der neue Solarpark, der über eine Leistung von 5 GW verfügt, liegt in Xinjiang, einer überwiegend wüstenartigen Region im Nordwesten des Landes und erstreckt sich über mehr als 2.000 Hektar. Damit übertrifft er den bisherigen Rekord von 3 GW, den zuvor zwei weitere Anlagen in China hielten.

    China dominiert auch wirtschaftlich die Solarindustrie. Mehr als achtzig Prozent der globalen Produktion von PV-Modulen und Vorprodukten stammen von chinesischen Unternehmen. China fertigt und exportiert auch die weltweit meisten Windkraftanlagen.

  • Chinas CO2 Emissionen stagnieren trotz Wirtschaftswachstum

    China, der weltweit größte Treibhausgasemittent, verzeichnet seit 2024 eine Stabilisierung der Emissionen, maßgeblich verursacht durch den Ausbau erneuerbarer Energien. 2/ 

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  • China führt weltweit bei Produktion und Export von Elektroautos

    Der chinesische Markt machte 2025 mehr als die Hälfte aller weltweit verkauften Elektroautos aus und wuchs deutlich stärker als der Markt in Europa oder in den USA. Staatliche Förderungen, fallende Batteriepreise und eine sehr große Modellvielfalt führten dazu, dass Elektroautos in China und auch in anderen Ländern für zahlreiche Käuferinnen und Käufer zur ersten Wahl wurden. Chinas Autoexporte stiegen im Jahr 2025 um 21%, angetrieben vor allem durch mehr Exporte von Elektrofahrzeugen, während sich die Inlandsnachfrage verlangsamte. 

    Der chinesische Autohersteller BYD hat die Verkäufe von E-Autos weiter gesteigert und seine globale Führungsposition sowohl bei den vollelektrischen Autos, als auch im Plug-in-Hybrid-Segment weiter gefestigt. Der Absatz verteilte sich nahezu ausgeglichen auf rund 2,26 Millionen vollelektrische Autos sowie 2,29 Millionen Plug-in-Hybride.6/  

    Bemerkenswert ist auch, dass BYD im Jahr 2025 erstmals mehr vollelektrische Autos verkauft hat als Tesla, der bisher Spitzenreiter war. BYD setzte rund 2,26 Millionen vollelektrische Fahrzeuge ab, während Tesla im gleichen Zeitraum etwa 1,66 Millionen vollelektrische Fahrzeuge verkaufte.

  • China verfügt über die weltweit größte Batteriespeicher-Kapazität

    Wind- und Solarstrom entstehen dann, wenn Wind weht und Sonne scheint, und nicht dann, wenn viele Menschen Strom benötigen. In einem System mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien entsteht dadurch häufig ein Auseinanderlaufen von Erzeugung und Verbrauch. Batteriespeichersysteme (BESS) sind Geräte, die elektrische Energie – meist aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind – in wiederaufladbaren Batterien speichern, um sie später zu nutzen. Sie sind entscheidend für die Stabilisierung von Stromnetzen und die Bereitstellung von schnell abrufbarer Leistung. 

    Da China seine Wind- und Solarenergie rasant ausbaut, wird die Notwendigkeit einer flexiblen Stromnetzgestaltung immer wichtiger. Wie beim Markt für Solarmodule, Windkraftanlagen und Elektroauto, dominiert China auch im Bereich der Batteriespeichersysteme den globalen Markt und macht rund zwei Drittel der weltweit installierten Kapazität aus.

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  • Im Jahr 2024 verfügte China über eine installierte Batteriespeicher-Kapazität von 215,5 GWh, das ist mehr als doppelt so viel wie die nächsten neun Länder zusammen. An zweiter Stelle folgen die USA mit 82,1 GWh installierter Kapazität vor dem Vereinigten Königreich mit lediglich 7,5 GWh. Laut Medienberichten ist die Batteriespeicher-Kapazität auch im Jahr 2025 in China, aber auch in anderen Ländern weiter stark gestiegen.

    Für die kommenden Jahre plant China Speicherkapazitäten von insgesamt 505,6 GWh, die USA planen 162,5 GWh. Es wird erwartet, dass auch andere Länder ihre Kapazitäten künftig stark erhöhen, vor allem dank sinkender Kosten für Lithium-Ionen-Batterien und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

  • Auch bei Wärmepumpen will China Nummer 1 werden

    Ähnlich wie in anderen Bereichen der erneuerbaren Energien, strebt China auch danach den Wärmepumpenmarkt nicht nur in China, sondern auch im Ausland maßgeblich mitzugestalten. Dazu gibt es ein Dokument der chinesischen Regierung „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“, in dem unter anderem geplant ist, bis 2030 die nationale Wärmepumpenindustrie deutlich zu verbessern und die Standards zu erhöhen, um sich damit weltweit einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Geplant ist mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren, um Wärmepumpen zu entwickeln, die 2030 im Durchschnitt mindestens 20 Prozent effizienter sind als heute. Wärmepumpen sollen auch in kleineren, kompakteren Formaten angeboten werden, die schnell und einfach eingebaut werden können. In China sollen Wärmepumpen nach und nach Kohleverbrennungsanlagen ersetzen, nicht nur in Wohngebäuden, sondern auch in Schulen, Krankenhäusern, Hotels und Büros. 

