Economia | Genossenschaften

Schluss mit dem Lohn-Dumping

Ein Zusatzabkommen zu den Arbeitskosten in Sozialgenossenschaften soll für mehr Lohngerechtigkeit sorgen.
Coopbund
Foto: Coopbund
  • Ein Zusatzabkommen zu den Arbeitskosten in Sozialgenossenschaften soll für mehr Lohngerechtigkeit sorgen. Ziel der Vereinbarung zwischen den Sozialpartnern ist es, öffentlichen Auftraggebern künftig eine verlässliche und einheitliche Grundlage für die Berechnung von Personalkosten bei Ausschreibungen zu bieten. Damit soll einem System entgegengewirkt werden, das bislang Lohndruck und Qualitätsverluste bei den Dienstleistungen von Sozialgenossenschaften begünstigt hat.

    Unterzeichnet wurde das Abkommen von Coopbund Alto Adige Südtirol, dem Raiffeisenverband Südtirol und AGCI Alto Adige Südtirol auf Arbeitgeberseite sowie von den Gewerkschaften CGIL/AGBSGBCISL-ÖDV-FP undFisascatUIL-SGK und ASGB. Kernstück der Vereinbarung sind Tabellen zu durchschnittlichen Stundenarbeitskosten, die auf Basis des nationalen und des territorialen Kollektivvertrags für Sozialgenossenschaften erstellt wurden und künftig als Orientierungsrahmen bei öffentlichen Vergaben dienen sollen.

  • Referenz gegen „Lohndumping“

    Notwendig geworden ist dieser Schritt, weil die bislang herangezogenen nationalen ministeriellen Kostentabellen die Besonderheiten Südtirols nicht abbilden, so erklärt Coopbund. Sozialgenossenschaften im Land wenden neben dem nationalen auch einen territorialen Kollektivvertrag an, der erheblichen Einfluss auf die tatsächlichen Arbeitskosten hat. Dafür fehlte bisher eine landesweit abgestimmte Referenz, was wiederum das sogenannte „Lohndumping“ durch öffentliche Auftraggeber beförderte sowie die Beschäftigungsstabilität und Dienstleistungsqualität aufseiten der Sozialgenossenschaften einschränkte.

    Jüngst unterstrich auch Stefan Perini gegenüber SALTO, Präsident des Arbeitsförderungsinstitut AFI, wie groß der Handlungsbedarf ist. Sozialgenossenschaften würden auch zu den Branchen gehören, die vom Lohndruck besonders betroffen seien. Öffentliche Aufträge würden nämlich in der Regel an den preisgünstigsten Anbieter vergeben, wodurch starker Preisdruck auf Letztere ausgeübt werde.

  • Monica Devilli: Die Präsidentin versteht das Dokument als wichtige Unterstützung für Sozialgenossenschaften und für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, dem zentralen Element im Genossenschaftswesen. Foto: Coopbund

    Für Monica Devilli, Präsidentin des Coopbunds, ist das Abkommen deshalb weit mehr als ein technisches Instrument. Es gehe darum, den Wert der Arbeit in Sozialgenossenschaften sichtbar zu machen und sicherzustellen, dass Lohnkosten bei Ausschreibungen realistisch angesetzt werden. „Seit Monaten arbeiten wir daran, angemessene Tabellen zusammenzustellen“, so die Präsidentin. Dabei hätte man sich auch Hilfe von der öffentlichen Verwaltung erwartet. Diese sei jedoch ausgeblieben.

    So wurde das Dokument in einer „Aktion der Eigenverantwortung“ durch die Sozialpartner erarbeitet und unterzeichnet. „Auf diese Art und Weise können wir die Sozialgenossenschaften unterstützen, die ein wichtiger Motor für unser Gemeinwohl sind, wobei auch zu betonen gilt, dass für uns der Mensch, also die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, im Mittelpunkt stehen“, betont Devilli. Die Vereinbarung werde nun beim Arbeitsinspektorat hinterlegt, verbunden mit der Hoffnung auf mehr Sensibilität seitens der Politik.