Economia | China

Chinas Handel boomt

Trotz des Handelskonfliktes mit den USA erzielte China im Jahr 2025 einen Rekord-Handelsüberschuss von rund 1,2 Billionen US-Dollar.
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Cargo-Schiff
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  • Ungeachtet des anhaltendenden Zollstreites mit den USA und anderer Handelskonflikte hat China im vergangenen Jahr einen Rekord-Handelsüberschuss erzielt. Laut Daten der chinesischen Zollbehörde stiegen die Exporte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % auf rund 3,8 Billionen Dollar, während die Importe mit etwa 2,6 Billionen Dollar nahezu unverändert blieben. Der Handelsüberschuss stieg auf knapp 1,2 Billionen Dollar und übertraf den Handelsüberschuss von 2024, der schon nahezu eine Billion Dollar ausmachte.

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  • Vor der COVID-19-Pandemie verliefen Chinas Exporte und Importe tendenziell parallel. Seitdem hat sich eine deutliche Entkopplung vollzogen: Die Warenexporte sind deutlich über den Trend vor der Pandemie gestiegen, während die Warenimporte unter dem Niveau von 2021 stagnierten (siehe obige Grafik). Dies führte zu hohen Handelsüberschüssen. 

    Das Jahr 2025 war geprägt vom Zollstreit zwischen den USA und China,– den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Obwohl die Zollsätze zwischenzeitlich gesenkt wurden, blieben die US-Einfuhrzölle auf chinesische Waren hoch. Mit einem Minus von fast 20% brachen Chinas Exporte in die Vereinigten Staaten deutlich ein, während die Importe aus den USA um 14,6% sanken. In vielen chinesischen Branchen herrschte ein Überangebot, das der Binnenmarkt nicht absorbieren konnte. Deshalb suchten chinesische Unternehmen verstärkt Absatzmöglichkeiten in anderen Regionen, was schließlich zu einem Plus von 5,5% bei Chinas weltweiten Exporten führte. 

    Die Verkäufe in andere Märkte wie Südostasien, Afrika, Südamerika und Europa haben den Rückgang des Handels mit den USA mehr als kompensiert. Besonders stark nahmen die Ausfuhren im Jahr 2025 nach Afrika mit einem Plus von 25,8 % und in die Region der südostasiatischen ASEAN-Staaten 1/ (+13,4%) zu, während die Exporte nach Südamerika um 7% stiegen.  

    Chinas Exporte in die EU verzeichneten 2025 einen Anstieg von 8,4%, während Chinas Importe aus der EU um 0,4% sanken. In der EU lösen die stark gestiegenen Exporte aus China Besorgnis aus, da die Flut billiger Importe aus China für die heimische Industrie einen immer stärkeren Wettbewerbsdruck bringt. EU-Unternehmen berichten von einem vermehrten, aggressiven Wettbewerb, besonders in der Automobilbranche, und von erschwerten Marktbedingungen für Geschäfte in China. Besonders Deutschland ist betroffen, im Jahr 2025 nahmen die Ausfuhren der Volksrepublik China nach Deutschland um 10,5% zu und erreichten rund 118,3 Milliarden Dollar. Die Einfuhren aus Deutschland sanken dagegen um 2,1% auf 92,8 Milliarden Dollar. Seit Oktober 2024 ist China wieder Deutschlands Handelspartner Nummer eins 2/ und löste damit die USA ab. 

    Die Bilanz Exporte/Importe verdeutlicht das Ungleichgewicht der chinesischen Wirtschaft, die viel produziert und in den Weltmarkt exportiert, jedoch wegen der schwachen Inland-Nachfrage wenig aus dem Ausland importiert. Der Erfolg im Außenhandel steht im Kontrast zur anhaltenden Schwäche der binnenmarktorientierten Wirtschaftszweige. Während die Industrieproduktion im Jahr 2025 um 5,9 % stieg und damit das Wachstum des Einzelhandels von 3,7 % übertraf, brachen die Immobilieninvestitionen um 17,2 % ein. 

