Kulturelle Begleitung
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„Wir machen genau das Gegenteil, das Wort Remigration ist nicht in unserem Wortschatz“, meint Präsidentin Franca Toffol auf die SALTO-Frage, wie sie zu dem seit Wochen von der deutsch- wie italienischsprachigen politischen Rechten propagierten Kampfwort Remigration stehe.
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Um das kulturelle Begleiten der etwas anderen Art drehte sich die heute bei einer Pressekonferenz im Teatro Cristallo vorgestellte Initiative „accompagnamento culturale“. Franca Toffol, Präsidentin des Vereins Teatro Cristallo, stellte das nach mehrjähriger Vorbereitung nun fix in den Startlöchern stehende Projekt den Medien vor. Es entstand in Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten Bozens und der Theaterkompanie teatroBlu, die für die künstlerische Recherche im Bereich Kindertheater verantwortlich zeichnet. Ziel des Projekts ist es, Familien in schwierigen Lebenssituationen den Zugang zu Theater- und Kulturangeboten zu ermöglichen.
Das Projekt, das in der vergangenen Theatersaison als Pilotprojekt gestartet ist, hat in diesem Jahr seine Ziele gefestigt und die Zahl der Beteiligten erweitert.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung der Sozialdienste, dass viele Familien mit Kindern aus unterschiedlichen sozialen oder wirtschaftlichen Gründen weder die Möglichkeit noch das Bewusstsein haben, kulturelle Angebote wie Theateraufführungen wahrzunehmen. Genau hier setzt das Projekt an und die Sozialdienste aktivieren ihr Netzwerk von Freiwilligen. Es geht nicht nur darum, gemeinsam Theateraufführungen zu besuchen, sondern vor allem darum, Beziehungen aufzubauen und soziale Kontakte zu fördern – langfristig oder auch zeitlich begrenzt.
Wichtige Kulturarbeit: Ein „Bottom-up“-Projekt, würde die Soziologie meinen – also ein Projekt, das "von unten" wächst und nicht "von oben" angeordnet wird. Foto: Teatro CristalloPaula Santoro von den Sozialdiensten unterstrich die Bedeutung des Projekts aus sozialer Sicht. „Viele Familien in Bozen leben in schwierigen Verhältnissen“, meinte sie, „und gerade für kleine Kinder – etwa im Alter von vier oder fünf Jahren – kann ein erster Theaterbesuch ein prägendes Erlebnis sein.“ Die Freiwilligen würden durch das Projekt nicht nur zu Begleitpersonen, sondern – wie auch eine Freiwillige berichtete – zu wichtigen Bezugspersonen für Kinder und Familien werden: nachhaltige Beziehungen sozusagen, die weit über einen Theaterbesuch hinausgehen.
Positiv hervorgehoben wurde, dass sich immer mehr Freiwillige beteiligen und damit ein Zeichen für Solidarität und Engagement in der Gemeinschaft setzen. Kultur als wirkungsvolles Instrument sozialer Teilhabe – dafür stehe das Projekt, so der allgemeine Tenor. Denn durch „gezielte Unterstützung, persönliches Engagement und die Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen, Sozialdiensten und Freiwilligen entstehen neue Chancen für Kinder und Familien, am kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen und sich als Teil der Gemeinschaft zu fühlen.“ Das Theater wird zu einem Ort solidarischer Nähe, um einander kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen.
Das Projekt, das in der vergangenen Theatersaison als Pilotprojekt gestartet ist, hat in diesem Jahr seine Ziele gefestigt und die Zahl der Beteiligten erweitert. Die Initiatorinnen und Initiatoren hoffen auf nachhaltige Ergebnisse und bedankten sich ausdrücklich bei den Sponsoren, Partnerinnen und Partnern.
Integration mit Theater und Freiwilligenarbeit: Theatervorstellungen im Teatro Cristallo im Rahmen der Reihe „Il teatro è dei bambini“ von "teatroBlu". Der kostenlose und begleitete Besuch der im Programm vorgesehenen Vorstellungen ermöglicht es, Freundschaften zwischen Menschen entstehen zu lassen, die sich im Laufe der Zeit auch außerhalb des Theaters festigen können. Foto: Teatro CristalloVielleicht sollten das Teatro Cristallo und auch andere Kulturinstitutionen im Land jenen bedauernswerten Menschen, die gerade lauthals nach Remigration schreien, ebenfalls begleitete Theaterbesuche anbieten? Denn: Theater hilft!
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