Männerlose Welt
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Anlässlich des Frauenkampftages am 8. März wurde ich mit der Überlegung eines Mannes konfrontiert, die mich tatsächlich von den Socken gehauen hat. Im Alltag passiert das eher selten, vor allem wenn es um feministische Themen geht: Da lese ich Kommentare auf feministischen Foren, die eigentlich genau die beschriebene These bestätigen. Oder ich stoße auf das allgegenwärtige #NotAllMen, wenn nicht gar auf offenen Sexismus. Das bin ich mittlerweile gewohnt.
Zurück zur Überlegung dieses einen Mannes: Er meinte, manchmal stelle er sich eine Welt ohne Männer vor. Und das wäre dann eine Welt, in der Frau ganz einfach keine Angst mehr haben müsste. Zum einen, weil eben die Täter wegfallen würden und zum anderen, weil selbst jene Frauen, die männliche Verhaltensweisen nachahmen oder gewalttätig werden, um sich auf der sicheren Seite zu fühlen, ihr Verhalten ändern würden.
„Da könnte dann jede nackt zum Bahnhof laufen, und es würde rein gar nichts passieren.“
Zugegebenermaßen war ich im ersten Moment sprachlos, vor allem als er hinzufügte: „Da könnte dann jede nackt zum Bahnhof laufen, und es würde rein gar nichts passieren. Kein lüsterner Blick, kein Betatschen, kein Nachpfeifen, kein Übergriff.“. Noch während er vor sich hin sinnierte, fielen mir die unzähligen Tanznächte mit Freundinnen an „Girls only-Abenden“ ein, bei denen jede sich frei fühlt, ihr Glas abzustellen und sich zu bewegen, ganz wie sie will. Weil sie weiß, dass kein Grabscher da ist und auch keiner, der ihren Blick missdeutet und ihr dann auf dem Heimweg folgt. Weil sie befreit ist von der Objektifizierung des „male gaze“, außen wie innen.
Ganz offen: Ich weiß nicht, ob eine männerlose Welt meiner Traumwelt entsprechen würde. Es gibt da durchaus ein paar Einzelne, die ich liebe und nicht missen möchte. Ich weiß aber auch, dass dieser eine Mann mit seiner überraschenden Überlegung in unserer Gesellschaft ziemlich einsam dasteht. Hat doch erst die kürzlich erschienene Studie von Ipsos und dem Global Institute for Women’s Leadership am King’s College in London bezeugt, dass der Trend Richtung toxischer Männlichkeit bei der Gen-Z stark zunimmt. Aber vielleicht täusche ich mich ja in meiner Einschätzung der Lage und der eine oder andere Leser möchte zur Abwechslung etwas Erbauliches kommentieren …
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Dass mein Kommentar …
Dass mein Kommentar „erbaulich“ ist, kann ich nicht versprechen - es kommt auf die Perspektive des Betrachters an: Ich träume nämlich noch etwas ungehalten-haltloser und stelle mir dann eine Erde ganz ohne weiblich-männlich-lgbqueere-Menschheit vor. Und dieses große Aufatmen, das sich über den Blauen Planeten ausbreitete, wie die nie gehörte Stille des Chors sämtlicher Hähne aller ehemaligen Länder, die uns mit Fug und Recht auch nicht nur einen Ton nachkrähen würden. Ganz wie ich selbst.