Der schlechteste Manager Südtirols
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Ich muss gestehen, dass meine Fakten für diesen Text nicht up-to-date sind. Ich habe schon vor Jahren aufgehört das Kasblatt zu lesen. Ich habe es einfach nicht mehr ertragen, dass die Chefschreiberling*in und ihre Bosse tatsächlich geglaubt haben, sie würden die Politik in diesem Land machen ... also statt Journalismus. Jetzt steht an der Spitze der Medienkrake - nachdem der christliche Bruder, christlich abgesägt wurde - so was wie eine Dreifaltigkeit: Der Vater und der Sohn und die Heilige der Tunnelbohrer und Mineure. Mehr Katholizismus geht nicht.
Auf jeden Fall gab es in der Zeitung damals so Mitmachformate - nennt man Leserbindung glaube ich: Wählen Sie „Die schönste Alm Südtirols“ beispielsweise. Ich nehme an, es kamen nur Almhütten in eine engere Auswahl, die vorher ordentlich Annoncen geschaltet hatten? Deshalb frage ich mich, warum man nie „Die schönste Leich' Südtirols“ wählen durfte? Ich meine, für die Todesanzeige hatte man ja auch schon kräftig gelöhnt? Andere Formate waren „Sportler des Jahres“ (früher der Domme, jetzt der Monegasse mit Migrationshintergrund - wie langweilig) oder „Miss Südtirol“. Wenn man den Toni vor seinem unfreiwilligen Ruhestand ansprach, warum ihr Rinnsteinblattl Kampagnen wie „Stopp der Gewalt“ ritten, ließ er sich immer mit folgenden Worten zitieren: „Wir sind dem Leser verpflichtet“. In dieser Optik ist die Wahl der Miss Südtirol die Verpflichtung gegenüber einem notgeilen Chauvinismus bäuerlicher Prägung. Ungefähr in der Preisklasse der Werbung auf den Ladetüren des LKW-Anhängers eines Sarner Sägewerkes: Statt Brüste füllen dort Holzscheiben die Körbchen eines tief ausgeschnittenen Dirndls mit dem Spruch „Immer genug Holz vor der Hütte“ … oder so ähnlich. Da feiert der Südtiroler Sexismus Urstände!
Im Fahrwasser dieser Formate gab es dann auch den „Manager des Jahres“. Ich schätze mal, die Vorauswahl überstand nur, wer in den lokalen Tugenden Speichellecken und Stiefelküssen bewandert war? Um sie dann an einer bestimmten Adresse in der Bozner Südtiroler Straße anzuwenden (und natürlich Werbung schaltete - wie langweilig)? Zugegeben, bei einer solchen Wahl kommen dann tatsächlich harte Fakten ins Spiel, wie: Umsatz, Gewinn, Expansion, Mitarbeiterstand… Nicht, dass 90-60-90 oder die drei B, sprich Blond-Blauäugig-Blöd bei einer Miss-Wahl kein Kriterium sind.
Keine Rolle dürfte hingegen eine großzügige Teilzeitregelung, eine betriebseigene Kita oder eine dem Hochpreisland Südtirol angepasste Lohntüte spielen. Dann schon eher wie groß der SUV des Chefs ist, natürlich targato RO oder STA. Gibt es diesen Preis noch? Vermutlich. Einzig die Wochenzeitschrift hatte irgendwie ein Einsehen und hat uns letztes Jahr mit den „Reichsten Südtirolern“ verschont. Könnten zur Abwechslung mal zum „Größten Steuerzahler Südtirols“ recherchieren. Oder den „Besten Steueroptimierer“ - gut das wäre dann auch langweilig, weil wir wieder bei der Sportlerwahl landen. Ich schweife ab. -
And the Oscar goes to ...
