MondWild im Takt der Maschinen
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SALTO: Sophia Knapp, der Songtitel „Maschinen“ wirkt wie ein Kontrast zu Ihrem organischen Songwriting. Ist die Technik für Sie Mittel zum Zweck oder ein Gegner?
Sophia Knapp: Definitiv Mittel zum Zweck, und weder Gegner noch bester Freund. Mich haben die kreativen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich mir durch Technik bieten, immer interessiert – die Technik an sich weniger. Der Songtitel ist eine Anspielung auf die heutzutage verbreitete Technikverherrlichung und darauf, dass wie eine Maschine zu „funktionieren“ oft mehr zu zählen scheint, als einfach zu tun, was sich gut anfühlt. Für mich hängt beides zusammen, daher der Song.
Sie fragen im Song: „Wie viel von dem Leben, das du lebst, ist wirklich DEINS?“ Was war der Auslöser für diese radikale Bestandsaufnahme?
Eine Schlüsselzeile im Song für mich ist „Mach die Augen zu, bevor du tanzt. Wie viel bewegst jetzt du?“
Der Auslöser dafür war meine persönliche Quarter-Life-Crisis, in der ich beschlossen habe, mich auf Musik zu konzentrieren.
Das soll eine Einladung zur ehrlichen Selbstbeobachtung sein: Bin ich mir auf meinem Lebensweg wirklich selbst treu geblieben? Der Auslöser dafür war meine persönliche Quarter-Life-Crisis, in der ich beschlossen habe, mich auf Musik zu konzentrieren. Ich habe da gemerkt, wie leise man sich selbst verlieren kann, wenn man nicht aufpasst – nicht durch eine große Entscheidung, sondern durch viele kleine Nichtentscheidungen.
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MondWild-Maschinen(c) Sophia Knapp
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Wie verhindern Sie als Produzentin, dass die Perfektion der digitalen Produktion die rohe Emotion Ihrer Texte verschluckt?
Das ist tatsächlich ein viel diskutiertes Thema unter elektronischen Musikproduzentinnen. Da gibt’s eine Reihe Tricks, zum Beispiel selbst aufgenommene Hintergrundgeräusche hinzufügen oder Noten leicht vom Raster verschieben. Für Letzteres gibt’s in der Software, die ich verwende, sogar einen Button mit dem witzigen Namen „Humanize“. Am Ende achte ich beim Musik produzieren aber mehr auf meine Intuition als auf die korrekte technische Ausführung. Was dabei hilft, ist zum Beispiel, mit geschlossenen Augen zu hören, ob mich ein Track bewegt, statt auf den Bildschirm zu schauen.
Mondwild verbindet Elektronik mit Singer-Songwriter-Elementen. Sehen Sie sich eher als Geschichtenerzählerin oder als Klangarchitektin?
Ich sehe mich klar als Geschichtenerzählerin, die sowohl Worte als auch Klänge zum Erzählen nutzt. Vor meinem Projekt MondWild habe ich meine Songs einfach auf der Gitarre gespielt und dazu gesungen. Die elektronischere Musik mit ihren unzähligen Möglichkeiten gibt mir mehr „Farben“ zum Erzählen als sechs Gitarrensaiten.
Zur Person Sophia KnappHinter dem Projekt MondWild steht die Musikerin und Produzentin Sophia Knapp. Ihre Musik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen organischem Songwriting und elektronischen Texturen.
- Der Sound: Eine Symbiose aus poetischen Texten und melodischen Beats, die Momente zwischen „Lost“ und „Found“ thematisiert.
- Live-Performance: MondWild baut ihre Tracks auf der Bühne Schicht für Schicht in Echtzeit auf. Mittels Controllern und Stimme kreiert sie einen Flow, der die Brücke zwischen intimer Atmosphäre und Clubenergie schlägt.
- Präsenz: Sophia Knapp ist mit ihrem Projekt MondWild eine feste Größe in der progressiven Südtiroler Musikszene und bespielt sowohl intime Kulturräume als auch elektronische Live-Formate.
- Philosophie: Konsequentes Do-it-yourself – von der Produktion über das Design bis hin zum eigenen Label – um die Unmittelbarkeit zwischen Gefühl und Ergebnis zu sichern.
- Release-Ticker: Am 13. März 2026 erscheint ihr neuer Song: „Vergissmeinnicht“.
Sie veröffentlichen alle vier bis sechs Wochen eine Single. Wie bewahren Sie bei diesem Tempo die inhaltliche Tiefe?
Ich mach jeden Morgen Yoga und Meditation, das gibt mir Energie, entspannt meinen inneren Kritiker und bringt mich in Kontakt mit meiner Intuition. Das alles bildet für mich die Grundlage, um in einen kreativen Flow zu kommen.
Spiegelt der Sound von „Maschinen“ den Zustand unserer aktuellen Gesellschaft wider?
Ich will mit meinem Sound weniger den Zustand der aktuellen Gesellschaft spiegeln, als eine Alternative anbieten. Ich empfinde elektronische Musik in Richtung House/Techno als einen Sound, der sich dafür gut eignet, weil er sowohl viel Energie als auch etwas Meditatives hat. Diese Kombi hilft mir, das „Getriebene“ abzuschütteln und in eine andere, freiere Bewegung zu kommen. Mit meinen Lyrics will ich zusätzlich zum Reflektieren einladen.
Sie verwalten Design und Label selbst. Ist diese „Do-it-yourself“-Mentalität Ihre Antwort auf die Frage nach Echtheit im System?
Ja. Wenn ich alles selber mache, ist der Weg zwischen Gefühl und Ergebnis einfach kürzer und näher dran. Ich habe mit dem Musik produzieren angefangen, weil ich es schwierig fand, jemand anderem zu vermitteln, wie mein Song klingen soll – mit dem Singen war es dasselbe. Und es macht mir tatsächlich auch Spaß, alles selbst zu machen. Das bringt Abwechslung in meinen Alltag.
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