Cultura | Bibliophile Fragen

„Einfallstor in die Literatur“

Der Autor und Unternehmer Horst Moser veröffentlicht bald sein nächstes Buch. Zuvor hat er schon mal "die immer gleichen Fragen" von SALTO beantwortet.
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Foto: Privat
  • SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

    Horst Moser: Zuerst waren da die Geschichten aus den Hörbüchern (Kassetten, um genau zu sein), wenn man die Erzählstimme nicht mehr hörte und sich stattdessen in einer anderen Welt wiederfand, in Bilder eintauchte, die Figuren greifbar wurden und vor sich sah, als sei man selbst Teil des Erzählten. Das war mein Einfallstor in die Literatur.

    Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

    „So kämpfen wir uns voran, Boote gegen die Strömung, unablässig zurückgetragen, der Vergangenheit zu.“ (Der große Gatsby von J. Scott Fitzgerald) Weil das, was wir erleben, uns zu dem macht, der wir sind. 
     

    Die ehrlich gemeinten Bücher. Die lustigen auch.

  • Unternehmer und Autor,: Geboren 1975, lebt und arbeitet in Bruneck. Mitte März erscheint sein neuer Roman "Weil wir nichts wussten" bei Raetia. Foto: Privat

    Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

    Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem, meinte Karl Valentin. Und doch gibt es diese Leuchttürme, jene Gedankenkonstruktionen und Schilderungen, die überraschen, manchmal sogar überwältigen. Und eben auch ganz viel Überschätztes, vom hochgelobten Autor bis hin zur übervermarkteten Schriftstellerin. Ein einzelnes Buch daraus möchte ich erst gar nicht erwähnen.

    Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

    Lokalkolorit, das Sich-Wiederfinden in einem bekannten Umfeld, die Vorhersehbarkeit der Handlung. Und weil am Ende doch noch alles gut wird.

    Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

    Von Freunden, die Bücher gut finden, die auch mir gefallen. Aber nie uneingeschränkt, weil die eigene Wahrnehmung und Leseart immer einzigartig bleibt. Und damit auch die Wirkung einer Geschichte.

    Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

    Keines, weil selbst die nicht fertig gelesenen im Bücherregal landen, als Deko oder als Mahnruf. 

    Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

    Ich verwende keinen E-Reader, mag das Haptische, die Cover der Bücher. Ordne sie ein und lege sie ab, um sie vielleicht viel später erneut zu lesen, oder um im Vorbeigehen eine markierte Stelle wiederzufinden, einen Satz, an dem ich irgendwann mal hängengeblieben bin.

    Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen? 

    Die ehrlich gemeinten Bücher. Die lustigen auch. Diejenigen, die die Zerrissenheit der Menschen hier einzufangen vermögen. Und die Schönheit dieses kleinen Landes auch.