Welche Voraussetzungen muss der „Schlechteste Manager Südtirols“ erfüllen: Choleriker, Ausbeuter, Menschenschinder, Grapscher … alles nicht messbar. Fakten, auch in Zeiten des Postfaktischen, zählen nur Fakten und da ist nur relevant, was die Erbsenzähler aus der Buchhaltung unterm Strich zusammengerechnet haben. Darum: Wo musste der Steuerzahler das finanztechnische Unvermögen der Unternehmensführung querfinanzieren? Kurz, wer sein die Doign Monte dei Paschi di Siena, Commerzbank, Alitalia, Hypo Real Estate? Die „Gewährungsakten des Landes Südtirol 2025“, wie es im herrlichsten Beamtendeutsch verbrämt wird, sollen der Maßstab sein. Sprich die Liste der „Subventionen, Beiträgen, Zuschüssen, finanziellen Beihilfen sowie wirtschaftlichen Vergünstigungen jeglicher Art“. Und das Ergebnis ist nicht überraschend:
1. Südtiroler Bauernbund
Der „Schlechteste Manager des Jahres“ ist (warum wundert mich das nicht) der Sigi vom Bauernbund. Mit sage und schreibe 1.180.571,11 Euro Steuergeld wurde auch 2025 der Verband der Subventionsritter und Privilegienabgreifer finanziert. 20.882 Mitglieder, die nicht im Stande sind ihre 232 Angestellten zu zahlen?
Und da sind noch nicht einmal die 28.000 Euro für die Südtiroler Bäuerinnenorganisation oder die 104.000 Euro für die Bauernjugend eingerechnet. Oder der bäuerliche Notstandsfond, die Freiwilligen Arbeitseinsätze. Die 5.422.704,61 Euro für die Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen - wachsen - leben“. Genau, lernen wie man die Solidargemeinschaft melkt, ohne selbst etwas über Steuern beizutragen.
Außerdem habe ich es als unfair empfunden, die EU-Gelder aus den landwirtschaftlichen ELER und EGFL Fonds in Höhe von 903.408,76 Euro an den Bauernbund dazu zu rechnen. Wäre ja so, als würden wir Südtiroler den Lobbyisten des Bauernbundes in Brüssel - unseren allseits geschätzten Herbert - alleine zahlen.
Dass wir die Finanzlöcher in der Kanonikus-Michael-Gamperstraße stopfen, wird übrigens als ganz selbstverständlich angesehen. Liegt an ihrer cringen Selbstwahrnehmung. Ganz Südtirol wurde ja kürzlich wieder als Berggebiet eingestuft. Wenn du den Walcher Luis aus dem Bozner Grünkeil als Bergbauer begrüßt, zuckt er nicht mal überrascht. Alle maximal notleidend und kurz vor dem Verhungern.2. LVH-Bildung und Service Genossenschaft
Die Silberne geht an die Handwerker und das obwohl Handwerk bekanntlich goldenen Boden hat - den wir Steuerzahler für 858.814,87 Euro verlegt haben. Aus den Gewährungsakten war nicht zu entnehmen, ob das mit IVA oder in schwarz war - wie mein Bad, das ich letzte Woche so habe ausweißeln lassen. Also ich habe es weiß ausweißeln lassen, nicht schwarz - schwarz habe ich nur gezahlt; nicht dass da Missverständnisse aufkommen. Schon der Name. HimmlHerrgottaui: „Bildung ... Genossenschaft“. Ich dachte die Berufsschulen werden aus dem Budget des Studiumsabbrechers finanziert? Wenn der Kevin, mein Kaminkehrer, das nächste mal den Kessel putzt, werde ich mit ihm ein Pläuschchen über die „Relativitätsmetrik der Ereignishorizonte in multidimensionalen fluktuierenden Gravitationsanomalien zur Nullzeit“ halten - gebildet wie die Handwerker jetzt sein müssen.
3. Südtiroler Hotelier und Gastwirteverband
und ihre HGV Service Genossenschaft haben 273.082,29 Euro abgesahnt. Die Bringer von Wohlstand und Verkehrsüberlastung sind auch unfähig ihre Klitsche über die Mitgliedsbeiträge zu finanzieren. Dabei habe ich die Myriaden an bezuschussten Tourismusvereinen oder das Fass ohne Boden namens IDM noch nicht einmal eingerechnet. Gut, bei den Bauern habe ich die Viehversicherungen in jedem Kuhdorf, die Gelder für Beratungsring, Laimburg, Bodenverbessungs- und Beregnungskonsorzien, last but not least die Hagelversicherung auch außen vor gelassen. Hmmm … hätte ich die 190.662,67 Euro an die Privatzimmervermieter einrechnen sollen? Na. Dass uns der Tourismus in Summe zu viel kostet, wissen wir auch so.
