Ambiente | Asphalt am Berg

Kein Schülertransport auf Schotter

Aufsehen um die Asphaltierung der Straße zu den Muthöfen. Die Grüne Landtagsfraktion kritisiert Bodenversiegelung und Bergverkehr. Die Anwohner fordern Schülertransport.
Auf der Höhe von Dorf Tirol angekommen geht der Blick nach Kuens und ins Passeiertal
Foto: Oswald Stimpfl
  • Mehr als zwanzig Jahre nach ihrem Bau steht die Straße zu den Muthöfen oberhalb von Dorf Tirol wieder in der Kritik. Anlass ist eine Landtagsanfrage der Grünen, die eine geplante Asphaltierung der bestehenden Zufahrtsstraße hinterfragen. Die Straße ist rund drei Kilometer lang, einspurig befahrbar und besteht derzeit größtenteils als Schotterstraße. Nun soll die Straße asphaltiert werden, und es stellt sich die Frage, ob das der richtige Umgang mit einem der letzten weitgehend motorfreien Räume oberhalb des Burggrafenamts ist.

  • Kritik: Versiegelte Böden

    Die Grünen erinnern daran, dass bei der Genehmigung des Projekts um die Jahrtausendwende bewusst auf eine Asphaltierung verzichtet wurde. In den Begleitunterlagen zur damaligen Umweltverträglichkeitsprüfung sei der naturnahe Belag ausdrücklich als Vorteil genannt worden, unter anderem wegen der besseren Wasserversickerung, der geringeren Versiegelung und weil er sich im Sommer weniger aufheizt. „Eine Asphaltierung der Straße war bei Genehmigung des Projekts damit ausgeschlossen“, betonen die Grünen.

    Zugleich verweisen die Grünen auf die heutige Nutzung der Straße: Sie werde nicht nur von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Höfe genutzt, sondern auch von vielen Wandernden. So heißt es im Begleittext zur Anfrage: „Die Vorteile aber einer nicht versiegelten Straße, vor allem für den Gehkomfort, überwiegen.“ Der bestehende Zustand gelte als Beispiel dafür, wie Erschließung in sensiblen Gebieten zurückhaltend gestaltet werden könne. Zentral erscheint jedoch die Frage: „Wie will die Landesregierung verhindern, dass aufgrund der Asphaltierung die Muthöfe für jedermann mit dem eigenen Auto erreichbar sind?“

  • Gegenargument: Leben auf dem Berg

    Bürgermeister Christoph Pircher betont, dass die Instandhaltung des porösen Weges durch neue Schotterfuhren jährlich Kosten von rund 40.000 Euro verursache, die auch von der öffentlichen Hand mitgetragen würden. Der Zustand der Straße sei in manchen Abschnitten sehr schlecht, was immer wieder aufwendige Reparaturen nötig mache, unter anderem den „Unterbau“ der Straße, erklärt Pircher.

    Der wichtigste Grund für den geplanten Ausbau sei jedoch ein anderer: Inzwischen leben wieder mehrere Familien mit Kindern auf den Höfen. Aktuell seien es acht Kinder, dazu kämen junge Erwachsene, die künftig ebenfalls Familien gründen könnten, erklärt der Bürgermeister. „Wegen des schlechten Straßenzustands gibt es derzeit keinen regulären Schülertransport. Den bekommen wir ohne einen geteerten Weg und ohne Leitplanken nicht“, sagt Pircher. Es gehe darum, den Menschen ein dauerhaftes Leben am Berg zu ermöglichen.

     

    „Wir wollen, dass die Menschen auf dem Berg bleiben“

     

    Die Versiegelungsfrage beurteilt der Bürgermeister weniger kritisch. Teile der Straße seien bereits betoniert, der Unterbau ohnehin weitgehend dicht, was das Absickern von Regenwasser verhindert, so bestätige dies auch die Forstdienst und die Behörde des Naturschutzgebiets Texelgruppe. Zudem solle der Ausbau so erfolgen, dass neben der Fahrbahn weiterhin ein begehbarer Streifen für Fußgängerinnen und Fußgänger bleibe, betont Pircher. „Wir wollen, dass die Menschen auf dem Berg bleiben“, so der Bürgermeister. Die Bedingungen: Salzstreuung im Winter sei ausgeschlossen, stattdessen solle mit Splitt gearbeitet werden.

     

    „Der Weg soll für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden“

     

    Und was ist mit dem Verkehr und dem Horrorszenario einer vollgeparkten Mut? Pircher weist diese Sorge zurück. Entlang der Straße gebe es keine Parkplätze, eine touristische Nutzung sei nicht vorgesehen. „Der Weg soll, wie auch andere Güter- und Hofwege in der Gemeinde, für den allgemeinen Verkehr gesperrt oder stark eingeschränkt werden“, betont Pircher. Wie genau diese Beschränkungen umgesetzt und kontrolliert werden sollen, stehe allerdings noch nicht fest.

  • Betroffene fordern bessere Lebensbedingungen

    Unterstützung erhält die Linie der Gemeinde von direkt Betroffenen. Betroffene, die anonym bleiben möchten, bestätigen die Notwendigkeit von Schülertransporten und den schlechten Zustand der Straße. „Ohne Straße geht es heute einfach fast nicht mehr“, so ein Betroffener. Es gehe nicht um Bequemlichkeit, sondern um die Bewältigung des Alltags.

    Berichtet wurde zudem von früheren Versuchen mit alternativen Belägen, für die viel Geld ausgegeben worden sei. Nach kurzer Zeit seien diese Lösungen wieder beschädigt gewesen. „Da sind hunderttausende Euro ausgegeben worden, und nach einem halben Jahr ist alles kaputt“, schildert ein Anwohner. Fest stehe, dass in Zukunft etwas geschehen müsse, wenn die Höfe bewohnt bleiben sollen.

  • Offene Fragen

    In ihrer Landtagsanfrage richten die Grünen folgende Fragen an die Landesregierung:

    1. Wann und von wem wurde um die Genehmigung der Asphaltierung der Straße auf die Muthöfe angesucht?
    2. Seit wann liegt der Landesregierung das Ansuchen vor und wurde das Projekt bereits genehmigt?
    3. Wie viel soll die Asphaltierung der Straße auf die Muthöfe kosten und in welcher Höhe wird die Landesregierung das Projekt mitfinanzieren?
    4. Wir ersuchen um eine Stellungnahme der Landesregierung zur geplanten Asphaltierung: Welchen Standpunkt hat sie dazu, auch vor dem Hintergrund des Ziels, die Versiegelung so weit wie möglich zu reduzieren.
    5. Wie will die Landesregierung verhindern, dass aufgrund der Asphaltierung die Muthöfe für jedermann mit dem eigenen Auto erreichbar sind?
    6. Falls die Straße asphaltiert wird, müssen die Leitplanken ausgetauscht werden? Wenn ja, wie hoch sind die Kosten dafür? Wenn ja, wer trägt diese Kosten?
    7. Wir ersuchen um eine Kostenaufschlüsselung der Instandhaltung der wassergebundenen Decke seit 2020 mit der genauen Angabe, wer in welchem Maß für die Kosten aufgekommen ist.