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Gebaute Geschichte

Kulturhistorisch bedeutsame Siedlungen? Wie soll mit den während der Option entstandenen Südtiroler Siedlungen in Österreich umgegangen werden?
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Sanierte Südtiroler-Siedlung in Lochau
Foto: Böhringer Friedrich - Wikipedia
  • Im Rahmen der Option wanderten zwischen 1939 und 1943 ca. 77.000 Südtirolerinnen und Südtiroler aus. Doch auch sie brauchten damals Unterkünfte. In kürzester Zeit entstanden in verschiedenen österreichischen Ortschaften die sogenannten „Südtiroler Siedlungen“: Wohnkomplexe in einheitlicher Bauweise. Auch fast 90 Jahre nach ihrer Errichtung stehen diese Siedlungen vielerorts noch. Doch sie sind in die Jahre gekommen, nicht barrierefrei, schlecht gedämmt, baufällig, weshalb sie auch im Zentrum einer Debatte stehen: Soll man die Südtiroler Siedlungen abreißen? Oder lohnt es sich sie als architektonische Zeitzeugen zu erhalten?

  • Ein Kampf von kultureller, ökologischer und sozialer gegen wirtschaftliche Werte

    Sabrina Catherine Münzer hat sich in ihrer Masterarbeit mit den Südtiroler Siedlungen beschäftigt. „Ende 2023 habe ich vom Abbruch der Siedlung Bregenz-Rheinstraße erfahren und ich war schockiert. Denn ich habe selbst auch mal in einer der Südtiroler Siedlungen in Bregenz gewohnt. So bin ich auf das Thema gekommen“, schildert sie. „Das Wohnen in den Südtiroler Siedlungen hat sehr viele Nachteile, aber auch sehr viele Vorteile, gerade im Zusammenleben. Dort kennt man die Nachbarn, man hilft einander, heutzutage ist ja eher selten geworden. Während meines Architekturstudiums habe ich mich auch sehr viel mit Nachhaltigkeit im Bauwesen beschäftigt, mit Upcycling und sogar mit zirkulärer Architektur. Auch deshalb wollte ich mit meiner Masterarbeit dieser Siedlung eine Stimme geben.“

  • Foto: (c) privat

    Sabrina Catherine Münzer hat sich in ihrer Masterarbeit mit den Südtiroler Siedlungen beschäftigt. „Ende 2023 habe ich vom Abbruch der Siedlung Bregenz-Rheinstraße erfahren und ich war schockiert. Denn ich habe selbst auch mal in einer der Südtiroler Siedlungen in Bregenz gewohnt. So bin ich auf das Thema gekommen“, schildert sie. „Das Wohnen in den Südtiroler Siedlungen hat sehr viele Nachteile, aber auch sehr viele Vorteile, gerade im Zusammenleben. Dort kennt man die Nachbarn, man hilft einander, heutzutage ist ja eher selten geworden. Während meines Architekturstudiums habe ich mich auch sehr viel mit Nachhaltigkeit im Bauwesen beschäftigt, mit Upcycling und sogar mit zirkulärer Architektur. Auch deshalb wollte ich mit meiner Masterarbeit dieser Siedlung eine Stimme geben.“

  • Münzer spricht sich kategorisch gegen einen Abriss der Siedlungen aus. „Es ist ein schwieriges Thema“, räumt sie ein. „Und ich glaube, die meisten kennen die Geschichte dieser Siedlungen gar nicht. Die Option hat eine enorme Wohnungsnot in Österreich ausgelöst. Innerhalb eines Jahres wurden unter schwierigsten Bedingungen Wohnungen für 77.000 Menschen gebaut, über 100 Siedlungen in ganz Österreich. Dabei lag der Fokus auf Effizienz und Standardisierung. Und für die damalige Zeit war das eine sehr große Leistung. Doch jetzt sind all diese Siedlungen fast 100 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß. Nun stehen wir vor der Frage: Renovieren oder Abbruch und Neubau? Und Neubau ist leider immer noch günstiger als der Erhalt der Siedlungen. Auch Fördermodelle sind auf Neubau ausgelegt. Und da es sich bei den Südtiroler Siedlungen um gemeinnützigen Wohnbau handelt, ist eine Sanierung noch mal extra kompliziert, weil die Siedlungen nicht als Einheiten gesehen, sondern jedes Haus einzeln berechnet wird. Eine Sanierung wird also als nicht profitabel gesehen. Im Beispiel von der Siedlung in Bregenz geht das schon so weit, dass die Wohnungen zum Teil leer stehen gelassen werden, einfach, weil das günstiger ist.“

