Vom Land in die Stadt mit Giannibio
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Andrea und Giovanni Paiarola haben uns gemeinsam mit Nicola Bottazzo ihr Unternehmen vorgestellt – ein Projekt, das 2019 ins Leben gerufen wurde und heute sieben Verkaufspunkte sowie zahlreiche begleitende Initiativen umfasst, die Konsumentinnen und Konsumenten für ein bewussteres Einkaufsverhalten sensibilisieren sollen.
SALTO: Vor sechs Jahren haben Sie mit einem einzigen Geschäft begonnen. Wie hat sich Ihr Unternehmen seither entwickelt?
Nicola Bottazzo: Unser gemeinsames Ideal war von Anfang an, eine transparente und direkte Verbindung zwischen den Endverbrauchenden und den Produzierenden zu schaffen. Deshalb haben wir von Beginn an auf kurze, nachhaltige Lieferketten gesetzt, die kleinen Erzeugern und Erzeugerinnen Unterstützung bieten und die regionale Wertschöpfung fördern.
Als wir 2019 unser erstes Geschäft in der Cesare-Battisti-Straße eröffneten, hatten wir bereits die Vision, ein größeres Netzwerk an Verkaufsstellen aufzubauen. Mittlerweile betreiben wir sieben Verkaufsstellen: fünf in Bozen, einen in Kaltern und einen Weiteren in Lana – mit der Unterstützung von 26 Mitarbeitenden und 153 KleinproduzentInnen. Wir sind klaren Werten verpflichtet. Um einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil zu fördern, setzen wir in unseren Geschäften auf unverpackte Ware und bieten eine Alternative zum klassischen Supermarkt – mit einem Sortiment, das von frischen Lebensmitteln bis hin zu Reinigungsmitteln und Kosmetik reicht.
Zusätzlich koordinieren wir einen Lieferservice sowie ein B2B-Vertriebsprogramm für Restaurants und Hotels.
Gibt es aktuell neue Projekte?
Ja, wir planen einige Neuerungen im Rahmen eines bereits gestarteten Projekts: die Lieferung von frisch gekochten, fertigen Gerichten an Schul- und Betriebskantinen. Dieses Jahr möchten wir dieses Angebot – das stark auf vegetarische und vegane Ernährung ausgerichtet ist – weiter ausbauen, indem wir, in teilnehmenden Betrieben, sogenannte "Corner" in Form von Verkaufsautomaten einrichten. So ermöglichen wir es immer mehr Menschen, sich gesund zu ernähren.
In etwa zwei Monaten wird für uns ein Traum wahr: Wir übernehmen ein Bistro-Café im Bozner Stadtteil Piani, das als vollständig biologisch zertifizierter Gastronomiebetrieb geführt sein wird.
Sie haben bereits viele Erfolge erzielt! Gab es auf dem Weg dorthin auch Herausforderungen?
Andrea Paiarola: Einer unserer Grundsätze war von Anfang an der direkte Einkauf von Rohstoffen bei den Produzierenden – ohne ZwischenhändlerInnen. Dieses System funktioniert lokal sehr gut, hat uns jedoch im Bereich Obst und Gemüse vor Herausforderungen gestellt, da viele Produkte aus Süditalien stammen. Das größte Hindernis war der Transport, denn um diesen effizient zu gestalten, müssen große Mengen bestellt werden – was mit nur ein oder zwei Verkaufsstellen nicht einfach ist. Heute, dank unseres erweiterten Netzwerks, konnten wir dieses Problem weitgehend lösen, was für uns ein bedeutender Erfolg ist.
Der direkte Kontakt zu den Produzenten, das gegenseitige Vertrauen und die Möglichkeit, unseren Kundinnen und Kunden die Hintergründe ihrer Lebensmittel näherzubringen, sind für uns essenziell.
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„Manche Kunden sagen: Bei euch habe ich den Geschmack von früher wiedergefunden!“
Es liegt Ihnen auch am Herzen, eine echte Gemeinschaft rund um den biologischen Lebensstil zu schaffen, richtig?
Nicola Bottazzo: Genau. Alles, was wir tun, ist Teil eines größeren sozialen Projekts. Uns wurde klar, dass es nicht ausreicht, einfach nur eine Alternative zum Supermarkt zu bieten – es braucht auch Aufklärung. In Zukunft würden wir gerne an Schulen und Universitäten Vorträge halten. Momentan organisieren wir Veranstaltungen in unseren Läden: gezielte Kampagnen, die einerseits unsere LieferantenInnen unterstützen und andererseits die Menschen für unsere Philosophie begeistern sollen.
Das nächste Event ist eine Weinverkostung am 21. Februar. Wer über weitere Veranstaltungen informiert bleiben möchte, kann sich auf unserer Webseite für unseren Newsletter anmelden.
Giovanni Paiarola: Solche Begegnungen sind wichtig, denn das Thema Bio ist oft von Missverständnissen und mangelndem Wissen über Saisonalität und Produktionsprozesse geprägt. Bioprodukte sind eine wertvolle Alternative, doch aufgrund von Marketingstrategien und dem unbegrenzten Angebot großer Supermarktketten wird Bio oft als Nischenprodukt oder Luxusware angesehen. In Wahrheit steht es einfach für mehr Ehrlichkeit.
Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden vermitteln, dass es gute Gründe für Preisunterschiede gibt – diese liegen in der Qualität der Produkte, die Sie konsumieren. Geschmack spielt eine Rolle, ebenso wie der Einsatz für die Umwelt, etwa bei Verpackungen und den Emissionen.
Ein Beispiel: 2023 haben wir 4,5 Tonnen unverpacktes Getreide und Trockenfrüchte verkauft – das entspricht 15.642 eingesparten Verpackungen und 50 Kilogramm weniger Plastik. Solche kleinen Erfolge wollen wir weiterhin erreichen.