Rosarotes Cortina
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Wer kann sich noch an das idyllische Instrumentalstück Cortina aus dem Film Der rosarote Panther (Originaltitel The Pink Panther) unter der Regie von Blake Edwards aus dem Jahr 1963 erinnern? Im Film treffen die Protagonisten im italienischen Wintersportort Cortina d’Ampezzo aufeinander. „Die spritzige, elegant inszenierte Gaunerkomödie“, heißt es dazu im Lexikon des internationalen Films, „wurde nicht zuletzt auch berühmt durch ihren Trickfilm-Titelvorspann, aus dem später die TV-Zeichentrickserie hervorging.“ Der amerikanische Komponist Henry Mancini – seine Eltern waren vor dem Ersten Weltkrieg aus den Abruzzen in die Vereinigten Staaten ausgewandert – wurde für seine Filmmusik 1965 für einen Oscar nominiert.
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Vom Panther zur Brille
Sinnbefreit vorbeigeplant: Die umstrittene Seilbahn hat es am Ende nicht rechtzeitig geschafft. Foto: SALTOWie durch eine „rosarote Brille“ blickten die Macher von Olympia 2026 lange auf die eigenen Vorbereitungen der Spiele in Cortina und zeigten der Welt ein immer positives Bild zum Austragungsort. Die verklärte Sichtweise war irgendwann offenkundig, der damit verbundene Realitätsverlust einiger Olympiamacher offensichtlich.
„Die Arbeiten an der Seilbahn, die Zuschauer direkt vom Stadtzentrum zu den Pisten bringen soll, begannen verspätet, und einige Anwohner äußerten Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Standorts in einem erdrutschgefährdeten Gebiet“, war von Japan über Europa bis Übersee in den Medien zu lesen. Unmittelbar danach folgten Meldungen wie jene aus The Guardian, in dem steht: „Die neue Seilbahn von Cortina d’Ampezzo zum Skigebiet Socrepes wird nicht rechtzeitig fertig. Athleten und Zuschauer der Olympischen Winterspiele müssen nun anders auf den Berg gebracht werden.“
Die von SALTO vor zwei Wochen hochgeladene Videoreportage Cortina, folle corsa contro il tempo mit inzwischen über 120.000 Views auf Youtube hat (wie der Kommentarbereich vermuten lässt) eine Welle der Empörung ins Rollen gebracht. Allerdings nicht die Ferigstellung der umstrittenen Seilbahn. Ein ärgerliches Fiasko für die selbstsicheren und finanziell gut ausgestatteten olympischen Wegbereiter.
Negative Kritik vs. blumige Nostalgie
Bärige Spiele in Cortina: Siglinde Moroder bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo, 1956 Foto: Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und KunstCortina d’Ampezzo, Berg- und Wintersport-Eldorado nennt sich die virtuelle Ausstellung des Tiroler Photoarchivs. Anlässlich der unmittelbar bevorstehenden Olympischen Winterspiele Mailand–Cortina 2026 „wurden die vielen beachtlichen Bestände im Tiroler Photoarchiv TAP durchforstet“, heißt es zur seit wenigen Tagen online gegangenen Ausstellung zum bekannten Berg- und Wintersport-Eldorado. Anhand historischer Lichtbilder zeigt die Schau die Entwicklung und Veränderung im Laufe der Zeit von 1895 bis 1960 – also auch Aufnahmen bis zu den ersten, in Cortina ausgetragenen Spielen im Jahr 1956.
Beim virtuellen Rundgang können mittels Visual History neue Erkenntnisse zu Cortina – ab 1923 offiziell Cortina d’Ampezzo –, der umliegenden Bergwelt sowie zu Einheimischen und Gästen gewonnen werden. „Über 30 historische und zeithistorische Fotografien aus den Beständen des Tiroler Photoarchivs laden in eigens konzipierten, virtuell begehbaren Räumen dazu ein“, schreibt Kurator Martin Kofler, der seit 15 Jahren das 2011 geschaffene Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) leitet.
Während es für die virtuelle Ausstellung keine Eröffnung im klassischen Sinn gab, wird heute Olympia 2026 gigantomanisch über die Bildschirme filmmern, in einem Stadion, für welches Mitte der 1950er Jahre (also in etwa im Zeitraum von Cortina 1956) der in Bozen für viele Bauwerke bekannte Architekt Hand anlegte: Armando Ronca. Immerhin wurden die Arbeiten damals in Mailand – im Unterschied zur Seilbahn gegenwärtig in Cortina – rechtzeitig abgeschlossen.
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