  • Großzügige Grünflächen, aber Spuren der Vernachlässigung. Hier zu sehen in der Südtiroler Siedlung Bregenz-Rheinstraße Foto: © Sabrina Catherine Münzer
  • Dabei werden viele der Südtiroler Siedlungen bis heute bewohnt. „Es gibt eben auch die andere Seite“, erzählt Münzer. „Menschen, die nicht wegziehen wollen, die die Siedlung schätzen. Und als Architektin sehe ich sehr großes Potential in den Siedlungen. Angefangen bei den städtebaulichen Qualitäten, bis hin zu den großzügigen Grünräumen, mit Bäumen die über Jahrzehnte gewachsen sind. Auch die Architektur selbst mit den standardisierten Grundrissen, die schon fast ein Baukastensystem sind. Aber auch die Dinge, die man nicht messen kann, wie die Nachbarschaftsstrukturen. Die Siedlungen sind ein eigenes soziales System, wo man sich noch den Alltag teilt, wo Freundschaften auch zwischen den Generationen entstehen. Und natürlich sind sie ein Kapitel lokaler Geschichte, fast schon ein Denkmal, das von gelungener Integration in Krisenzeiten erzählt.“

    Aber nicht alle Menschen sehen die Siedlungen in so einem positiven Licht. „In den Siedlungen gibt es sehr viele ältere Menschen, die von Anfang an dort gelebt haben, oder die in den Siedlungen geboren wurden. Aber aufgrund ihres Zustandes sind die Wohnungen in den Siedlungen sehr günstig. Deshalb sind in den letzten Jahren vermehrt von Armut betroffene Menschen und Menschen mit migrantischem Hintergrund dort eingezogen. Viele Bewohnende haben das Gefühl sich nur noch eine Unterkunft dort leisten zu können. In Bregenz werden die Siedlungen daher leider auch als Ghetto bezeichnet“, so Münzer.

  • Ein Gebäude der Südtiroler Siedlung Bregenz-Rheinstraße Foto: © Sabrina Catherine Münzer
  • Geschichte und Soziales bewahren, wo es geht

    Silvia Boday ist eine Südtiroler Architektin, die seit vielen Jahren in Innsbruck lebt. Sie hat den Abriss und Neubau der Siedlung Pradler Saggen in Innsbruck umgesetzt. „Mein Zugang zu den Südtiroler Siedlungen ist sowohl biografisch als auch professionell motiviert. Als Südtirolerin, die seit vielen Jahren in Innsbruck lebt und arbeitet, wurde ich von der NHT eingeladen, an Wettbewerben zur Neuplanung nicht mehr erhaltenswerter Südtiroler Siedlungen in Tirol mitzuwirken. Diese Aufgabenstellung führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit ihrer historischen Entstehung, ihrer Typologie und ihrer städtebaulichen Rolle. Vor dem Hintergrund der Option, einem historisch wie emotional hochsensiblen Kapitel, ist ein respektvoller und reflektierter Umgang besonders wichtig. Die in den frühen 1940er-Jahren rasch errichteten Siedlungen heute weiterzuentwickeln, ohne ihren historischen Kontext zu negieren, sondern ihn räumlich zu interpretieren, sehe ich als wesentliche architektonische Verantwortung“, erzählt sie.

