Das Spiel mit dem Feuer
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James Cameron hat sich einiges vorgenommen, als er plante, seinem Erfolgsfilm Avatar nicht eine, nicht zwei, nein ganz vier Fortsetzungen zu spendieren. Rein erzählerisch kam zurecht die Frage auf, was der Regisseur hier noch erzählen will, inszenatorisch und die Welt betreffend war sicherlich noch einiges offen, was man beleuchten könnte. Das tat Cameron 2022 mit der direkten Fortsetzung, The Way of Water, nun, drei Jahre später, entflammte er ein neues Element: Fire and Ash heißt der dritte Teil, der die Geschichte fortsetzt und sich, das wird im Laufe der über dreistündigen (eine wiederkehrende Zahl) Laufzeit bald klar, in Wiederholungen übt. Jake Sully und seine Familie stehen abermals im Zentrum des Konflikts zwischen den verschieden schattierten, zumeist aber blau gefärbten Na’vi und den Menschen, den „Himmelsmenschen“ in ihren Blechbüchsen, die Feuerregen über die idyllischen Landstriche Pandoras niederprasseln lassen. Dabei führt Cameron in Teil 3 ein neues Na’vi-Volk ein, das dem Feuer zugewandt ist und dessen Haut wie von Asche überzogen wirkt. Dessen Anführerin Varang wird gleichzeitig als neue Gegenspielerin eingeführt, nicht der Menschen, sondern der „guten“ Na’vi rund um Jake. Unterstützt wird sie dabei einmal mehr vom mittlerweile im Körper eines Na’vi wandelnden Col. Miles Quaritch, dem Antagonisten aus Teil 1 und 2. Bald merkt man, dass das Erzählte sich gerne noch weiter in den Hintergrund verziehen möge, oder, im Gegenteil, sofern es Interessanteres bereithalten würde, nach vorne preschen dürfte.
Das neue Volk samt ihrer Anführerin bleibt überraschend blass.
Nichts davon geschieht leider, weshalb Avatar 3 über die gesamte Laufzeit keine erzählerischen Akzente oder gar interessante Wendungen schafft. Das neue Volk samt ihrer Anführerin bleibt überraschend blass, was erstaunt, wenn man bedenkt, wie eindrucksvoll das Wasservolk aus Teil 2 eingeführt und in langen, etablierenden Szenen deren Habitat inszeniert wurde. Nur in einer kurzen Szene zeigt Cameron in Teil 3, wie das Feuervolk haust, von ihrer Kultur erfahren wir nur, dass sie es nicht gut mit den anderen Na’vi meinen. Das ist schade, da Hass gegen ein anderes Volk noch keine Kultur im Kern definiert hat.
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Wenn die Erzählung schon nicht motiviert, die Augen fest auf die Leinwand gerichtet zu halten, so sollte zumindest die Inszenierung, das Spektakel, das im Fall von Cameron zu erwarten ist, überzeugen. Und das tut es die meiste Zeit. Abermals beweist der Regisseur, dass er ein Meister des Action-Kinos ist, doch auch ruhigere Momente, die elegischen Kamerafahrten durch die Flora und Fauna Pandoras sind wieder von faszinierender Schönheit, besonders im Kino. Zwar ist technisch gesehen kein so großer, visueller Sprung wie von Avatar 1 auf Avatar 2 zu sehen, doch das zu erwarten wäre angesichts der kürzeren Zwischenzeit von nur drei Jahren auch vermessen. Nach dem ersten Film vergingen immerhin 13 Jahre, bis die Fortsetzung erschien.
Wer schon aus Teil 2 nichts für sich ziehen konnte, wird auch den dritten Film mäßig finden.
Den großartig inszenierten Sequenzen im dritten Teil fehlt es an emotionaler Kraft. Sicher, alles sieht schön und perfekt heruntergefilmt aus, die digitale Welt überzeugt mit hyperrealistischen Bildern, doch vielen Zuschauer*innen wird das recht gleichgültig sein, da sie von kaum einer der Figuren und ihrer inneren Reise gepackt werden. Avatar 3 ist einmal mehr vor allem Schauwert. Das vereint ihn mit seinen Vorgängern, von denen der erste noch immer hervorsticht – aufgrund der innovativen Kraft, die der Film auf das moderne Blockbusterkino hatte. Zwischen Teil 2 und 3 sind nur wenige Unterschiede auszumachen. Mehr vom Gleichen, diesen Spruch könnte man bemühen, oder aber: Wer schon aus Teil 2 nichts für sich ziehen konnte, wird auch den dritten Film mäßig finden. Und das sind diese Fortsetzungen: Mäßig, doch schön anzuschauen. Rein qualitativ rangieren auf demselben Level. Was genau der Regisseur an seine Schöpfung fesselt, bleibt das erwartete Fragezeichen.
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James Cameron ist 71 Jahre alt und zwei weitere Avatar-Filme stehen noch aus. Kürzlich sprach er darüber, dass der Erfolg des dritten Teils über die Zukunft der Reihe entscheiden wird. Immerhin waren Teil 1 und 2 enorm profitabel und stehen auf Platz 1 (Avatar) und Platz 3 (Avatar 2) der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Viele Fans des Regisseurs hoffen dennoch, er möge die Regie und somit die Verantwortung bei zukünftigen Ablegern abgeben und sich wieder anderen, neuen Projekten zuwenden. Etwa seinem Atombomben-Film Ghosts of Hiroshima, der immer wieder in Gesprächen durchs Netz geistert. Es wäre eine geerdete Geschichte, ganz und gar menschlich und frei von blauen Göttern.
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Ich hab's mit meiner Tochter in 3D angesehen: der Film enttäuscht in seinen Wendungen immer wieder.
Und gerade die Dialoge sind zuweilen so platt, dass man aufstehen und gehen möchte.
Manche "Sprüche" sind einfach nur peinlich - man fragt sich, für wen diese simplen, primitiven und teils anödenden Sprüche eingebaut sind.