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  • Wie obige Grafik zeigt, liegt das Wirtschaftswachstum Chinas immer noch deutlich über dem der USA und der EU. China strebt auch in diesem Jahr wieder ein Wachstum von rund 5% an.

    Analysten warnen, dass sich das künftige Wirtschaftswachstum Chinas deutlich verlangsamen könnte, wenn Peking nicht Ressourcen in Richtung Inland-Konsum lenkt und die vom Binnenkonsum der Chinesen abhängigen Sektoren stärkt. 

  • China errichtet die weltweit größte Freihandelszone auf der Insel Hainan

    Während der Welthandel mit steigenden Zöllen und zunehmendem Protektionismus konfrontiert ist, vor allem als Folge von US-Präsident Trumps Zoll-Politik, schlägt China einen entgegengesetzten Weg ein und öffnet sich weiter für den freien Handel. Im Dezember 2025 hat China die Insel Hainan im Süden von China in eine Freihandelszone umgewandelt, die nicht nur einen einzelnen Hafen oder Industriepark, sondern die gesamte Insel umfasst. Dies soll einen freieren Warenverkehr aus Übersee ermöglichen und Chinas Handel langfristig weiter ausbauen. Die Errichtung der Freihandelszone Hainan gilt als Meilenstein in Chinas Bemühungen, den Freihandel zu fördern und die Öffnung angesichts des weltweit zunehmenden Protektionismus voranzutreiben und ist das bisher ambitionierteste wirtschaftliche Experiment in Sachen Freihandel und wirtschaftlicher Offenheit. Das neue System, das auf der Insel Hanan zum Tragen kommt, ordnet Import, Verarbeitung und Weitergabe von Waren grundlegend neu. Es ist Teil eines langen vorbereiteten Plans der Regierung in Peking, welches die Insel Hainan zu einem Knotenpunkt des internationalen Handels ausbauen und bestehende Öffnungsmodelle weiter vorantreiben will. 

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  • China verfügt bereits über 22 Freihandelszonen, die sich aber nur auf bestimmte Stadtgebiete beschränkern und sich auf die Modernisierung lokaler Industrien konzentrieren. Hainan hingegen hat eine ganze Insel in einen einheitlichen Freihandelszone mit eigenem Zoll-, Steuer- und Regulierungssystem umgewandelt. Die Insel ist flächenmäßig die größte Freihandelszone der Welt. Mit über 35.000 Quadratkilometern ist sie etwa fünfzigmal größer als Singapur 3/ und etwas größer als Belgien.

    Strategisch positioniert zwischen Südostasien und der Greater Bay Area (Guangdong-Hong Kong-Macao-Region) 4/ stärkt Hainan die „Belt & Road Initiative“ (= Seidenstraßen Projekt) 5/ sowie RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership)  6/ und dient als zentraler Handels- und Logistikknotenpunkt.

    Der Standort Hainan ist für ausländische Investoren deutlich attraktiver als der Rest von China, die Vorteile umfassen niedrigere Zoll- und Steuerkosten, flexible Logistik, einfachen Marktzugang und eine Plattform für innovative Geschäftsmodelle wie Duty-Free-Vertrieb und Cross-Border E-Commerce. Hainan positioniert sich damit als wichtiges Bindeglied für regionale und globale Lieferketten. Rund 74% der Waren können zollfrei nach Hainan gebracht, gelagert und ausgestellt werden. Abgaben fallen erst beim späteren Übergang in das chinesische Festland an, was Zollkosten und Kapitalbindung deutlich senkt. Unternehmen mit realer Geschäftstätigkeit zahlen nur 15% Körperschaftsteuer, hochqualifizierte Fachkräfte profitieren von der Steuerbefreiung über 15% Einkommensteuer. Zudem werden einige zuvor in Festlandchina eingeschränkte Branchen in Hainan weiter geöffnet, wodurch ausländische Investoren mehr Geschäftsmöglichkeiten erhalten.