     

    alltagstaugliches, praktisches, vielschichtiges, Generationen übergreifendes Verbindungsgeflecht von Wohn- und Siedlungsform, wo man sich daheim fühlt

     

    Auch Boday sieht Potential in den Siedlungen: „Der Gewinn dieses Wettbewerbs im Jahr 2015 war für mich eine große Freude und zugleich eine besondere Verantwortung. Im Rahmen eines geladenen Verfahrens mit österreichweit ausgewählten Architektinnen und Architekten konnte ich mich mit meinem städtebaulichen Konzept für die Südtiroler Siedlung im Pradler Saggen durchsetzen. Das rund 37.500 Quadratmeter große Areal mit etwa 520 gemeinnützigen Wohnungen hat mich planerisch über viele Jahre hinweg begleitet – bis 2025. Im Mittelpunkt stand für mich die Frage, wie sich trotz einer nahezu verdoppelten baulichen Dichte die Qualitäten der bestehenden Siedlung erhalten lassen: ihre Großzügigkeit, die Durchgrünung und der menschliche Maßstab. Gelöst wurde dies durch ein bewusstes Spiel der Höhenentwicklung – mit mäandrierenden Riegelbauten, die sich am Bestand orientieren, sowie fünf gezielt gesetzten Hochpunkten. Der Erhalt der Randbebauung trägt dazu bei, das zeitliche Narrativ der Siedlung weiterzuführen. Die Anordnung der Baukörper ermöglicht eine sehr gute Besonnung der Wohnungen und schafft dazwischen großzügige Grünräume. Begehbare, begrünte Dächer erweitern den Wohnraum nach außen und stehen den Bewohnenden als gemeinschaftlich nutzbare Freiräume zur Verfügung. Das Areal ist weitgehend autofrei organisiert und fußläufig vom neuen Platz im Süden bis zur Sill im Norden durchquerbar – ein Stück Stadt, das trotz hoher Dichte Lebensqualität ermöglichen soll“, erklärt sie die Qualitäten der Neubauten.

  • Die neugebaute Südtiroler Siedlung Pradler Saggen in Innsbruck Foto: (c) David Schreyer
  • Neubauten, die möglichst viel Platz für soziale Vermischung bieten sollen. „Im Wettbewerbsverfahren war klar definiert, dass es sich um gemeinnützigen Wohnbau handelt. Ziel war die Schaffung leistbaren Wohnraums für breite Bevölkerungsschichten. Im Zuge der Entwicklung des Projektes wurden weitere Nutzungen gefunden. Wie zum Beispiel in einem der Hochpunkte, der für leistbare Studierendenwohnungen genutzt wird. Ergänzend dazu sind auch soziale Einrichtungen im Areal untergebracht. Für mich persönlich war dieses Projekt besonders spannend, weil es über das klassische Entwerfen von Wohnungsgrundrissen hinausging. Die Planung eines Studierendenhauses ebenso wie von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung – mit Wohnraum, Tagesbetreuung und Werkstätten – stellt andere räumliche und soziale Anforderungen. Architektur wird hier unmittelbar zu einem Instrument gesellschaftlicher Verantwortung und Teilhabe“, berichtet Boday.

  • Auch der Neubau bietet großzügige Grünflächen und Platz für mehrere Generationen Foto: (c) David Schreyer
  • Trotzdem ist sie nicht der Meinung, dass alle Südtiroler Siedlungen abgerissen werden sollten. „Ich würde nicht sagen, dass ich grundsätzlich für den Erhalt aller Südtiroler Siedlungen bin. Diese Frage muss man immer sehr differenziert betrachten. Entscheidend ist, ob eine Siedlung baulich, räumlich oder historisch tatsächlich erhaltenswert ist. Im Fall der Südtiroler Siedlung im Pradler Saggen halte ich die Entscheidung, die Anlage – mit Ausnahme der Randgebäude – neu zu errichten, für nachvollziehbar. Die vorhandene Substanz war in vielen Bereichen schlicht nicht mehr zeitgemäß. Gleichzeitig gibt es andere Siedlungen, etwa in Kematen, die derzeit sehr aufwendig saniert werden und unter Schutz stehen. Solche Anlagen sind wichtige Zeitzeugen. Sie erzählen von einer bestimmten Epoche, von gesellschaftlichen Umbrüchen und von Wohnbaukonzepten ihrer Zeit. Diese Bau- und Sozialgeschichte zu bewahren, wo immer es sinnvoll und möglich ist, halte ich für äußerst wichtig.“

