Economia | Pustertal

Die neuen Bauhelden aus Innichen

Acht Unternehmen spenden ein Startkapital von 1,2 Millionen Euro, um 40 preisgebundene Mietwohnungen zu bauen: Auf der Rangliste werden Ansässige vorgezogen.
Initiative für die Stiftung für Wohnbau in Innichen
Foto: Initiative für eine Wohnbau-Stiftung
  • Das neue Wohnbauprojekt im Pustertal klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Acht Unternehmen stellen jeweils 150.000 Euro zur Verfügung, um 40 preisgebundene Mietwohnungen in Innichen zu bauen. Geplant sind Einheiten mit Küche, Bad und ein bis drei Zimmern. Die Wohnungsmiete soll mindestens 10 Prozent günstiger als der aktuelle konventionierte Mietzins ausfallen. Im nächsten Schritt werden die Unternehmen dafür eine gemeinnützige Stiftung gründen. 

    „So wollen wir leistbaren Wohnraum für Studierende, junge Familien, aber auch für Pensionisten schaffen. Die Nachfrage ist enorm, viele junge Erwachsene sind gezwungen wegen der hohen Immobilienpreise unsere Gemeinde zu verlassen“, erklärt einer der Unternehmer, Stephan Mühlmann vom Hotel Leitlhof. Zwar werde damit die Wohnungsnot nicht gelöst, aber zumindest „ein wenig Druck aus dem Kessel gelassen“. 

  • Auch Großaktionär Franz Senfter dabei

    Hinter der Initiative stehen nicht nur Hoteliers und Kaufleute, sondern auch zwei bekannte Großunternehmen im Pustertal: Neben der Leitlhof GmbH, Papin Sport GmbH, Schäfer GmbH, Posthotel & Residence GmbH, Hotel Villa Stefania und Burgmann Kandidus OHG sind auch die 3 Zinnen AG und die Senfter Holding dabei. 

    Das Skiliftunternehmen 3 Zinnen AG mit dessen Großaktionär Franz Senfter und seiner gleichnamigen Holding ist ein wichtiger Arbeitgeber im Tal. Seit kurzem ist der Vizepräsident der 3 Zinnen AG, Walter Holzer, auch Präsident des Tourismusvereins von Sexten. Diese Machtkonzentration gefällt nicht allen, berichtete das Wochenmagazin ff Mitte Februar. Die neue Stiftung für Wohnbau im Nachbardorf sorgt nun für positive Schlagzeilen. Manche fragen sich, ob sich dahinter nur eine aufpolierte Imagekampagne verbirgt und eigentlich nur Wohnungen für die eigenen Angestellten geschaffen werden. Mühlmann vom Hotel Leitlhof weist diese Vermutung entschieden zurück. „Es wird eine Rangliste mit Vergabekriterien für Interessierte erstellt. Ansässige in Innichen haben dabei absolut Vorrang“, sagt er. 

  • Innichen: In der Pustertaler Gemeinde leben rund 3.300 Menschen. Foto: Seehauserfoto
  • Ende März wird sich die Initiative mit dem Gemeindeausschuss von Innichen für die weiteren Schritte treffen. Geplant sind mehrere Wohngebäude mit gemeinsamer Tiefgarage in der neuen Wohnbauzone nördlich der Staatsstraße gegenüber des Hotels Rehbock, derzeit sind die vier Grundparzellen in sonniger Lage noch landwirtschaftliches Grün. Die Gemeinde wird anschließend einen Wettbewerb für den Durchführungsplan ausschreiben, wo das Bauvolumen der zukünftigen Stiftung bereits eingeplant ist. 

    Die Stiftung wiederum wird mit dem Startkapital von 1,2 Millionen Euro eine Machbarkeitsstudie samt Business Plan ausarbeiten. In diesem Rahmen wollen die acht Unternehmen ein gemeinnütziges Wohnprojekt einreichen, das durch die Wohnbaureform vom Land mit 55 Prozent der Investitionskosten gefördert und zusätzlich mit einem Kredit finanziert werden soll.