Pi mal Daumen
-
„Das Museion habe sich als wichtiger Partner der Südtiroler Landesregierung etabliert und werde dies auch bleiben“, heißt es in der Aussendung des Landespresseamtes zur Bekanntgabe über den kürzlich über die Bühne gegangenen Präsidentinnenwechsel der Stiftung des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst Museion. Hatte noch vor wenigen Tagen Marion Piffer Damiani zum Vorfall rund um das Museion Café Stellung bezogen, liegen nun derartige Aufgaben – im guten wie im schlechten Fall – in den Händen von Tanja Pichler.
„Marion Piffer Damianis Leidenschaft für die zeitgenössische Kunst ist in jeder ihrer Handlungen und Entscheidungen spürbar. Dieses ungebremste Engagement für unsere Kunst- und Kulturlandschaft hat bleibende Spuren hinterlassen. Sie hat damit unsere Kunstlandschaft wesentlich mitgeprägt“, lobte Kulturlandesrat Philipp Achammer die langjährige Museion-Präsidentin und dankte für „ihren Einsatz und die stets wertschätzende Zusammenarbeit.“ Für rund 15 Jahre stand die Brixner Kunsthistorikerin, Kuratorin und Kunstpublizistin als Präsidentin an der Spitze der Stiftung. Nun gibt sie ab.
Teil eines Projektteams zu sein, gemeinsam zu planen und gemeinsam die beste Lösung zu finden...
-
Neue Präsidentin des Museion: Tanja Pichler übernimmt nach rund 15 Jahren Präsidentinnenschaft von Marion Piffer Damiani Foto: Alex FilzAuf sie folgt Tanja Pichler. Geboren 1979 in Bozen, lebt sie nach Jahren im Ausland – inzwischen ist sie verheiratet und hat vier Kinder – wieder in Südtirol, in Bozen. Nach dem Abitur absolvierte Tanja Pichler einen Master in Construction Management und Bauingenieurwesen an der Universität Graz. Anschließend begann sie vor rund zwei Jahrzehnten ihre berufliche Laufbahn als Tragwerksingenieurin im technischen Büro des Familienunternehmens Pichler Projects. Danach arbeitete sie zunächst als Junior- und später als Senior-Projektmanagerin für verschiedene Baustellen in Italien und im Ausland und entdeckte dabei immer stärker ihre Leidenschaft fürs Bauen. „Teil eines Projektteams zu sein, gemeinsam zu planen und gemeinsam die beste Lösung zu finden, ist etwas, das Tanja immer wieder neu begeistert“, heißt es dazu in ihrem Lebenslauf.
Ab 2011 arbeitete sie zunächst als Kalkulatorin und Vertriebsmitarbeiterin, ab 2013 zog sie nach Zürich und leitete die Vertriebsniederlassung von Pichler Projects in der Schweiz. Bis 2019 war sie für alle deutschsprachigen Märkte des Unternehmens tätig. Die enge Verbundenheit mit ihrer Familie und der Wunsch, ihre Kinder in Südtirol aufwachsen zu lassen, führten Pichler schließlich von der Schweiz wieder zurück nach Bozen, wo sie anschließend bei Pichler Projects für die Kommunikation verantwortlich war und den Vertrieb weiterhin unterstützte.
Ab 2022 war Tanja Pichler Präsidentin des Vereins Transart.
Zeitgenössische Zeichen setzen: Auch wenn das Museion und die Unterbringung im angestammten Gebäude von politischer Seite (Stefano Fattor, Christian Bianchi oder Marco Galateo) immer wider in Abrede gestellt wurde und wird: eine starke Präsidentin hält dagegen und wird sich zu wehren wissen. Foto: Luca MeneghelUnd welchen direkten oder indirekten Draht hat Pichler in die zeitgenössische Kunstwelt? Dazu kann nur spekuliert werden, da sie auf Nachfrage von SALTO keine Zeit für eine Stellungnahme hatte. Zum einen aber hat sie durchaus einen familiären Draht in die Kunst, denn der Cousin ihres Vaters ist der bekannteste zeitgenössische Künstler mit Wurzeln in Südtirol: Walter Pichler. Außerdem teilt Tanja Pichler sich den Geburtstag mit dem bedeutendsten Südtiroler Poeten n. c. kaser. Und drittens war sie ab 2022 Präsidentin des Transart-Trägervereins.
Über das letztere zeitgenössische Sprungbrett ist es ihr nun – Pi mal Daumen – gelungen, die Präsidentschaft des Museion zu übernehmen. Der Landesrat äußerte seine „Zuversicht auf die Fortführung der guten, fruchtbringenden Zusammenarbeit mit dem neu bestellten Verwaltungsrat.“
Weitere Mitglieder des Verwaltungsrates sind Antonella Arseni, Peter Paul Kainrath, Stefania Pitscheider Soraperra und Ivan Rampelotto.Im Unterschied zur Kreiszahl Pi ist die Museion-Präsident(innen)schaft allerdings nicht unendlich. Trotzdem hofft man – und das dürfte von einer Expertin im Bauingenieurwesen durchaus zu erwarten sein – auf eine gute Statik und die eine oder andere Konstante.
Articoli correlati
Gesellschaft | NeofaschismusRechtsradikaler Raum
Kultur | KunstMein Museion
Kultur | Salto AfternoonArchaischer Utopist
Acconsenti per leggere i commenti o per commentare tu stesso. Puoi revocare il tuo consenso in qualsiasi momento.