    Deshalb hat Boday an der Einfahrt zur neugebauten Südtiroler Siedlung auch ein Zitat von Rainer Maria Rilke anbringen lassen: Bleiben ist nirgends. „Gerade weil dieses Quartier neu entstanden ist, war es mir wichtig, ihm auch eine inhaltliche Ebene mitzugeben“, erklärt sie. „Das Zitat erinnert an die Erfahrungen der Südtirolerinnen und Südtiroler, ohne zu moralisieren oder zu belehren. Es soll als stiller Ort des Erinnerns wirken – etwas, das man im Alltag entdeckt, beinahe wie eine Intarsie im Stadtraum, die zum kurzen Innehalten einlädt.“

  • Condominium in mind

    Foto: (c) Fabrizio Boldrin

    Wittfrida Mitterer ist die Hauptautorin des Buches Südtiroler Siedlungen. Condominium in mind, das 2022 im Verlag A. Weger erschienen ist. Darin wird „ein vielschichtiges Projekt präsentiert, das einen umfassenden unveröffentlichten Fundus aufarbeitet. Dabei geht es um die Südtiroler Siedlungen, die anlässlich der Option an 130 Standorten in Österreich gebaut wurden. 1500 Pläne aus der Errichtungszeit (1939 -1944) und Originaldokumente, sowie an die 1000 historischen Fotos und 2400 aktuelle Bildquellen zeigen verschiedene Zeithorizonte an ausgewählten Siedlungsstandorten. Die umfassende Recherche mit historischem und zeitaktuellen Hintergrundmaterial dokumentiert Stimmung und den Lebensraum der Südtiroler Siedlungen. Ich empfehle jeder und jedem das Buch zu lesen. Mein Mitautor Günther Pallaver hat die politischen Randbedingungen und historischen Fakten sehr einprägsam aus erster Hand dargestellt.“

  • Mitterer unterstreicht, wie groß die Leistung war, die Südtiroler Siedlungen zu errichten: „In einer durch den Krieg geprägten Zeit wurde mit den Südtiroler Siedlungen ein Wohnbauprogramm realisiert, das für die Südtiroler und Südtirolerinnen in einer fremden Umgebung einen Wohnraum geschaffen hat, der sich am regionalen Bauen orientiert und weitgehend bewährt und langfristig ein praktikables Wohnmodell geschaffen hat. Das fast einheitliche Erscheinungsbild kann man heute als Ausdruck einer ‚Blut-und-Boden-Ideologie‘ kritisieren. Hinter dieser Gestaltung romantisch-alpiner, regionaler Prägung stand jedoch die Absicht, die Auswanderer sollten sich in den Häusern zu Hause fühlen. Dazu zählte alles, was als Südtiroler Stil empfunden wurde: umlaufende Balkone, Erker, Fensterläden und Fresken an den Hauswänden. Da die lokal mitarbeitenden Architekten formal ansprechende Arbeit leisteten, zeigen die Bauten im Detail viel überraschend gute Lösungen. Vor allem in den raumplanerischen Maßnahmen und in der Gestaltung von Plätzen und Straßenräumen, wohl auch unter dem Einfluss der Gartenstadtbewegung und der Stuttgarter Schule ist Vieles vorbildhaft. “Die Erweiterung des Wohnbereichs durch den Grünraum, wo sich die Gemüsegärten befanden, ermöglichte das Überleben als Selbstversorger. Es bieten sich in Ableitung wertvolle Impulse für zukunftsweisende Wohnformen, die nach der Corona-Pandemie durchaus flexible Grundrisse und zum Innenhof hin zugewandte, halb offene Bereiche für neue Arbeitsräume (Smartworking) erlauben.„

    Für Mitterer ist “Condominium in mind„ der Begriff, der auch die Südtiroler Siedlungen am treffendsten beschreibt. “Er bedeutet so viel, wie ein alltagstaugliches, praktisches, vielschichtiges, Generationen übergreifendes Verbindungsgeflecht von Wohn- und Siedlungsform, wo man sich daheim fühlt. Nicht nur, weil die Gebäude im durchgrünten Raum nebeneinander gebaut sind und miteinander im Dialog stehen, sondern weil es eine interdisziplinäre elementare Verknüpfung zwischen Architektur, Wohnen und dem nachbarschaftlich Sozialen ist. Mit dem Begriff Condominium verbindet man auch in positivem Sinne eine Verflechtung von wirtschaftspolitischen und kulturhistorischen sowie ökonomischen Faktoren, die sich städtebaulich in der Addition von mehreren Wohnungen unter einem Dach manifestieren, oder mehrere Wohnhäuser in einer Wohnzeile oder in der offenen Bauweise, bei der verschiedene Baukörper frei nach raumgestalterischen Gesichtspunkten, am Hang oder in der Fläche, positioniert sind", erklärt sie.

