...Vater sein dagegen sehr
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Es waren keine schlechten Zahlen, die Stefan Perini, Direktor des Arbeitsförderungsinstituts (AFI) präsentierte, der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt aber auch, dass noch viel Luft nach oben ist.
„Es gibt Licht und Schatten“, sagt Perini. „Immer mehr Väter nehmen die Elternzeit in Anspruch, aber leider nur kurz.“ Die Zahl der Väter, die Elternurlaub in Anspruch nehmen, steigt zwar, allerdings nutzen sie die ihnen zustehende Zeit nicht aus. 2024 nahmen in der Region Trentino-Südtirol die Mütter im Schnitt 72 Tage Elternurlaub, die Väter nur 28. Der Bezug des Landesfamiliengelds Plus ist nach wie vor dürftig. 2025 nahmen nur 102 Personen diese Leistung in Anspruch, bei über 4.000 Geburten.
Italienweit – Zahlen für Südtirol gibt es keine – nehmen nur acht Prozent der Väter ihre Elternzeit. Von diesen wenigen gönnten sich 80 Prozent weniger als drei Monate, nur vier Prozent der italieniscvhen Männer gingen mehr als sechs Monate in Vaterschaft. Die Zahlen seien allerdings zuletzt stark gestiegen, sagt Perini. Grund dafür sei auch die Erhöhung der Lohnfortzahlung von 30 auf 80 Prozent.
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Mehr Flexibilität von Unternehmen und Gesetzgeber
AFI-Päsident Stefano Mellarini forderte mehr Flexibilität von Firmen und vom Gesetzgeber, um den Vätern entgegenzukommen.
Landesrätin Rosmarie Pamer sagte, „die Einbeziehung der Männer und die Diskussion über ihre Aufgaben stärkt Familie und Partnerschaft. Aber auch die Arbeitgeber müssen mitspielen.“
Christa Ladurner, Sprecherin der Allianz für Familie, merkte an, Mütter würden gern mehr arbeiten, Väter gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. „Beide Seiten profitieren, wenn mehr Väter Elternzeit nehmen.“
Der Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen steht lohnabhängig Beschäftigten in den zwei Monaten vor oder den fünf Monaten nach der Geburt zu, bei vollem Lohn. Seit einigen Jahren wird der Vaterschaftsurlaub schrittweise verlängert, waren es bis 2016 zwei Tage, sind es seit 2021 zehn. Mittlerweile nutzen ihn denn auch zwei von drei Vätern. Der Wermutstropfen: Nicht einmal ein Drittel nutzt die gesamten zehn Tage.
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Mann- und Vatersein kann man lernen
Weil finanzielle Anreize immer auch mit einem Bewusstseinswandel einhergehen sollten, schilderten Guido Osthoff und Erich Daum von der Caritas-Männerberatung ihre Erfahrungen. Man versuche, mit den Männern in „ihrer“ Sprache zu reden: direkt, konfrontativ, konkret und lösungsorientiert.
Auch Fälle aus der Praxis wurden vorgestellt, wie der von jenem Mann, der unter seinem autoritären Vater litt und auf keinen Fall so werden wollte wie er. Irgendwann merkte er aber, dass er genauso geworden war. Der andere hatte eine schmerzhafte Trennung von Frau und Kindern hinter sich, erst bei der Männerberatung wurde ihm klar, wie wenig er für die Familie da war. Mit Unterstützung konnte er sein „Mann- und Vatersein“ neu lernen und ist seitdem ein präsenter Vater für seine Kinder.
„Männer sind viel sensibler für Familie und Kinder als noch vor Jahren und für ihre ganz eigene Aufgabe in der Familie“, sagt Guido Osthoff von der Caritas-Männerberatung. „Aber noch delegieren zu viele Väter die Verantwortung an die Mütter. Tradierte Rollenbilder haften den Vätern noch immer an – aber auch den Müttern.“
Erich Daum, Psychotherapeut und Männerberater sagt: „Wenn du bei der Arbeit Dauerstress hast, kannst du dich am Abend nicht einfühlsam den Kindern widmen. Väter müssen sich ändern, aber auch die Umstände. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe!“
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Elternzeit - ein komplexes System
Die Elternzeit ist fakultativ und kann von beiden Elternteilen in Anspruch genommen werden, auch mehrere Jahre nach der Geburt. Sie gilt für Eltern im Angestelltenverhältnis und für bestimmte Kategorien von Selbstständigen.
Normalerweise beträgt die Elternzeit zehn Monate pro Familie und Kind, oder elf Monate, wenn der Vater mindestens drei Monate davon nimmt. Die Vergütung beträgt normalerweise 30 Prozent des Gehalts, für drei Monate innerhalb des sechsten Lebensjahres des Kindes auch 80 Prozent.
In der Anwendung ist die Elternzeit allerdings ein sehr komplexes System, je nach Geburtsjahr des Kindes.
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Vaterschaft im europäischen Vergleich
Im europäischen Vergleich bieten Frankreich, Luxemburg und die Slowakei die längsten Karenzzeiten für Väter, Spanien, Kroatien und Norwegen die bestbezahlten.
In Spanien gibt es den vollen Lohn, in Island sind sechs Monate von insgesamt zwölf fest für den Vater reserviert, wenn er sie nicht nutzt, gehen sie verloren. Norwegen gewährt fast ein Jahr Elternzeit bei vollem Lohn. 15 Wochen davon sind exklusiv für den Vater reserviert. Über 90 Prozent der norwegischen Väter gehen in Elternzeit.
Damit es auch in Italien mehr Väterbeteiligung gibt, fordert Perini nicht übertragbare Vätermonate und eine Lohnfortzahlung von über 80 Prozent, Bonuswochen für die Familie, wenn die Betreuung partnerschaftlich aufgeteilt wird, und vor allem Flexibilität: die Möglichkeit, die Auszeit an den Alltag anzupassen, zum Beispiel in Blöcken, tageweise oder in Kombination mit Teilzeitarbeit.
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