    Wertschöpfende Produktionsbetriebe können Rohstoffe und Komponenten zollfrei einführen; bei einer Wertschöpfung von über 30% können Produkte zollfrei ins Festland gelangen. Branchen wie Elektronikmontage, Schmuckveredelung und Kfz-Teile profitieren besonders. Unternehmen lagern Waren zollfrei und verteilen sie flexibel nach Festlandchina oder Südostasien, was Supply-Chain-Kosten senkt.

    China geht es bei Hainan nicht nur um die Entwicklung der Freihandelszone, sondern es wird auch eine parallele Entwicklung von Tourismus, Hightech, Dienstleistungen und Logistik angestrebt. Die Nähe zum Festland erlaubt direkten Zugang zu 1,4 Milliarden Konsumenten. Schon jetzt genießen Menschen aus 86 Ländern eine visafreie Einreise nach Hainan. 

    Erste Indikatoren deuten auf ein wachsendes internationales Interesse hin. Schon im vergangenen Jahr, noch vor dem Start der großen Freihandelszone, stieg die Nutzung ausländischer Investitionen in Hainan um über 40% und zog Unternehmen aus 176 Ländern und Regionen an.

    Laut Peking ist es nicht das Ziel, Hainan über Nacht zum Wirtschaftsmotor Chinas zu machen. Die Insel dient in erster Linie als Testfeld für internationalisierte Regeln in einem kontrollierten und überschaubaren Rahmen. China bekennt sich zur Öffnung des Handels auch in Zeiten des Protektionismus und der globalen Unsicherheit. Hainan dient als Testfeld für Reformen, die landesweit Anwendung finden könnten.

  • 1/ Die  ASEAN-Mitgliedsstaaten sind: Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Timor-Leste, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam.

    2/ Auch dank staatlicher Unterstützung nahmen chinesische Firmen erst der deutschen Autoindustrie Weltmarktanteile ab, nun stehen sie im Wettbewerb mit deutschen Unternehmen der Maschinenbau- und Chemiebranche. 

    3/ Durch seine strategische Lage,die einen einfachen Zugang zu wichtigen asiatischen Märkten und globalen Handelsrouten ermöglicht, ist Singapurzu einem der weltweit führenden Handelszentren geworden und zieht durch die Förderung von Innovation und Talenten eine wachsende Zahl globaler Rohstoffhändler an. In Singapur gibt es 9 Zollfreizonen, die auch zu seinem Erfolg als globaler Handelsplatz beitragen. 

    4/ Die Guangdong-Hongkong-Macau Greater Bay Area (GBA) im Süden von China wird häufig auch einfach Greater Bay Area genannt und umfasst neun Städte in der Provinz Guangdong sowie die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau. Von chinesischen Regierungs-Planern als integrierter Wirtschaftsraum konzipiert, soll die GBA bis 2035 eine globale Führungsrolle übernehmen. Mit rund 86 Millionen Einwohnern gilt sie als der größte und bevölkerungsreichste Ballungsraum der Welt. 

    5/ Die Belt and Road Initiative ((BRI), wird oft auch als auch Neue Seidenstraße bezeichnet), ist Chinas Großprojekt zur Vernetzung von Europa, Asien, Afrika und darüber hinaus durch neue Infrastruktur, Handelswege und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ziel ist: bessere Infrastruktur, bessere Handels- und Investitionsströme, wirtschaftliches Wachstum und globale Zusammenarbeit.

    6/ Die RCEP ( Regional Comprehensive Economic Partnership - deutsch:  Regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaft) ist ein am 1. Januar 2022 in Kraft getretenes  Freihandelsabkommen zwischen den 11 ASEAN-Mitgliedsstaaten sowie China, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland. Es ist die größte Freihandelszone (zwischen verschiedenen Ländern) der Welt mit über 2,3 Milliarden Einwohner. Das Hauptziel der RCEP ist die Förderung des Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der Region. Der mit Abstand größte und einflussreichste Mitgliedsstaat ist China.