4. …
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Razzies - oder die Goldene Himbeere
Ich kann nicht mehr. Wenn du durch die 34.948 Zeilen der CVS-Datei mit den Beiträgen scrollst, wird dir nur übel. (Sagte ich schon dass sich der SBB in seiner Broschüre „Ein.Blick“ damit brüstet, dass 10.900 Beitragsgesuche auf seine Kappe gehen?) Das Hu-isch-Hu der Südtiroler Wirtschaft - also der handaufhaltende Schnorrerteil davon - ist dort vertreten: Das Autohaus, der Bäcker, sogar der Weltmarktführer für Schneekanonen hat sich aus dem Acht-Milliarden-Haushalt 298.313,79 Euro zurückgeholt. „Beiträge für die Ausbildung der Unternehmen“ oder „Gewährung von Beiträgen zur Förderung der Forschung und Innovation“ heißt es in den Betreffzeilen. So weit hotts oar gschniebn!
Und jeder Cent ist ein „Beschluss der Landesregierung“. Capito! Da werden im Palais Widmann am Freitag Vormittag nicht die Leitplanken für unsere Zukunft gesetzt; wie unsere Jungen zu einer bezahlbaren Wohnung kommen oder der Brain Drain gestoppt wird. Nein. Da wird seitenweise die Badewassertemperatur des Südtiroler Klientilismus festgelegt: Wie viel der, dessen Name ich niemals nenne, unter der Dekretnummer 15111/2025 für seinen Wildzaun bekommt.
Warte, wollte der Dauerbeleidigte am Magnagoplatz nicht mit dem Gießkannenprinzip reinen Tisch machen; den Beitragssumpf trockenlegen? Also damals, Anno 2013? Fünf, Arno! Setzen!!
Da war doch dieser Journalist, der sich vom Vize-Faschisten eine Anzeige eingefangen hat, weil er gefrotzelt hat der galante Mensch sein ein Speck-Dealer? Well. Hier wird im großen Stil Wirtschaft drogiert und das ist offenbar völlig normal. Es lebe die Marktwirtschaft!
Eines muss ich noch loswerden. Einen Rüffel für wen auch immer, der an der Spitze des Vereins „Haus der geschützten Wohnungen“ steht. Schämt euch! Ganze 6.247,88 Euro wart ihr letzten Jahr imstande für eure geschundenen Frauen zu lukrieren. Das geht sicher besser. Als erstes holt ihr euch einen „Beitrag für die Ausbildung der Unternehmen“ und dann macht ihr damit einen Weiterbildungkurs bei der LVH-Bildung: „Subventionen abschöpfen, aber richtig. Ein Leitfaden.“ Und den „Verein Südtiroler Adoptiv- und Pflegeeltern“ mit ihren lächerlichen 9.500 Euro nehmt ihr am besten gleich mit. Da hat der Viehversicherungsverein Tulfer mehr abgecasht. No-na, wäre der Bauernbund die bessere Ausbildungsstätte, aber der Bauernbund arbeitet nur für die Bauern, äh Bergbauern. -
Der Trostpreis
Moment! Hat nicht auch 2025 das Dipartimento per l’informazione e l’editoria als Unterstützung für Minderheitenzeitungen der Medienkrake 6.176.996,03 Euro überwiesen? Bei 540.000 Einwohnern hat also jeder Bürger, inklusive Vorschulkinder die noch nicht lesen, weitsichtige Alte, denen die Buchstaben zu klein sind und ich, der ihren Schund aus Überzeugung nicht mehr lesen will, genau 11,43 Euro bezahlt. Ich sag’s wie Margaret Thatcher: „I want my money back!“
Sechs Millionen sind sechs mal mehr als der Zuschuss an die zweitplazierte Südtiroler Tageszeitung. Da sind die 239.848,45 Euro an Athesia Buch und Athesia Druck für irgendwelche Tirolensien-Projekte aus dem Landestopf Peanuts. Wenn ich mich recht erinnere, entsprach in einem Jahr der Gewinn im Weinbergweg ungefähr dieser Summe? Toll, wir Steuerzahler zahlen der Dreifaltigkeit den Gewinn. Damit dürfte klar sein, wer der schlechteste Manager Südtirols ist: Der, der in seiner Postille den besten kürt. Vor soviel Realsatire muss sogar ich kapitulieren. Ich ziehe meinen Hut. Chapeau! Aber mein Geld will ich in jedem Fall zurück.
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