  • Foto: Universitätsbuchhandlung Weger

    „Nach der Unterzeichnung des Optionsabkommens wurde den Südtirolern die Option eingeräumt: Entweder ins Deutsche Reich auswandern und dort in einem gemeinsamen attraktiven Raum siedeln oder unter Verzicht auf ihr Deutschtum im von Italien annektierten Südtirol bleiben. Auf Grund der Kriegsereignisse kam es schon bald zu Verzögerungen. 75.000 Südtiroler wanderten mit ihrem Hab und Gut über den Brenner aus. In aller Eile mussten neue Siedlungen für die Südtiroler Optanten gebaut werden. In 130 Österreichischen Gemeinden wurden Häuser mit insgesamt 13.500 Wohnungen gebaut. Seit der Errichtung hat sich der Bestand der Anlagen zwar verändert, das architektonische und raumplanerische Konzept ist aber noch sichtbar. Architekt war Helmut Erdle.“

  • Und all diese Dinge machen die Südtiroler Siedlungen auch für Mitterer erhaltenswert. „Die Südtiroler Siedlungen, ein erfolgreicher fortschrittlicher Haus-Organismus, befinden sich heute in einer Phase der Metamorphose, die einen behutsamen und pfleglichen Erneuerungsprozess erfordert, der, wenn er seine Eigendynamik unter Einbeziehung der wesentlichen Charakterzüge und deren Qualitäten entwickelt, ein sehr hohes Potenzial hat. Der Bezug zur Natur, zum Mikroklima, der hohe Anteil an Grünraum und die Lagegunst der Grundstücke waren die ökologischen und sozialen Kriterien für die Bauplatzwahl. Heute befinden sich die Südtiroler Siedlungen zumeist im Nahbereich der Stadtmitte, sind gut erschlossen und gerade deshalb besonders gefährdet, von einer Immobilienspekulation ‚verschluckt‘ zu werden.“

    Zudem sieht Mitterer durchaus Möglichkeiten um die Siedlungen fit für die Zukunft zu machen. „Indem sie restauriert werden, siehe das Beispiel Südtiroler Siedlungen in Bludenz. Der Wohnraum in den Siedlungen hält den Ansprüchen stand. Immerhin wird der Bestand heute in dritter Generation bewohnt und die Wohntauglichkeit wird damit durch die Praxis voll bestätigt. Streng genommen sind die Südtiroler Siedlungen Simple-Tech-Bauten, charakteristisch ist die einfache Struktur und die regionalen Baumaterialen, wie Ziegel, Holz, Glas, Eisen, Mörtel. Erstaunlich gut ist der Zustand der Dachlandschaft, die über die Jahrzehnte den Klimaereignissen standgehalten hat.  Die notwendigen Nachrüstungen in den 1980er Jahren insbesondere die Dämmmaßnahmen sind heute nicht mehr zeitgemäß. Durch sie wurden die Gebäude- und Raumhülle in vielen Fällen stark verändert.  Die technischen Möglichkeiten sind heute erweitert und bieten größere Spielraum. Photovoltaik und Wandstrahlheizungen, Wärmepumpen und innovative Verknüpfungen der Technik erlauben eine pflegliche wie gleichwohl energieeffiziente Sanierung. Die Energiefrage, die heute immer essentieller wird, kann durch die Technik gelöst  werden. Jede Siedlung kann zu einem eigenständigen Energiekraftwerk werden, ohne bauliche Veränderungen in Kauf nehmen zu müssen. Photovoltaik kann intelligent inszeniert werden, oder aber wenn sie nicht mehr effizient ist, weil reversibel, entfernt werden.“