Società | Sanitätsbetrieb

"Schlichtweg unverantwortlich"

Die Gewerkschaften heißen den Haushaltsvoranschlag des Sanitätsbetriebs gut. Weniger gut heißt die Generaldirektion den Aufruf an die Ärzte, am 18. März zu streiken.

Kopfschütteln und ein Nicken gab es auf der gestrigen Sitzung der Führungsspitze des Südtiroler Sanitätsbetriebs mit den Vertretern der Belegschaft. Im Rahmen des Treffens wurde der neue Haushaltsvoranschlag 2016 präsentiert, den der Sanitätsbetrieb auf Grundlage der Zusatzfinanzierung des Landes Südtirol beschließt. Darin sind insgesamt 1.260 Millionen Euro an Einnahmen und Ausgaben vorgesehen. “Der Voranschlag ist also insgesamt ausgeglichen”, teilt der Betrieb mit. Auf rund 7 Millionen Euro belaufen sich die zusätzlichen Investitionen zur Umsetzung der EDV-Offensive, weitere rund 9,7 Millionen Euro sind für die Neuanstellungen im ärztlichen und Pflegebereich vorgesehen. Auf der anderen Seite stehen Einsparungsmaßnahmen von etwa 1,25 Millionen Euro, darunter etwa im Bereich des Verwaltungs- und nicht-sanitären Personals. Zustimmung für den Haushaltsvoranschlag kam am Donnerstag von den Gewerkschaften.

Gleichzeitig schüttelten Generaldirektor Thomas Schael und Sanitätsdirektor Oswald Mayr über einen der Gewerkschaftsvertreter den Kopf. Ivan Simeoni von der BSK-VSK hatte öffentlich dazu aufgerufen, im Zuge des nationalen Ärztestreiks, der in exakt zwei Wochen stattfindet, die Dienste im Südtiroler Sanitätsbetrieb lahmzulegen. Sich ein “unbezahltes, aber unbezahlbares Wochenende” zu nehmen, hatte Simeoni den Südtiroler Ärzten nahegelegt. Mit dem Ziel, “dass am 18. März der gesamte Sanitätsbetrieb stehen bleibt und nichts mehr funktioniert”. Mit ungewohnter Direktheit entgegnete Generaldirektor Schael gestern, dass derartige Aussagen “schlichtweg unverantwortlich” seien. “Hier wird ohne Anlass Unsicherheit in der Bevölkerung gestiftet”, so Schael, der mit dem Gewerkschafter hart ins Gericht ging. “Simeoni scheint zum Trittbrettfahrer der italienischen Gewerkschaften mit lokalen Themen zu werden, wenn er sich ohne Wenn und Aber dem nationalen Sreik anschließt.” Es sei nicht einsehbar, dass man versuche, Gehalts- und Vertragsverhandlungen auf dem Rücken der Patienten auszutragen, zumal auf lokaler Ebene bereits Verhandlungen am Laufen seien. Neben BSK-VSK hat mit SNAMI übrigens eine weitere Ärztegewerkschaft zur Teilnahme am Streik aufgerufen. Dort ist man überzeugt, dass die Patienten Verständnis zeigen werden, wie SNAMI-Präsidentin Susanna Hofmann in einem Schreiben mitteilt. Mit dem Streik wollen die italienischen und Südtiroler Ärzte ihr Unbehagen und ihr “Nein” zu Kürzungen von Leistungen für die Bürger sowie zur “Gleichgültigkeit der Regierung und der Provinz” zum Ausdruck bringen.

Sollte es – trotz Kritik aus dem Sanitätsbetrieb – auch in Südtirol am 18. März zu einem Streik kommen, werden die wesentlichen Gesundheitsleistungen an jenem Tag trotzdem garantiert werden. “Wir bemühen uns mit Kräften, die eventuellen Einschränkungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten”, versichern die Führungskräfte. Dazu Schael: “Als Generaldirektion haben wir nun jene Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsmitarbeiter ernannt, die am 18. März Dienst leisten werden.” So werden die Notaufnahmen der Krankenhäuser, aber auch die Einheiten für Reanimation und Notfallchirurgie sowie die Dialysen voll funktionieren. In anderen Abteilungen und Diensten soll im Umfang von Feiertagsdiensten gearbeitet werden. “Nur geplante Leistungen, wie zum Beispiel jene in den Poliambulatorien, könnten durch den Streik Einschränkungen erfahren”, schließt Schael, der Josef Simeoni entgegen seiner Behauptung, beweisen will, dass die Gesundheitsversorgung nicht “auf wackligen Beinen steht”.