Vollgas Richtung Biogas
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Die Landesregierung will die Modernisierung und Erweiterung bestehender Biogasanlagen fördern und damit deren Beitrag zur erneuerbaren Energieproduktion langfristig absichern. Rund 30 Anlagen sind derzeit in Südtirol in Betrieb, viele von ihnen seit mehr als zwei Jahrzehnten. Damit sie weiterhin effizient Strom und Wärme liefern können, sollen sie technisch aufgerüstet werden.
Wie sinnvoll dieser Schritt energiepolitisch ist, hat Thomas Egger, Präsident des Klimaclub Südtirol, für uns eingeordnet. Sein Fazit: Vor allem bräuchte Südtirol eine Grundlage für die langfristige Planung der Energiewende.
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Stärkere Integration von Biogas
Ziel der von Landesrat Peter Brunner vorgeschlagenen Förderrichtlinien ist es, den Anteil erneuerbarer Energiequellen weiter zu erhöhen und die Anlagen an heutige Effizienzstandards anzupassen.
Auch Südtirolgas-Direktor Michele Gilardi hatte im Zuge des Gerichtsverfahrens rund um das sogenannte Wärmepumpen-Dekret betont, dass Biogas ein Baustein für die Weiterentwicklung der Gasinfrastruktur sein könnte.
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Was ist Biogas?
Biogas entsteht durch die Vergärung von Gülle, Mist und organischen Reststoffen unter Luftabschluss. Das dabei entstehende Gas wird in Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlagen in Strom und Wärme umgewandelt. Biogas gilt als erneuerbare Energiequelle, da es auf nachwachsenden oder organischen Reststoffen basiert.
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Die neuen Richtlinien knüpfen die Förderung an klare Bedingungen. Voraussetzung ist, dass das produzierte Biogas in einer Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlage verwertet und die gesamte anfallende Wärme genutzt wird. Zudem muss mit fünf Prozent weniger eingesetzter Energie dieselbe oder mehr nutzbare Energie erzeugt werden können. Auch ein maximaler durchschnittlicher jährlicher Viehbesatz, also eine festgelegte Anzahl von Nutztieren pro Landwirtschaftsfläche, ist einzuhalten.
Anspruchsberechtigt sind Unternehmen, die in Südtirol Biogasanlagen betreiben. Die maximale Beitragshöhe beträgt 50 Prozent der zulässigen Kosten für die Produktion thermischer Energie. Nicht förderfähig sind unter anderem Grundankäufe, bauliche Maßnahmen oder der Ankauf von Transportfahrzeugen. Die Anträge müssen bis 30. Juni vor Beginn der Arbeiten beim Landesamt für Energie und Klimaschutz eingereicht werden.
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Einschätzung vom Klimaclub
Thomas Egger: „Es wird eine Nische bleiben, aber es kann eine wichtige Nische sein.“ Foto: Thomas EggerFür Thomas Egger vom Klimaclub ist die Unterstützung bestehender Anlagen grundsätzlich sinnvoll. In den vergangenen drei Jahrzehnten seien entsprechende Strukturen zur Biogas-Energiegewinnung aufgebaut und finanziert worden, sagt er: „Deswegen ist es sehr wichtig, wenn die Rahmenbedingungen so geschaffen werden, dass sie weiterhin bestehen können.“
Gleichzeitig will Egger die Rolle von Biogas nicht überschätzen: „Es wird eine Nische bleiben, aber es kann eine wichtige Nische sein“. Während Photovoltaik und Windkraft stark von Wetter und Tageszeit abhängen, lässt sich Biogas gezielt und bedarfsgerecht einsetzen. In Zeiten mit wenig Wind- und Solarstrom könnten auf diese Weise gezielt Strom erzeugt und Versorgungslücken geschlossen werden.
Problematisch sei hingegen, dass viele Anlagen derzeit ganzjährig relativ konstant produzieren, so der Experte. In den Sommermonaten etwa, wenn Photovoltaikanlagen zur Mittagszeit große Mengen Strom ins Netz einspeisen, sei zusätzlicher Biogasstrom energiewirtschaftlich wenig sinnvoll. „Dann müsste Biogas effizient gespeichert werden, um in sogenannten Dunkelflauten oder Schwachlastzeiten Strom erzeugen zu können. Biogas ist ein optimaler Puffer“, erklärt Egger.
„Wir brauchen eine Art Simulation, wie wir in zehn, zwanzig, dreißig oder auch vierzig Jahren unsere Energieversorgung decken wollen.“
Mit rund 30 Anlagen verfügt Südtirol über eine solide Basis. Entscheidend sei, dass die bestehenden Anlagen erhalten und dort, wo es sinnvoll sei, effizient erweitert werden. Eine Ausweitung dürfe jedoch nicht dazu führen, dass verstärkt Energiepflanzen wie Mais angebaut oder Rohstoffe über weite Strecken transportiert werden, um die Anlagen auszulasten. Biogas solle stets auf lokalen Reststoffen basieren und nicht neue Abhängigkeiten schaffen.
Über die konkrete Förderung hinaus sieht Egger jedoch einen grundsätzlichen Handlungsbedarf. Südtirol brauche eine langfristige, systematische Planung seiner künftigen Energieversorgung. „Wir brauchen eine Art Simulation, wie wir in zehn, zwanzig, dreißig oder auch vierzig Jahren unsere Energieversorgung decken wollen. Sind Technologien, wie Biogasanlagen in einen solchen Plan integriert, wüsste man viel besser, wie viel man investieren müsste“, sagt er.
Egger spricht von einer Grundlage, die veranschaulicht, wie und in welchem Umfang Technologien benötigt werden und wie hoch deren Anteil am Energiemix sein sollte. Andere Regionen, wie Nordtirol, hätten solche Modelle bereits im Rahmen ihrer Klimapläne entwickelt, in Südtirol sei ein vergleichbarer Gesamtplan bislang nicht erkennbar.
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