  • Was macht China beim Umstieg auf erneuerbare Energien so erfolgreich?

    Der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien in China zielt nicht nur auf den Klimaschutz ab, sondern ist Teil einer geopolitischen Strategie, die auf die Sicherstellung der Energiesouveränität ausgerichtet ist. Zudem möchte China seine globale Präsenz ausbauen, indem es E-Autos, Batterien, Solarpaneele, Windkraftanlagen und Wärmepumpen vermehrt exportiert, um seinen Handel zu steigern und das Wirtschaftswachstum zu fördern.

    Chinas Erfolg bei erneuerbaren Energien lässt sich auf eine Reihe zum Teil miteinder verknüpfter Faktoren zurückführen. Zuerst ist staatliche Unterstützung entscheidend: Subventionen und Förderprogramme, klare politische Leitlinien und langfristige Planung geben Investoren Investitionssicherheit und lenken Ressourcen gezielt in Schlüsselbereiche. 

    Zweitens führen sehr hohe Produktionsvolumina, kosteneffiziente Fertigung und eine stark integrierte Infrastruktur zu signifikanten Kostenvorteilen und zu einer robusten Lieferkette.

    Drittens sind Batterie- und Vorleistungsketten durch eine breite Rohstoff- und Batterieherstellerbasis, vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette und die Entwicklung neuer Batterietechnologien gut ausgebaut.

    Viertens schafft der Zugang zu Märkten Wachstumsimpulse: ein großer Binnenmarkt, Preis- und Mengenvorteile durch lokale Produktion sowie politische Absicherung gegen importierte Konkurrenz stärken die Position chinesischer Unternehmen. Zusätzlich tragen Kostenvorteile wie günstige Arbeitskraft, effiziente Logistik und ein gut etabliertes Umfeld rund um die Automobilbranche zur Wettbewerbsfähigkeit bei.   

    Auch der neue Fünfjahresplan Chinas (2026–2030) setzt auf eine weitere Steigerung der erneuerbaren Energien. Diese sollen nicht nur Umwelt- und Klimaschutz stärken, sondern auch die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit durch technologische Innovationen, insbesondere im Energiesektor, sichern und Chinas technologische Souveränität festigen. Folglich lässt sich erwarten, dass China seine führende Rolle im Bereich der erneuerbaren Energien auch in Zukunft beibehält.

  • 1/ Die EU hat kürzlich beschlossen das Emissionshandelssystem (EU ETS) für Straßenverkehr, Gebäude und weitere Sektoren um ein Jahr zu verschieben. Erst ab 2028 sollen Brennstoffe wie Benzin und Gas mit einbezogen werden, um vorübergehende starke Preisanstiege beim Tanken und Heizen zunächst abzumildern. Außerdem wurde für 2040 ein abgeschwächtes Klimaziel beschlossen.

    2/ In China ist Kohle mit einem Anteil von über 40% bei der Stromerzeugung immer noch die wichtigste Energiequelle. China besitzt große Kohlereserven, muss aber zusätzlich auch Kohle importieren. Neben Wind- und Solarenergie baut China auch neue Kohlekraftwerke, offiziell im Rahmen eines souveränen Übergangsplans, der einen reibungslosen Wandel zu erneuerbaren Energien unterstützen soll.

    3/ Onshore-Windkapazität: Windkraftanlagen, die an Land installiert sind. Offshore-Windkapazität: Windkraftanlagen, die auf dem Meer installiert sind,

    4/ Großanlage-Solarkapazität: sehr große Fotovoltaikanlagen, die für den Strommarkt in großem Umfang Strom erzeugen und ins Netz einspeisen. Der Standort ist meist weit außerhalb von Wohngebieten (Freiflächenprojekte oder große Dachflächen), der Anschluss ist direkt ans Netz über Übertragungs- bzw. Verteilnetze, oft werden solche Anlagen von Energieversorgern oder großen Investoren betrieben.

    5/ Verteilte Solarkapazität: kleinere Fotovoltaikanlagen, die nahe am Verbraucher sind. Dazu zählen Dachanlagen (Wohngebäude, Gewerbe, Industrie) sowie kleine bis mittlere Freiflächenanlagen, die in das lokale Verteilnetz einspeisen. Ziel ist meist eine unmittelbare Stromversorgung vor Ort, Netzentlastung, Reduzierung von Netzverlusten und Förderung dezentraler Erzeugung. 

    6/ Ein vollelektrisches Fahrzeug (BEV) hat nur einen elektrischen Antrieb, während ein Plug-in-Hybrid (PHEV) einen elektrischen Antrieb mit einem Verbrennungsmotor kombiniert. Ein Plug-in-Hybrid  kann rein elektrisch fahren, nutzt aber auch den Verbrenner, wenn der Akku leer ist.