Südtiroler Raum
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Wieviel Kubikmeter Raum hat Südtirol? Das hängt ganz davon ab, wie er berechnet wird und das geschieht bekanntlich indem Länge, Höhe und Breite mit einander malgenommen werden. Was Länge und Breite betrifft, so ist deren Produkt bekannt, es sind 7.400,43 km². Auf dieser Fläche leben rund 539.400 Einwohner, die sich diese Fläche im Jahr 2024 mit 37 Millionen Touristen geteilt haben – willentlich oder auch nicht. Um den Raum zu berechnen, den Einwohner und Touristen vom gesamten südtiroler Raum jeweils eingenommen haben, müsste die dabei beanspruchte Höhe bekannt sein. Das ist in diesem Fall schwierig.
Einfacher scheint es, was die südtiroler Apfelproduktion angeht. Bei einer Anbaufläche von etwa 18.000 Hektar und einer ungefähren Gewächshöhe von 2.50 Metern ergibt sich ein Raum von 450 Millionen Kubikmetern, der von ca. 10.000 Apfelproduzenten und -produzentinnen bewirtschaftet wird. Doch hier tut sich ein geradezu unermessliches Problem auf:
Was wären die Plantagen von Apfelzuchtgewächsen ohne das Wetter und ohne den Himmel, unter dem sie in Reih‘ und Glied betongestützt stehen müssen? Hier kommt dann vor allem die Sonne ins Spiel, deren Entfernung von der Erde zur Berechnung der Höhe und damit des südtiroler Apfelraumes unverzichtbar ist. Dieser Abstand beträgt bekanntlich 150 Mio. km, die jetzt mit den 18.000 Hektar Anbaufläche multipliziert werden müssen.
Doch damit nicht genug, denn wenn es wahr ist, dass Pestizide der Apfelproduktion sich bis in die Höhenlagen der Berge verbreiten, muß auch dieser Raum zu dem auf eine Fläche von 18.000 Hektar begrenzten hinzugerechnet werden. Und eben auch diesen Raum jenseits der Grenzen der Apfelplantagen durchwandern und durchfahren Touristen.
Aber hier sollten wir fragen: Was ist in einem solchen Raum und was geschieht da mit ihm? Und welche Vorstellung haben wir dabei vom Raum? Die mächtigste Vorstellung vom Raum ist sicher die von den drei Dimensionen: Länge, Höhe und Breite, sie bilden da den eigentlichen Raum, den Maßraum für alle anderen Räume, auch noch für Zeit- und Spielräume. Nur ist dieser Raum nicht die Grundgestalt des Raumes, sondern bloß eine Abstraktion konkreter Raumverhältnisse, die ursprünglicher sind als das wissenschaftliche Konstrukt.
Raum geht auf aus den Bezügen zwischen Dingen und Menschen, er ist dieses Zwischen und d. h. Raum ist immer auch Sinnraum. Aus dem, wie ich mich in meinem Leben einrichte, geht jener Sinnraum auf, von dem die drei Dimensionen abgezogen werden und damit auch konkreter Sinn. Woran ich mein Leben ausrichte, in welcher Perspektive ich es entwerfe, worauf ich selber mit mir aus bin, das entscheidet über die Sinnbezüge meines Lebens-Raums. Erst den Sinnbezügen sind die Bestimmungen für jegliche Raumgestaltung zu entnehmen. Rein technische Funktionsberechnungen aber, um mit minimalem Aufwand ein Maximum zu erreichen, bringen Dinge und Menschen zum Verschwinden und mit ihnen verschwinden Natur und Landschaft. Aber wir haben sie schon längst aus den Augen verloren, denn der Anblick einer Unmenge an Krüppelgehölzen oder immersiver Touristenmassen geht uns nicht im geringsten unter die Haut.
Moritz Amselbrück
DANKE! - Sehr aufrüttelnd…
DANKE! - Sehr aufrüttelnd und nachdenklich stimmend!
Als älterer Jahrgang und schon immer gerne beobachtend, kann ich als einer vom niederen Volke, aber auch als Gästeführer nach 25-jähriger Tätigkeit - einiges feststellen!
Die ZAHLEN sind im Tourismus zum Wichtigsten geworden und steigen weiterhin! Es geht leider schon lange nicht mehr um "Gastgebende für erwartungsfreudige Gäste"! - Allein in Brixen wurden beliebte Veranstaltungen wie der Kuchlkirchtig, das Bergsteigertreffen und das "Weinlesen" ersatzlos gestrichen, - wo sich doch Einheimische und Gäste freundlich begegnen konnten. Dafür hat man das Gefühl, daß Besuchende und Urlaubende immer häufiger zur "Überprüfung der Werbe-Versprechungen" anreisen.
Ähnlich sind die Auswirkungen der Spritzmittel in der Obstwirtschaft die weiterhin nachdenklich machen wenn man weiß, dass sich selbst Fachleute nicht einig in der Bewertung der Folgen sind!