„Einfach machen lassen"
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SALTO: Herr Kobler, Ihre Partnerliste für 2025 ist beeindruckend lang – wie überlebenswichtig ist diese massive Vernetzung heute für einen autonomen Club wie den ost west club est ovest?
Thomas Kobler: Die Vernetzung und das Bilden von Synergien auf kultureller und soziopolitischer Ebene sind für unseren Verein fundamental. In einer sich immer stärker fragmentierenden Gesellschaft sind sie von unschätzbarem Wert. Wir arbeiten mittlerweile mit vielen Partnervereinen und Kollektiven zusammen, die unsere Tätigkeit jedes Jahr aufs Neue bereichern. Wir legen großen Wert darauf, mit dieser Netzwerkarbeit die vielfältige Kulturszene unserer Stadt sichtbar zu machen und dadurch vielleicht auch mehr Wertschätzung für die Kulturschaffenden zu erzeugen. Der Verein versteht sich seit 1982 als kreative und offene Plattform, die unterschiedlichen Initiativen die Möglichkeit geben möchte, sich zu zeigen und auszuprobieren
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Mit der Veranstaltung „Stilbruch“ sind Sie direkt in das Meraner Stadttheater gegangen. War dies ein bewusster Schritt, um die Grenzen zwischen Subkultur und klassischen Kulturinstitutionen einzureißen?
Das könnte man so sagen. Wir sind der Meinung, dass das Trennende nicht den Vorstellungen des Vereins entspricht. Seit jeher zeichnet sich der Club dadurch aus, neue Dinge auszuprobieren und sein Kulturangebot an verschiedenen Orten niederschwellig zugänglich zu machen. Wir haben 27 Jahre lang ein kleines Vereinslokal in der Altstadt bespielt; davor haben wir uns mit Garagen oder Gewerkschaftsräumen beholfen. Dass wir im September 2025 auch das altehrwürdige Stadttheater als geeigneten Raum betrachtet haben, ist die logische Folge unserer Geschichte. Es kommt eben nicht häufig vor, dass vier Wochen nach Mozart plötzlich elektronische Sounds der Formation Drahthaus im Theater zu hören sind. Es war ein Zeichen, dass Meran für kulturelle Offenheit und Diversität steht.
Projekte wie die „Bike Kitchen“ setzen stark auf Partizipation. Wandelt sich der Club damit gerade von einem Ort des Kulturkonsums hin zu einer aktiven Mitmach-Werkstatt für die Stadt?
Der Club war eigentlich schon immer ein Ort, wo die Menschen mitgemacht haben. Dieser partizipative Gedanke ist eine der fundamentalen Säulen, auf denen unser Statut beruht.
Man muss die Menschen nur machen lassen, indem man ihnen den entsprechenden Raum zur Verfügung stellt.
Ob Jam Sessions, das Repair Café (das 2025 sein 10-jähriges Bestehen feierte) oder das Pubquiz – das alles zeigt: Man muss die Menschen nur machen lassen, indem man ihnen den entsprechenden Raum zur Verfügung stellt und sie bei der Bekanntmachung ihrer Ideen unterstützt. Der Rest passiert meistens von allein. Natürlich gibt es bei mehreren tausend Mitgliedern auch jene, die nur konsumieren, aber auch das ist völlig in Ordnung. Grundsätzlich laden wir alle ein, sich einfach bei uns zu melden und mitzuwirken.
Sie werden von namhaften Partnern unterstützt. Wie gelingt es Ihnen, bei solchen Kooperationen die finanzielle Unabhängigkeit und die Authentizität als alternativer Club zu bewahren?
Diese Frage wurde uns schon öfters gestellt. In diesem Fall handelt es sich um einen Partner, der den Club schon seit fast 10 Jahren unterstützt, ohne dass unsere Authentizität je infrage gestellt wurde. Überhaupt: Was bedeutet „alternativ“ heute? In einer Zeit, in der es „alternative Fakten“ oder Medizin gibt, kann ich mich mit dieser Begrifflichkeit kaum mehr identifizieren. Der Begriff wirkt oft marginalisierend. Begriffe wie „frei“ oder „selbstorganisiert“ ermöglichen eine positivere und inklusivere Selbstbeschreibung.
Wo sehen Sie den Club in fünf Jahren – eher auf dem Weg zu einer etablierten Kulturinstitution oder weiterhin als den „wilden“ Gegenpol zum klassischen Kulturbetrieb?
Allein die Tatsache, dass der Club seit 1982 besteht und wir nun ein großes Vereinsheim bespielen dürfen, zeigt, dass wir zu einem etablierten Kulturort geworden sind.
Das Wichtigste ist für uns, nach wie vor ein offener und von Konsumzwang befreiter Treffpunkt zu bleiben.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass wir nicht trotzdem weiterhin den „wilden“ und etwas „verrückteren“ Initiativen Platz geben wollen; das eine schließt das andere nicht aus. Das Wichtigste ist für uns, nach wie vor ein offener und von Konsumzwang befreiter Treffpunkt zu bleiben, wo Menschen unabhängig von Alter, Identität, Sprache und sozialer Herkunft einander begegnen können.
Das Clubjahr 2025 kompakt- Veranstaltungsrekord: Insgesamt wurden 225 Veranstaltungen im Jahr 2025 durchgeführt.
- Musikalische Vielfalt: 77 Musikveranstaltungen, darunter 17 Ausgaben von „Share Your Music“ und 10 Jam Sessions.
- Gesellschaft & Nachhaltigkeit: 9 Repair Cafés (10-jähriges Jubiläum) sowie das feministische Infocafé Femminista.
- Neue Highlights: Start der Bike Kitchen (Oktober 2025), Back To Reality und Performing Artists Bersaglio (PAB).
- Besondere Kooperation: Großevent „Stilbruch“ im Stadttheater Meran zur feierlichen Wiedereröffnung am 27. September 2025.
- Mitglieder & Personal: Neuer Mitgliederrekord und Team-Zuwachs durch vier neue Mitarbeitende.
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