Politica | Mehrsprachigkeit

Ein würdiges Pilotprojekt

Eine Initiativgruppe von Villanderer Eltern will eine italienische Pädagogin im Villanderer Kindergarten einzusetzen. Andere Sprachgruppen würden es bereits vormachen.
Kindergarten asilo
Foto: greta_stuffer
  • Die Forderung des Großteils der Eltern in Villanders mit Kindern in Kita und Kindergärten nach einer italienischsprachigen Pädagogin im deutschsprachigen Kindergarten sorgt weiter für Debatten. Das Argument der Eltern: Während Mehrsprachigkeit in den Bildungskontexten der italienischen oder ladinischen Sprachgruppen längst Praxis ist, stoße sie im deutschen Kindergarten auf rechtliche und politische Grenzen. Eine Elterninitiative fordert in Villanders seit Jahren den Einsatz einer italienischsprachigen Pädagogin und prallt dabei auf Widerstände. Sieglinde Fink, Sprecherin der Villanderer Elterninitiative, betont: Der Kindergarten in der Villanderer Gemeinde könnte als Pilotprojekt für Mehrsprachigkeit fungieren.

    Der Team K-Landtagsabgeordnete Alex Ploner stellte sich bereits im Dezember hinter die Initiative. Nun äußern auch die Grünen im Bezirk Eisacktal ihren Zuspruch.

  • Eine „absurde Debatte“

    Sieglinde Fink: „Kein Kind ist überfordert – im Gegenteil.“ Foto: Sieglinde Fink

    Sieglinde Fink argumentiert: „Es wird nach wie vor behauptet, Kinder würden durch Mehrsprachigkeit überfordert und das Autonomiestatut – konkret Artikel 19 – lasse das nicht zu”. Erstes sei es wissenschaftlich widerlegt, dass Mehrsprachigkeit im frühen Kindesalter zu Überforderung führe und zweitens ist diese in anderen Sprachgruppen dieses Landes längst Praxis: „In italienischsprachigen Kindergärten, etwa im ‚Mille Colore‘ in Brixen, arbeiten seit Jahren deutschsprachige Pädagoginnen voll integriert im Alltag. Dort spricht niemand von Überforderung der Kinder.“ 

    In Villanders lebe man im Alltag fast ausschließlich deutschsprachig, daher fehle der natürliche Kontakt mit dem Italienischen. Ein Nachteil, der sich später bemerkbar mache, etwa in der Oberschule, wenn Dorf- und Stadtkinder gemeinsam unterrichtet würden. Während viele Kinder in den Städten unseres Landes die zweite Landessprache täglich anwenden könnten, müssten Kinder aus ländlichen Gemeinden diesen Rückstand erst mühsam aufholen, erklärt Fink.

     

    „Niemand will die Autonomie infrage stellen“

     

    Dabei, so Fink, gebe es in Villanders längst ein funktionierendes Beispiel im deutschen Bildungskontext: die zweisprachige Kita. In der Struktur, die von einer Sozialgenossenschaft organisiert wird, arbeiten deutsch- und italienischsprachige Pädagoginnen gemeinsam, ohne dass es zu Problemen komme. „Kein Kind ist überfordert – im Gegenteil“, sagt Fink. Die Einrichtung werde von Eltern sehr geschätzt, auch weil Kinder Sprache spielerisch und selbstverständlich aufnehmen. Für die Eltern sei es deshalb nur konsequent, dieses pädagogische Modell im Kindergarten fortzuführen.

    Nun setzen die Eltern auf einen neuen Ansatz: Sie schlagen vor, Villanders als Pilotprojekt für Mehrsprachigkeit im Kindergarten zu nutzen. „Niemand will die Autonomie oder Minderheitenschutz infrage stellen“, betont Fink. Ziel sei es, mit einem Projekt gleiche Bildungschancen für Kinder zu schaffen, die sprachliche Vielfalt im Land Südtirol angemessen zu nutzen und zu Leben, und zwar unabhängig davon, ob Kinder in der Stadt oder auf dem Land aufwachsen. Auch in der Gemeinde Kastelruth bestehe bereits reges Interesse an der Initiative.

  • Zustimmung aus der Opposition

    Alex Ploner, Landtagsabgeordneter vom Team K, hatte sich bereits im Dezember des letzten Jahres zum Thema geäußert: „Viele Südtirolerinnen und Südtiroler müssen ihre Italienischkenntnisse erst im Erwachsenenalter mit großem Aufwand erwerben, Sprachhemmungen überwinden und Vorurteile abbauen. In ländlichen Gebieten ohne italienischsprachige Familien und damit mit wenigen Gelegenheiten zum Sprachkontakt, sind die Bildungsnachteile offensichtlich.“

    Die Eisacktaler Grünen unterstützen die Forderungen Eltern: „In einer Region, die ihre Stärke aus kultureller Diversität und sprachlicher Vielfalt bezieht, klammert sich die Politik an ein Bildungsverständnis, das Sprache als Burggraben statt als Brücke begreift“, heißt es vom Gemeinderat der Grünen Bürgerliste Vahrn und Vorstandsmitglied der Verdi Grüne Vërc Julian RossmannVerena Stenico, Gemeinderätin der Grünen in Brixen, betont auch: „Das Argument, Kinder würden durch mehrere Sprachen überfordert, ist wissenschaftlich längst widerlegt.“

    In diesem Kontext verweisen auch die Grünen auf das ladinische Schulmodell. Der Umgang mit drei Unterrichtssprachen sei dort seit Jahrzehnten selbstverständlich und gehe mit keinerlei Identitätsverlust oder Bildungsnachteilen einher. Würde ein solches Modell auf ganz Südtirol übertragen, könne die „Logik der ethnischen Trennung überflüssig“ werden, so heißt es im Statement. Diese sei nicht nur pädagogisch überholt, sondern werde politisch von jenen Kräften verteidigt, die aus den sprachlichen Gegensätzen Kapital schlagen wollen.

  • Update

    Der Artikel wurde am 21. Jänner, um 16:00 Uhr aktualisiert.